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Schlagwort "Filme"

Humor in der Altenheimromantik

Am vergangenen Mittwoch, 3. Februar, wurde auf ARD eine TV-Filmkomödie mit dem Titel "Die Spätzünder" [1] ausgestrahlt. Es geht darin um den Gitarrenspieler Rocco, Anfang 40, der seinen Lebensunterhalt als Pflegekraft in einem kleinen privaten Wohnheim für alte Damen und Herren verdient. Als er eines Tages aus seiner Band geworfen wird, greift er den Vorschlag einer Freundin auf, mit den Bewohnern des Pflegeheims eine neue Band zu gründen. Leider findet die unsympathische Heimleiterin die Idee überhaupt nicht gut und feuert ihn sofort. Die alten Leute vermissen Rocco und richten sich deshalb in einem benachbarten Schuppen ein, in dem sie nachts heimlich mit ihm proben können. Ihr Ziel ist ein großer nationaler Bandcontest. Beim Dreh des Bewerbungsvideos werden sie von der Heimleitung erwischt und die zeigt Rocco diesmal sogar bei der Polizei an. Das Video gerät auf Umwege tatsächlich ins Internet und die Band wird berühmt. Den Bandwettbewerb gewinnen "Rocco und die Herzschrittmacher" natürlich auch und am Ende ist alles Friede, Freude, Eierkuchen, als die Rentner mit ihrem hippen Gitarristen im Tourbus von dannen fahren.

Der erste Gedanke, der mir angesichts dieser Handlung kam, war: Da hat Rocco aber ziemlich Glück mit seinen alten Freunden gehabt. Nach meinem Pflegepraktikum in einem Fuldaer Altenwohnheim hatte ich einen ganz anderen Eindruck von der Atmosphäre in einer solchen Wohnstätte. Aufständisch oder derart aktiv waren da nur wenige und einen "Drachen" wie die Heimleitung im Film bekam ich auch nicht zu Gesicht.

Die Konstellation von dieser "Altenheimromantik", unterdrückt von einer gnadenlosen Heimleitung scheint schon älter zu sein. Ich kam zum Beispiel bei der Lektüre von "Cloud Atlas" [2] mit ihr in Berührung. Dort war die Thematik aber weitaus ironischer behandelt worden und schien daher gewollt unrealistisch zu sein.

Ebenso humorvoll wurde das Thema Altenheim schon mehrfach in den Simpsons behandelt. Insbesondere in der Folge vom 31. Januar (Erstausstrahlung USA) aus der 21. Staffel gelingt es Lisa, die Stimmung in Grampas Wohnheim durch den Kauf einer "Funtendo Zii" zu heben. Die Heimleitung beseitigt das Gerät aber schon bald wieder, als sie merkt, dass die alten Leute plötzlich vor Lebensenergie sprühen und daher viel schwieriger unter Kontrolle zu halten sind.

Im ARD-Programm wirkt der Film, als habe man versucht, das große Rentnerpublikum mit den jüngeren Zuschauern auf einen Nenner zu bringen. Entstanden ist dabei ein sehr verklärter, kitschiger, aber doch eigentlich unterhaltsamer TV-Film - das muss man den "Spätzündern" einräumen. Allerdings kann das Filmchen in der Umsetzung dieser schon viel verwendeten Idee bei weitem nicht mit anderen Ansätzen (wie denen in Cloud Atlas und in den Simpsons) Schritt halten.

[1] imdb.de/title/tt1450151
[2] tovotu.de/archiv/420-Tol...pt-mit-kritikwrdigem-Thema
[3] en.wikipedia.org/wiki/Million_Dollar_Maybe

    Der Mythos von der antiken Galeerenstrafe

    Als ich neulich eine Kritik zu William Wylers Ben Hur (1959) [1] las, stieß ich auf eine sehr interessante Aussage über den Begriff der Galeerenstrafe.

    Ben Hur ist ein Film, der auf dem gleichnamigen Roman von Lew Wallace basiert. Die Handlung spielt zu Beginn des ersten nachchristlichen Jahrhunderts.
    In einer Sequenz des Films wird die Hauptperson Judah Ben Hur zur "Galeerenstrafe" verurteilt, was ihn dazu zwingt, für ziemlich lange Zeit auf einem römischen Schiff zu rudern. Er ist, wie die vielen anderen Verurteilten, an seine Ruderbank gekettet und wird unter Peitschenhieben und Trommelschlägen auf unerbittliche Weise zur körperlichen Verausgabung gezwungen.

    Diese Vorstellung von antiken Ruderbooten ist auch in den bekannten Asterix-Comics zu finden. Dort gibt es einen, der gelangweilt auf einer Trommel den Rudertakt schlägt und einen weiteren, der die rudernden Sklaven mit Peitschenhieben motiviert. In einem Asterix-Band befreit beispielsweise Spartakis diese Sklaven und zettelt mit ihnen einen Sklavenaufstand an (in Anlehnung an den historischen Spartakus).

    In der Kritik, die ich zu Ben Hur gelesen habe, wirft man dem Film in puncto Galeerenstrafe historische Ungenauigkeit vor. Tatsächlich habe eine solche Strafe in der Antike gar nicht existiert. Unter Berufung auf ein Buch des Historikers Marcus Junkelmann [2] wird diese Kritik untermauert: Ein Ruderboot sei äußerst schwer zu kontrollieren gewesen und man habe sich daher in der Antike auf professionelle und bezahlte Ruderer verlassen.

    Der Wikipedia-Artikel über "Galeerenstrafe" [3] bestätigt diese Ansicht und nennt dabei eine andere Quelle: Der amerikanische Altphilologe Lionel Casson, der im vergangenen Jahr verstorben ist, hatte sich unter anderem mit diesem Thema auseinandergesetzt.

    Als ich das erfahren hatte, informierte ich mich näher über die Antiken Ruderschiffe und über die Begriffe "Galeerenstrafe" und "-sklave" im Allgemeinen. Mein elektronischer Duden [4] konnte den Begriff "Galeere" zunächst auf italienische und mittellateinische Begriffe zurückführen, die ursprünglich von dem griechischen Wort für "Schwertfisch" abstammen. Er wusste aber auch, dass der Begriff frühestens auf das Mittelalter datiert werden kann. In der Antike kann es aus sprachlicher Sicht also gar keine "Galeerenstrafe" gegeben haben.
    Der neue Pauly wusste, dass das Rudern in der Antike eine sehr angesehene Sportart war - sowohl in Griechenland als auch in Rom. Sklaven und Sträflinge hätten schlecht in dieses Bild gepasst.

    Als Problem bei meiner Recherche stellte sich nach kurzer Zeit heraus, dass kaum Quellen existierten, die ausdrücklich die Existenz einer antiken Galeerenstrafe abstritten. Allerdings gab es auch keine Quelle, die sich dafür ausgesprochen hätte. Man ging eher gar nicht darauf ein, von wem die Schiffe damals gerudert wurden. Im "Geschichtsforum" fand sich eine Diskussion [5] zu dem Thema, die zu dem Schluss kam, dass Quellen zwar schwer zu beschaffen sind, aber dennoch von einer Galeerenstrafe in der Antike nicht ausgegangen werden kann.

    Eine Galeerenstrafe existierte aber durchaus - nur eben nicht in der Antike: Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert hat man politische Feinde, Verbrecher und Sklaven die harte Ruderarbeit auf den nunmehr deutlich größer gewordenen Galeeren verrichten lassen. Durch neue Technik, die die Kopplung der einzelnen Ruder bewerkstelligte, erforderte diese Tätigkeit auch keine besondere Ausbildung mehr. In diesen geschichtlichen Kontext passen auch alle grausam anmutenden Beschreibungen von Ruderern, die ausgepeitscht wurden und ihre Plätze wochen- und monatelang nicht verlassen durften.

    Es sollte jetzt klar geworden sein, dass diese Vorstellung von der Antike ein Klischee ist, das nicht durch moderne Geschichtsforschung bestätigt werden kann.
    Ähnlich sieht es übrigens mit den berühmten ägyptischen Pyramiden aus. Die wurden nämlich auch nicht von Sklaven, sondern von bezahlten Freiwilligen errichtet [6].


    [1] de.wikipedia.org/wiki/Ben_Hur_%281959%29
    [2] amazon.de/gp/product/380...54&creativeASIN=3805329059
    [3] de.wikipedia.org/wiki/Galeerenstrafe
    [4] tovotu.de/archiv/374-Sharp-PWE510--Videobeitrag
    [5] geschichtsforum.de/f14/g...e-neuzeit-und-antike-19296
    [6] the-egypt.com/egdamals/menschen09_sklave.htm

      Amüsantes Filmchen aus deutschen Landen

      Mein Aufenthalt in Berlin beinhaltete auch einen Besuch im CineStar-Kino am Alexanderplatz. Die Eintrittspreise schlagen hier übrigens nicht mehr zu Buche als im vergleichbaren CineStar in Fulda.

      "Soul Kitchen" ist im gleichnamigen Film [1] ein heruntergekommenes Restaurant im heutigen Hamburg mit einem noch heruntergekommeneren deutsch-griechischen Inhaber Zinos. Das Restaurant läuft trotz seiner Schäbigkeit ganz gut, bis eines Tages einige Ereignisse aufeinanderprallen: Zinos hat einen Bandscheibenvorfall, seine Freundin reist aus Karrieregründen für unbestimmte Zeit nach China, sein spielsüchtiger Bruder verlangt einen vorgetäuschten Job im Restaurant, um mehr Freigang aus dem Gefängnis zu bekommen, und zu allem Überfluss will ein mehr oder weniger astreiner Zuhälter mit allen Mitteln an das Grundstück kommen, auf dem die "Soul Kitchen" steht. Außerdem bereitet der Koch, den Zinos als Entlastung bei dem ganzen Stress einstellt, Mahlzeiten zu, die den Stammgästen gar nicht gefallen wollen.

      Fatih Akins Film schafft es ohne Beanstandungen, diese Konflikte in Szene zu setzen und in unterhaltsamen, aber nicht übertriebenen, Humor zu verwandeln. Die Charaktere sind großartig gespielt und sind ausgezeichnete Karrikaturen der heutigen Großstadtwelt.
      Lediglich bei der Auflösung der genannten Konflikte schwächelt der Film mit einigen überflüssigen Portionen Kitsch und Realitätsferne. Im Großen und Ganzen blieb jedenfalls ein äußerst positiver Eindruck zurück.

      Die Dauer von 99 Minuten erscheint angesichts immer länger werdender Filme mickrig. Ich hatte aber überhaupt nicht das Gefühl, es sei etwas zu kurz gekommen. Außerdem will man ja keinen ganzen Nachmittag im Kino verbringen. Die lauten Klänge und hellen Bilder sind auf Dauer ohnehin oft unnötig anstrengend.
      Es hat mich auch gefreut, dass hier mal wieder ein Film aus deutscher Produktion punkten konnte. Die übertriebenen Riesenproduktionen aus Hollywood können auf Dauer wirklich lästig sein.

      Weil er so leicht verdaulich und richtig unterhaltsam ist, spreche ich für Soul Kitchen eine uneingeschränkte Empfehlung aus!


      [1] imdb.de/title/tt1244668

        31.12.2009 13:34 - Tags: Filme

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        Grausam, gruselig, einfallsreich

        Parallel zu Michael Jacksons "This is it" läuft momentan der Horror-Streifen "Orphan" (engl. Waisenkind) [1] in den deutschen Kinos. Darin geht es um eine gut bestellte Familie mit zwei Kindern, deren Eltern sich für die Adoption eines dritten Kindes entscheiden. Dafür besuchen sie ein Waisenhaus, in dem sie ein intelligentes Vorzeigekind namens Esther kennen lernen und sofort in ihre Familie aufnehmen. Doch so fleißig und höflich sich das neue Geschwisterkind verhalten mag, genau so zahlreich sind die unerklärlichen Zwischen- und Unfälle in seiner Gegenwart...

        Der Film bedient sich durchweg erfolgreich der gebräuchlichen Horror-Stilelemente: Alle Geräusche, die unverhergesehen eintreten könnten, tun das auch und zwar mit doppelter Lautstärke und Intensität. Das unheimliche Waisenkind zieht sich eigenartig altmodisch an und befremdet durch einen ungewöhnlich strengen Blick; sein dunkles Haar kontrastiert mit dem blassen Teint. Es malt Bilder, die unter bestimmten Lichtverhältnissen schaurige Veränderungen erfahren.

        Immerhin hat man dem Film neben den gruseligen noch einige tragisch-dramatische Stilelemente beigemischt: Die jüngere Schwester der leiblichen Kinder kann fast nichts hören. Die Familienmutter ist eine ehemalige Alkoholikerin und ihr letztes Kind war eine Totgeburt. Ihr Ehemann hatte vor geraumer Zeit eine heimliche Affäre. Für das Finale hat man sich noch einfallen lassen, dass die Mutter einst im trunkenen Zustand beinahe ihr jüngstes Kind im Teich ertrinken ließ.

        Durch und durch handelt es sich also um einen Horrorfilm, der ausschließlich mit bekanntem Handwerkszeug gemacht wurde. Das nimmt ihm aber keinesfalls den Schock-Effekt. Um ihm einen Hauch von Individualität zu verpassen, hat man sich für die Auflösung am Ende des Films ("Esthers Geheimnis") etwas wirklich Besonderes einfallen lassen, was ich ihm zweifellos zugute halten würde, auch wenn man bereits während des Films auf eine zumindest ähnliche Idee kommen könnte.

        Gewöhnlich kann ich Horror-Filme gar nicht ausstehen. So richtig Spaß macht es ja eigentlich nicht, bis aufs Mark erschreckt zu werden. Und dann sind da immer diese grausamen Bilder von verstümmelten Menschen, auf die man genauso gut hätte verzichten können. Aber ich finde "Orphan" trotzdem ziemlich gut. Auf mich, der ich noch nicht so viele Horror-Filme gesehen habe, wirkt er nämlich trotz allem irgendwie originell und im Verlaufe des Films ist er nie langweilig - im Gegensatz zu "This is it".

        [1] imdb.com/title/tt1148204

          08.11.2009 13:27 - Tags: Filme

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          This is it ... not!

          Viele der Lieder aus Michael Jacksons Feder haben es ja zu beachtlicher Berühmtheit gebracht - und das, obwohl einige davon inzwischen über 20 Jahre alt sind. Man darf Jacksons Musik bewerten, wie man will - sein kommerzieller Erfolg und seine zeitgenössische Bekanntheit sind unanfechtbar.
          Er hat meiner Meinung nach auch den Titel "King of Pop" verdient, wobei ich mit dem Begriff "Pop" zugegebenermaßen gewöhnlich nicht viel Postives assoziiere.

          Jetzt hat die Pop-Ikone also ihre letzte Reise angetreten und Sony BMG verlor mit ihr wohl primär einen Goldesel: Kurz vor Jacksons Tod hatte man ihn nochmal mit einer neuen Tournee zu alter Größe aufsteigen lassen wollen. Das Programm sollte gigantisch werden, es bekam den passenden Titel "This is it".
          Dass die enormen finanziellen Investitionen in die entsprechenden Vorbereitungen jetzt keinen Umsatz folgen lassen sollten, wollte die Musikindustrie anscheinend nicht wahr haben. Aus dem toten Jackson sollte noch Geld gepresst werden, indem man alle verfügbaren Aufnahmen von den Proben für die Tournee zusammenkleisterte und als Kinofilm verkaufte: "This is it" [1]!

          Prinzipiell könnte es einem Toten ja zur Ehre gereichen, wenn ihm posthum noch ein Kinofilm gewidmet wird. Aber diese Produktion ist eine schamlose Vermarktungsstrategie: Auf der Kinoleinwand präsentieren sich lieblos zusammengefimmelte Clips aus den Proben zu Jacksons letztem Tournee-Programm. Für die Aufnahmen wurden offensichtlich vergleichsweise billige Kameras verwendet und die Kameramänner scheinen ihr Handwerk entweder nicht mit vollem Elan auszuführen oder nicht recht zu beherrschen.
          Bildmaterial, dass nicht für die Kinoleinwand bestimmt war, sollte entweder gründlich nachbearbeitet oder gar nicht erst ausgestrahlt werden. Mag es Ausnahmen geben, in denen das nicht so ist - in diesem Fall hätte man es beherzen sollen: Unter den gegebenen Umständen ist es wirklich keine Freude und weder unterhaltsam noch informativ, den Film "This is it" im Kino anzuschauen.

          Für überzeugte Fans mag es ein Genuss sein, den Angebeteten Backstage zu sehen. Und vielleicht ist die Kommerzialisierung des Andenkens von Michael Jackson die einzig passende Reaktion auf den Tod dieses "King of Pop". Mir erscheint der Sachverhalt jedenfalls ausgesprochen barbarisch und respektlos.

          [1] imdb.com/title/tt1477715

            07.11.2009 23:48 - Tags: Filme

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