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Schlagwort "Exkurs"

Drachen-Konferenz in der deutschen Hauptstadt

Zwischen den Jahren füllt sich das Berlin Congress Centrum sowie einige Berliner Turnhallen mit Menschenmassen ungewöhnlicher Art. Seit dem 27. Dezember strömen aus aller Welt Technik- und Computerbegeisterte auf die alljährliche Gesamtkonferenz des Chaos Computer Clubs (CCC) namens Chaos Communication Congress [1].

Der CCC wird bisweilen als Hacker-Verein bezeichnet. Es handelt sich um eine Vereinigung von Menschen, die sich um sicherheitstechnische und ideologische Probleme der modernen Welt Gedanken machen. Ihre Gedanken äußern sie häufig lautstark in den Medien und vor der Politik. Der CCC hat im vergangenen Jahr Begriffe wie "Stasi 2.0" und "Zensursula" geprägt, die in der so genannten Netzgemeinde großen Gesprächsbedarf weckten.

Ich war also dabei, als sich jener Verein dieses Jahr zum 26. Mal in Berlin versammelte und zu diesem Zwecke Interessierte aus aller Welt einlud. Von dem viertägigen Kongress erlebte ich jedoch nur den ersten Tag mit: Mit Übernachtung und den einigermaßen hohen Eintrittsgeldern konnte ich nur auf die Art im finanziellen Rahmen bleiben. Ursprünglich wollte ich auch am zweiten Tag teilnehmen, musste aber feststellen, dass bereits alle Tagestickets ausverkauft waren, als ich nach Mittag am Veranstaltungsort auftauchte.
Die Zugfahrt hin und zurück war übrigens dermaßen verworren, dass sie einen eigenen Artikel einnehmen könnte. Darauf, wie auch auf Unterbringung und das Berliner Rahmenprogramm, will ich an dieser Stelle nicht eingehen.

Das Kongressprogramm bestand vorrangig aus Vorträgen, die sich grob zusammengefasst um Gesellschaft, Kultur und Technik drehten. Die Dozenten waren meistens privat motiviert, bisweilen gab es aber sogar Mitglieder der Leitung internationaler Software-Projekte. Dementsprechend wurden Vorträge ebenso häufig auf mehr oder weniger gutem Englisch wie auf Deutsch gehalten. Ebenso durchwachsen wie die behandelten Themen war auch die Qualität der Vorträge. Die drei geräumigen Vortragssäle waren jedoch stets zum Überlaufen gefüllt, sodass das Personal vom Haus seine Not damit hatte, Brandschutzbestimmungen wie Fluchtkorridore zu wahren.

Besondere Begeisterung brachte das Publikum gewöhnlich vor allem für politisch-ideologische Themen mit, wo sie auch gerne mal in fanatisch anmutende Beifallsstürme ausbrachen, wenn beispielsweise die Leitung des WikiLeaks-Projektes ihre Pläne für die Durchbringung eines speziellen Gesetzes in Island offenlegte [2].

Neben den Vorträgen gab es einige Stände an denen Bücher, Accessoirs und technische Bausätze verkauft wurden. Außerdem fanden zahlreiche vor allem inoffizielle Workshops statt und einige Bastler stellten ihre Roboter, Mikrokopter, Leuchtdioden-Bausätze und Computerexperimente vor. Es gab sogar eine Spielecke für Kleinkinder und natürlich war für das leibliche Wohl gesorgt.
Zu essen gab es dabei alles, was einfach zuzubereiten ist und in den Haushalt eines typischen Computer-Liebhabers gehört: Chili con Carne, Pizza, Sandwiches. Neben den üblichen Getränken fiel ein besonderes Szene-Getränk auf: "Club-Mate". Es handelt sich um einen Eistee aus dem lateinamerikanischen Mate-Tee, der mit reichlich Koffein, Zucker und Kohlensäure versetzt wurde. Geschmacklich erinnert es zunächst an Sprudelwasser, das mit Zucker und Zigarettenkippen versetzt wurde. Hat man sich einmal daran gewöhnt, kann man sich aber auch einbilden, es handle sich um Eistee mit Kohlensäure.

Meine Begleitperson und ich passten im Grunde ziemlich schlecht in die Zielgruppe der Veranstaltung hinein: Uns fehlte die Technikversiertheit, der ideologische Fanatismus und schließlich auch das richtige Alter. Das Altersmittel befand sich nämlich wohl eher bei Ende zwanzig.
Natürlich führte jeder Besucher außer uns einen Laptop mit, bisweilen waren iPhone-Benutzer vertreten. Erstaunlich war der hohe Anteil an Apple-Laptops: Aus den Vorträgen ging nämlich hervor, dass man dem Kapitalismus zu frönen eigentlich eher nicht geneigt war.
Dass wir nicht zur Szene gehörten, zeigte sich auch bisweilen an der Unkenntnis einiger Begriffe aus dem Fachjargon. Besonders beliebt schien es zum Beispiel, Papier mit "toter Baum" zu bezeichnen.
Befremdlich mutete es an, mitten im Aufenthaltsraum unter all den plaudernden, trinkenden, essenden und bastelnden Menschen einen zu sehen, der sich mit dem Laptop Porno-Filme anschaute. Was das für einen tieferen Sinn hatte, blieb uns verborgen.

Zusammenfassend stellt sich der 26C3 sicherlich als ein großes Event im Terminkalender eines Hackers dar. Für uns als Außenstehende ist das allerdings nicht in jeder Hinsicht gleich einsichtig. Aus objektiver Sicht lässt sich sagen, dass es sich im Grunde um eine Versammlung von Liebhabern handelt: So ist einerseits die Qualität mancher Vorträge eher zum Abgewöhnen. Andererseits werden bisweilen Themen ausgerollt, die eher jenen grundlagenforschenden und realitätsfernen Charakter haben, den man oft bei Dilettanten feststellt, den ich damit aber nicht unbedingt negativ bewerten will.


[1] events.ccc.de/congress/2009/wiki/Welcome
[2] golem.de/0912/72094.html

    29.12.2009 16:37 - Tags: Exkurs Computer

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    Modellierungswoche Fuldatal

    In der angewandten Mathematik drückt man sich gewählt aus: Man sagt nicht "Problemlösung" oder "Optimierung", sondern "Modellierung". Das klingt ziemlich nach Töpfern, doch damit hat es natürlich herzlich wenig zu tun.
    Das Thema "Modellieren" stand jedenfalls im Mittelpunkt der vergangenen Woche in der Reinhardswaldschule in Fuldatal. 40 Schüler, die am diesjährigen "Tag der Mathematik" (ein hessischer Mathematikwettbewerb der zwölften Klassen) vordere Plätze erreicht hatten, und ein Haufen 16 Mathematik-Lehramtsstudenten wurden hier in 8 Gruppen einsortiert, denen jeweils eine Problemstellung aufgetischt wurde, die es mit angewandter Mathematik zu lösen galt.
    Die Probleme kamen aus KFZ-, GPS- und Fahrstuhltechnik, Speditionswesen, Biologie und Schifffahrt und ihre Lösung war nicht nur alles andere als trivial, sondern sogar unbekannt. Dementsprechend kam auch keine Gruppe am Ende der fünf Tage Arbeit zu einem Ergebnis, das man nicht noch weiter hätte verbessern können.

    Als Preisträger beim Tag der Mathematik hatte ich ein Stipendium in der Tasche, mit dem die Veranstaltung für mich kostenlos war. Mein Interesse war im vornherein nicht übermäßig groß, da ich der angewandten eher die theoretische Mathematik vorziehe. Auf diesem Standpunkt stehe ich zwar jetzt noch, trete aber vor jener anfänglichen Uninteressiertheit zurück: Ich langweilte mich durchaus nicht, während ich mit meiner großartigen Gruppe ein Fahrstuhlsystem für große Bürogebäude konzipierte und optimierte ("modellierte").
    Die Atmosphäre unter den Teilnehmern war nämlich erfreulich entspannt und fröhlich. Teilweise wurde man auch von Mitgliedern anderer Gruppen angelächelt und angesprochen, als kenne man sich bereits. Außerdem vermischten sich Schüler und Lehramtsstudenten geradezu unbemerkt.

    Dazu kam das ganze Drumherum von Unterkunft, Verpflegung, Räumlichkeiten, Ausstattung und Organisation, das durchweg zu überzeugen vermochte: saubere Doppelzimmer, reichliche Mahlzeiten, zweckmäßige Gruppenräume und großzügige Versorgung mit Flip-Charts, Whiteboards, Papier, Stiften aller Art, Computern, Internet und sogar einem Klavier. Die Zeittafel ließ zwar zwischen Frühstück und Abendessen kaum etwas anderes als Arbeit an den Problemen zu, schrieb allerdings kein Programm für die Abende bzw. Nächte vor und hatte sogar am Mittwoch einen Geocaching-Trip an der frischen Luft eingeplant. Tatsächlich verbrachten viele Gruppen freiwillig die Abende mit der Bearbeitung ihrer Probleme, sodass anschließende Freizeitaktivitäten die Nächte lang werden ließen, was sich in den letzten zwei Tagen in der Ausdauer der Teilnehmer bemerkbar machte.

    Die Lösung der Problemstellungen bestand überwiegend aus dem Entwurf von Computersimulationen, die die Problematik mehr oder weniger gut erfassen konnten. Dementsprechend wichtig waren Teilnehmer für die Gruppen, die ihre Laptops und eine gute Portion Programmierkenntnisse mitgebracht hatten.
    Wer also je die Möglichkeit bekommen sollte, an dieser jährlich stattfindenden Modellierungswoche des Zentrums für Mathematik teilzunehmen, sollte die Gelegenheit nutzen, sofern er die Arbeit an derartigen Problemstellungen (siehe oben) interessant fände oder auch einfach nur, um ein paar aufgeschlossene Leute kennenzulernen, die nicht auf den Kopf gefallen sind.

      16.10.2009 21:28 - Tags: Exkurs

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      Freibad Büdingen

      Nach gut 70 Kilometern in Südwest-Richtung erreicht man von Fulda aus mit dem Auto in einer knappen Stunde die Stadt Büdingen. Dort gibt es ein Freibad, das neben der herkömmlichen grünen Liegewiese, einem unspektakulären Schwimmerbecken und einem Nichtschwimmerbecken mit standardgemäßer Rutsche auch einen 1m-, 3m-, 5m-, 7,5m- und sogar einen 10m-Sprungturm zu bieten hat.
      Der gestrige Samstag hatte vorbildliches Sommerwetter zu bieten und so schlug ein Freund einen Ausflug in eben jenes Freibad vor. Ich war dabei und wir machten uns auf den mehr oder weniger weiten Weg.

      Die Autostrecke nach Büdingen verlief größtenteils über Autobahn - verfahren konnten wir uns da also nicht so leicht. In Büdingen, wo es auf den ersten Blick immerhin drei Tankstellen und einen Burger King gab, fielen uns als erstes die Wahlplakate an jeder zweiten Straßenlaterne auf. Das wäre nicht weiter bedenklich, wenn nicht 100 Prozent der Plakate für die gleiche Partei geworben hätten: für die NPD. Doch Erleichterung: Im Nachhinein konnte ich herausfinden, dass wenigstens der amtierende Bürgermeister von Büdingen nicht der genannten Partei angehört. Wer zur Bürgermeisterwahl im September den Zuschlag bekommen wird, steht allerdings noch nicht fest - zum Glück habe ich kein weiteres Interesse an der Büdinger Politik und werde das Ergebnis wohl nie erfahren.

      Das Schwimmbad ist nicht ganz so braun wie die Plakatpolitik in Büdingen. Doch es glänzt auch nicht gerade mit Außergewöhnlichem: Die Eintrittspreise sind gewöhnlich, das Essen an der Imbissbude ist dürftig, die Toiletten sind durchschnittlich, die Liegewiese ist nicht nennenswert und die Bademeister sind stereotyp. Wer wie wir einen langen Weg hierher auf sich nimmt, kann kaum Anderes im Sinn haben als den 10m-Sprungturm und der ist sogar immerhin gut die Hälfte des Tages geöffnet - immer im Wechsel mit dem 1m-Sprungbrett.
      Wie wäre es, wenn das lokale Freibad Rosenau ("Rosenbad" genannt) statt der Verkleinerung der Liegewiese und des Umbaus der Kinderrutsche einfach mal in den Bau eines 10m-Sprungturmes investieren würde? Sollte es noch mehr Verrückte wie uns geben, dann würde das den Einzugsbereich des Schwimmbads enorm vergrößern...

        16.08.2009 19:01 - Tags: Exkurs

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        Liebesstadt. Organisationschaos. Touristenplage.

        Paris ist immer eine Reise wert - keine Frage! Aber komplett willkürlich sollte man dann doch besser nicht bei der Reiseplanung vorgehen. Ich war kürzlich zum zweiten Mal in der Hauptstadt Frankreichs und berichte von meinen Erfahrungen - vor allem im Vergleich zu den Eindrücken von der ersten Reise, über die ich an anderer Stelle bereits berichtet habe [1].

        Diesmal sollten es also zwei Tage eines (verlängerten) Maiwochenendes sein. Von "Rainbow-Tours" veranstaltet und koordiniert reisten wir an einem Donnerstagabend am Frankfurter Flughafen mit dem Bus ab und erreichten das ersehnte Reiseziel nach zehn Stunden Fahrt morgens um ca. 9 Uhr. Dabei wurde die Reise mehrfach durch Zwischenhalte und Pausen von bis zu 30 Minuten unterbrochen. Aber nicht nur das, sondern auch die schrecklich veraltete Reisebus-Ausstattung bereitete uns eine lange Nacht ohne viel und guten Schlaf, den wir für die zwei Tage in Paris gut gebraucht hätten.
        Die Rückfahrt in der Nacht von Samstag auf Sonntag verlief zwar zügiger mit gut sieben Stunden Fahrtzeit und wurde nicht von allzu vielen Pausen zerstückelt. Aber der Reisebus war schließlich doch noch das selbe unkomfortable Gefährt, in dem man nicht mal seine Beine ausstrecken konnte.

        Das Angebot einer Stadtrundfahrt am Freitagmorgen nahmen wir wahr - kostete allerdings extra. Wie sich herausstellte, war die Stadtrundfahrt ihren Preis nicht wert: Wir hörten und sahen zwar allerlei von Paris, aber die Informationen schwankten zwischen überflüssigen Details und allgemeinem Vorwissen hin und her.
        Ein weiterer (optionaler) Programmpunkt von Rainbow-Tours war eine Fahrt nach Versaille am Samstagfrüh. Obwohl wir sicher mehr als genug Teilnehmer für eine Gruppe gewesen wären, hatte man seitens Rainbow-Tours nicht die Möglichkeit wahrgenommen, Gruppentickets zu organisieren. So musste jeder auf eigene Faust eine gute Stunde in der Schlange am Eingang stehen. Immerhin verlief die Kutschierung von Paris nach Versaille und zurück reibungslos.

        Leider hatte man uns im Vornherein nicht verraten, in welchem Hotel man uns unterzubringen gedacht hatte. Dem Buchenden bei Rainbow-Tours steht nur die Wahl zwischen vier Preisklassen zur Verfügung und die sind mehr als schwammig voneinander getrennt. So stellte sich dann heraus, dass "Tourismus-" und "Komfortklasse" nur verschiedene Zimmer im selben Hotel bezeichneten. Die "Metroanbindung" war eine Frechheit: Es gab zwar in der Nähe unseres Hotels eine RER-Station. Die lag aber gerade so (400 Meter) außerhalb des Stadtbereichs (Zonen 1 und 2), was sich natürlich direkt in teureren Fahrkarten niederschlug. Ansonsten wurde das Hotel für den Preis immerhin durchaus meinen Anforderungen an Sauberkeit und Ausstattung gerecht.

        Nun waren das nur die organisatorischen Details und die beeinflussen ja eine Reise zwar fundamental aber lange nicht ausschließlich. Um eine richtige Vorstellung von dem Kurztrip zu bekommen, bedarf es also noch ein paar anderer Erklärungen.
        Zunächst sei die Tatsache betont, dass Paris einfach nur überfüllt war. An schönen Freitagen und Samstagen im Mai ist das vermutlich auch nicht anders zu erwarten. Und aus dem Grund würde ich auf alle Fälle jedem wärmstens von einem Paristrip zu solcher Zeit abraten! Mein letzter Parisaufenthalt lag im Herbst, abseits von Wochenenden und Feiertagen: Erinnert sich jemand an die Bilder von der damaligen "Place George Pompidou"? Der war geradezu leer. Am vergangenen Freitag dagegen stieß man bei jedem Schritt gegen andere Personen, die sich dort niedergelassen hatten oder ebenfalls gerade den Platz zu durchqueren versuchten. Die Schlange vorm Schloss in Versaille schlängelte sich hunderte Meter lang über den ganzen Vorplatz und im Schloss selbst konnte man kaum atmen vor lauter Menschen.

        Selbstverständlich hatten sich auch bei meinem ersten Trip nach Paris die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie Eiffelturm, Versailler Schloss und Louvre beachtlich mit Touristen gefüllt, doch lange nicht in einem derartigen Ausmaß, wie ich es diesmal erleben musste. Dazu kam, dass auch alle Straßen, Geschäfte und die Metro von unangenehm vielen Touristen heimgesucht wurden.

        Trotz all der kritischen Worte war Paris natürlich auch diesmal die Reise wert. Und das nicht nur, weil ich diesmal endlich Gelegenheit hatte, das berühmte Centre Pompidou und seine Kunstausstellungen von innen zu sehen. Die vielen organisatorischen Qualen sollte man sich allerdings wirklich ersparen. Für 130 Euro nach Paris hört sich zwar reizvoll an, doch man kann die unzähligen Erfahrungsberichte im Internet bezüglich Rainbow-Tours [2] durchaus ernst nehmen! Was die Kataloge von "Schlafsesseln" in "modernen" Reisebussen erzählen, ist schon fast kriminell, entspricht es doch so gar nicht der Wirklichkeit. Indem man vorher nicht mal den Namen des Hotels erfährt, kauft man diesbezüglich zusätzlich die Katze im Sack.
        Kurztrips sind ja generell fragwürdig. Aber wenn ihr euch für einen entschließen solltet, dann seit nicht allzu knausrig, sondern leistet euch einen Flug oder eine Zugfahrt - Schlafmangel und Nacken-/Rückenschmerzen müssen doch echt nicht sein.


        [1] tovotu.de/archiv/2007/10...eschichte-und-Party-Teil-1
        [2] dooyoo.de/reiseveranstalter/rainbow-tours/1106654
        familie-ahlers.de/witze/rainbow.html

          24.05.2009 15:47 - Tags: Exkurs

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          Certamen Ciceronianum Arpinas XXIX

          In einem italienischen Städtchen namens Arpino - 113 km von Rom - haben sich über 800 Menschen auf einem kleinen Marktplatz versammelt. Alle Blicke sind gebannt auf eine Bühne gerichtet. Der Redner nennt nach einigen italienischen Worten nacheinander ein Land, eine Stadt, eine Schule und einen Namen und die Menge applaudiert euphorisch. Eine strahlende Person in ihren besten Jahren springt auf und läuft Richtung Bühne. Auf halber Strecke wird sie von zwei hübschen Damen an den Händen genommen und die letzten Meter bis zum Bühnenaufgang begleitet, der von zwei authentischen, römisch-antiken Soldaten bewacht wird. Von allen Seiten werden Gratulationsrufe laut und auf der Bühne gibt es Umarmungen und ein Photoshooting ...

          Das war ein Eindruck von der Preisverleihung des 29. Cicero-Lateinwettbewerbs am vergangenen Sonntag in Arpino, an dem 565 Schüler aus 15 europäischen Ländern teilnahmen. Veranstalter des seit 1980 jährlich stattfindenden Wettbewerbs ist die Stadt Arpino in Gedenken an den römisch-antiken Redner, Politiker und Philosophen Marcus Tullius Cicero.
          Zu dem Wettbewerb sind zwar Schüler aller Nationen eingeladen. Doch natürlich kommen die allermeisten Teilnehmer aus dem austragenden Land Italien. Außerdem ist auch Deutschland immer sehr stark vertreten.

          Der Wettbewerb umfasst die Übersetzung eines "ciceronianischen" (Adj. zu Cicero) Textauszuges von ca. 300 Wörtern aus dem Lateinischen in die Muttersprache mit anschließendem freien Kommentar. Dafür haben die Schülerinnen und Schüler fünf volle Zeitstunden und ihr Wörterbuch zur Verfügung.
          Bei der Korrektur werden zunächst alle Arbeiten kategorisch aussortiert, die in Bezug auf die Übersetzung nicht komplett fehlerfrei sind. Unter den gewöhnlich extrem wenigen verbliebenen stimmt dann eine Jury unter Berücksichtigung der Kommentare über eine Rangliste der besten zehn Arbeiten ab. Die restlichen Teilnehmer mit richtigen Übersetzungen bekommen Sonderpreise.
          Bei den dottierten (Sonder-)Preisen handelt es sich neben den Urkunden primär um mit der Platzierung ansteigende Geldbeträge zwischen 160 und 1100 Euro.

          Natürlich schreibe ich diesen Artikel, weil ich selbst an dem Wettbewerb teilgenommen habe: Ich war am Donnerstagabend dabei, als in einem unbeschreiblichen Organisationschaos die Hotelzimmer der Hotels rund um die Provinzhauptstadt Frosinone auf die Teilnehmer verteilt wurden; dabei war ich auch beim Wettbewerb am Freitag selbst, der alle Teilnehmer dazu nötigte, um 6 Uhr aufzustehen, damit um 8.30 Uhr am Austragungsort pünktlich begonnen werden konnte; und ich war natürlich ebenso Sonntag dabei, als unter großem Jubel am Martkplatz von Arpino die glücklichen Sieger gekürt wurden.

          Im Großen und Ganzen herrschte eine entspannte Atmosphäre. Die drei Tage, über die sich das Programm erstreckte, enthielten ja gerade mal fünf Stunden Wettbewerb. Die restliche Zeit war zwar auch mit Programm gefüllt: Besuch der regionalen Sehenswürdigkeiten, Ansprache durch den Abt von Monte Cassino, Party und natürlich die Hauptmahlzeiten. Trotzdem konnte man sich im Rahmen dessen recht frei bewegen und mit den anderen Teilnehmern plaudern, Spaß haben oder einfach den Moment genießen.
          Die komplette Organisation war sehr chaotisch und Informationsmaterial und Vorträge waren komplett auf Italienisch, was ein Drittel der Teilnehmer natürlich gar nicht verstand. Das Essen vermochte nicht gerade zu überwältigen und repräsentierte sicher nicht das Beste, was Italien zu bieten hat. Auch die Unterkünfte konnte man nicht gerade als Luxus-Suiten bezeichnen. Aber all diese Mängel wiegen sich mehr oder minder mit der Tatsache auf, dass die Organisatoren mit 565 Studenten zuzüglich der begleitenden Lehrkräfte eine kaum überschaubare Menschenmenge zu versorgen hatten.

          Schade war, dass wir uns selber um die Anreise nicht näher gekümmert hatten. Denn indem wir uns blauäugig einer Gruppe von über 60 Zugfahrern aus allen Himmelsrichtungen anschlossen, lief die Reise auf abenteuerliche 2x24 Stunden Fahrtzeit hinaus. Davon verbrachten wir jeweils die Hälfte im Nachtzug nach Rom, ein Drittel mit dem Transfer zwischen München und Fulda und den Rest beim Aufenthalt in München.
          So hatten wir dann zwar auch noch ein paar wenige Stunden Aufenthalt in der großartigen Hauptstadt Italiens: Rom. Dennoch stellte sich die Reise natürlich als große körperliche und psychische Belastung heraus. Dass es auch anders gegangen wäre, sahen wir dann an vielen Anderen, die die Reise mit dem Flugzeug angetreten hatten: Häufig hatten die den Wettbewerb kurzer Hand noch mit ein paar weiteren Tagen Urlaub in Rom verbunden ...

          Über den Wettbewerb an sich seien noch ein paar Details verraten, die vor allem für zukünftige potentielle Teilnehmer interessant sein dürften: Die fünf Stunden sind ziemlich anstrengend, übersteigen aber den zeitlichen Umfang einer Abitur-Leistungskursklausur nicht wesentlich. Was das LK-Abi-Pensum aber deutlich übersteigt, ist der Anspruch der zu erbringenden Leistung: Hier gilt es, einen Text von ca. 300 (in meinem Fall 340) Wörtern zu übersetzen; das ist fast doppelt so viel wie eine herkömmliche Abi-LK-Arbeit. Immerhin darf ein umfangreiches Wörterbuch benutzt werden.
          Über den gegebenen Textauszug wird keine einzige Information bekannt gegeben außer, dass er von Cicero ist. Es gibt keine Arbeitsaufträge oder Zusatzmaterialien zur Orientierung für den anschließenden Kommentar. Der Kommentar selbst ist aber auffällig unwichtig: Gerät einem auch nur ein einziger Fehler in die Übersetzung, wird die Korrektur gnadenlos abgebrochen - der Kommentar wird dann nicht mehr gelesen, geschweige denn bewertet.
          Weder die Preisträger, noch die übrigen Teilnehmer erhalten ihre Arbeiten zurück. Nur die Arbeit des ersten Siegers wird veröffentlicht.
          Seit Jahren dominieren die Italiener fast traditionsgemäß die Siegerplätze. Es gab in 29 Jahren nur 5 erste Plätze, die nicht von italienischen Schülern besetzt wurden. Es scheint übrigens fast so, als seien Mädchen in der Überzahl.

          Sollte jemand noch weitere Fragen zu dem Wettbewerb haben, kann er sich gerne an mich wenden. Das geht - wie immer - über einen Kommentar oder über das Kontaktformular (im Navigationsmenü). Außerdem hilft auch die Webseite des Wettbewerbs weiter [1] - vor allem, wenn man italienisch versteht. Dort wurden die aktuellsten Infos über die Veranstaltung dieses Jahr geradezu in Echtzeit im Internet veröffentlicht. Die Siegerehrung wurde sogar mit Bild und Ton gestreamt.


          [1] certamenciceronianum.it

            19.05.2009 21:17 - Tags: Exkurs

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