vom 01.02.2007 um 21:31 Uhr

Nach 14 Monaten Zauberberg bezwungen

Thomas Mann [1] hat meiner Meinung nach seinen Literaturnobelpreis redlich verdient. Auch wenn ich erst zwei seiner Bücher (Der Zauberberg, Die Buddenbrooks) gelesen habe, denke ich, dass ich das sagen kann.
Den Zauberberg [2] fing ich vor etwa 14 Monaten zu lesen an und schloss damit erst vor etwa 20 Minuten ab. Wie ist also die lange Lesedauer zu begründen?

Zuerst einmal muss berücksichtig werden, dass meine Leselust im letzten Jahr sehr zu wünschen übrig ließ. Zudem war das Jahr ohnehin verhältnismäßig ereignisreich und man sollte die äußerst klein bedruckten 1009 Buchseiten nicht unterschätzen.
Doch kann ich nicht leugnen, dass Thomas Mann beliebt, sich in Details zu verlieren, sodass die Lektüre zahlreiche Durststrecken vorzuweisen hat, in denen der Autor sich etwa über das Thema "Der menschliche Organismus" auslässt und sich schließlich sogar dem äußerst abstrakten Problem der physikalischen und chemischen Erklärung von Leben widmet.
Doch immerhin lässt das doch zumindest von der außerordentlichen Intelligenz oder zumindest Bildung des Autors schließen.

Auf den Inhalt des Buches werde ich hier nicht eingehen - neben der Wikipedia-Seite lässt sich eine kurze Inhaltsangabe auf Dieter Wunderlich [3] finden.

Ich will nur kurz auf meine Meinung zu der Lektüre eingehen: mir hat der Roman letztendlich wirklich hervorragend gefallen. Die Entwicklung, die der "Held" aber auch die Gesellschaft in der Pension durchmacht, ist unübersehbar und wunderschön dargelegt und ausgestaltet.
Auch wenn sich viele Textpassagen in ihrer Detailvielfalt überschlagen, zeugt der Textfluss doch von guter Lesbarkeit und Unterhaltsamkeit.
Viele Aspekte, die der Autor in die Geschichte einbaut, brachten mich zum Nachdenken und gelegentlich brachte mich die ein oder andere Beschreibung auch zum schmunzeln.
Zum Schluss konnte man sogar gut gemeint von Action und wahrer Spannung im heutigen Sinne der mehr oder minder verkommenen Unterhaltungswelt reden. Immerhin kam es zur Ausübung esoterischer Riten, Schlägereien, Duellen und zuletzt gar zum finalen Krieg, dem 1. Weltkrieg, auf den schließlich alles hinausläuft.

Dieses Buch hat mich tief beeindruckt und ich kann es jedem, der bereit ist, einiges an Zeit zu investieren, mit gutem Gewissen weiterempfehlen! Die Geschichte des jungen Hans Castorp ist einfach mitreißend und es handelt sich immerhin um das Werk eines Literaturnobelpreisträgers.



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