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Schlagwort "Gesellschaft"

Arzt ohne Abitur - Utopie ohne Zukunft?

In der Technology Review vom Februar 2010 erschien in der Reihe "Technische Bildung" der Artikel "Der dritte Weg" [1], in dem es um die seit 2009 deutschlandweite Bildungsrichtlinie geht, nach der die allgemeine Hochschulreife nicht mehr nur Abiturienten eines allgemeinbildenden Gymnasiums vorbehalten ist, sondern auch gelernten Meistern aus allen handwerklichen Berufszweigen der Weg an die Universitäten Deutschlands offen steht.

Obwohl die Kultusministerkonferenz (KMK) bereits im März 2009 eine "bundesweit einheitliche Regelung" beschloss, kann der Meister und Techniker bis jetzt nur in wenigen Bundesländern an die Uni. Die übrigen Bundesländer werden aber wohl folgen.

Wer also schon immer eine handwerkliche oder technische Lehre machen wollte, weil ihn die Schule schon vor der Oberstufe langweilte, dem eröffnen sich hiermit ganz neue Karriere-Chancen. Bis jetzt war die Karriere-Leiter für die meisten Handwerker ziemlich schnell erklommen. Nach dem Meistergrad blieb nicht viel Luft nach oben. Mit der neuen Möglichkeit, etwa ein vollwertiges Ingenieursstudium anzuhängen, das übrigens auch - wie in dem TR-Artikel ausführlich beschrieben - neben dem Beruf absolviert werden kann, öffnen sich natürlich ganz neue Türen.

Wer sich näher informieren will, dem lege ich den TR-Artikel ans Herz - das Heft 2010.02 kann online portokostenfrei bestellt werden [2]. Außerdem gibt es eine Info-Sammlung zum Thema auf dem Deutschen Bildungsserver [3]. Dort wird auch gelistet, welche Bundesländer die Regelung der KMK bereits hinreichend umgesetzt haben.

Einen kurioses Beigeschmack erhält die Geschichte, wenn man bedenkt, dass jetzt Zimmermänner Chirurgen und Schlosser Richter werden könnten. Allerdings darf man sich vom ungewöhnlichen Klang nicht irritieren lassen - denn die Studiengänge werden ja nicht leichter und so wird wohl kaum ein unzureichend befähigter Handwerker Jurist werden können. Sollte ein ehemaliger Schreiner tatsächlich verspätet Arzt werden, so kann ich dem nur positives abgewinnen, denn jeder, der genug Ehrgeiz und Talent mitbringt, um ein Medizin-Studium zu schaffen, ist ausreichend für diesen Job qualifiziert - egal ob mit oder ohne Abitur!

Lediglich die ohnehin bereits überfüllten Hörsäle könnten unter den hinzukommenden Studiumsanwerbern bersten. Aber diese Aussicht liegt wohl noch fern - denn es wird nicht wirklich mit einem so starken Interesse seitens der Meister und Techniker zu rechnen sein.


[1] heise.de/tr/artikel/Seri...Der-dritte-Weg-910795.html
[2] heise.de/kiosk/einzelhefte/tr.shtml
[3] bildungsserver.de/zeigen.html?seite=3578

    Das "Alter" hat die Piesel eingeholt

    Am gestrigen Samstag, 30. Januar 2010, fand seit über 8 Monaten endlich wieder eine Ska-Night statt. Seit ich erstmals in den Genuss einer solchen Ska-Night kam, sind inzwischen ungefähr fünf Jahre und viele weitere Ska-Nights vergangen. Ich muss leider sagen, dass die Alte Piesel zu Dirlos mich gestern vielleicht das letzte Mal als Besucher hatte.

    Spätestens Ende des Jahres 2008 begannen die Veranstaltung in der Alten Piesel langsam an Qualität zu verlieren. Es fanden insbesondere immer weniger Ska-Nights und immer mehr Band-Abende anderer Art statt, an denen häufig blutjunge Newcomer-Bands ihre ersten Gigs erlebten. Ein Blick in den Veranstaltungskalender verschob das Bild sogar noch in eine andere Richtung: Immer mehr Ü30-Events wie die wöchentlich stattfindenden Flower-Power-Dancenights überfluteten das Programm.
    Die Ska-Nights und sonstigen Band-Abende verloren dementsprechend auch zunehmend ihr Publikum. Als ich 2009 das letzte Mal in der Alten Piesel war, erklärte man die Veranstaltung bereits vor 0 Uhr für beendet, nachdem kaum 30 Besucher erschienen waren.

    Inzwischen hat sich die Alte Piesel anscheinend gänzlich von dem ehemaligen Image einer Party-Zuflucht junger Teenager, die aufgrund ihres Alters nirgends hereingelassen wurden, verabschiedet: Am gestrigen Abend musste ich feststellen, dass der Altersdurchschnitt im ohnehin schon erschreckend kleinen Publikum über die 30 gerutscht war. Ich erblickte sogar einige, die sich gemütlich mit Rotweingläsern an Tischen niedergelassen hatten.
    Entgegen der Ankündigung im Internet verlangte man an der Abendkasse stolze acht Euro Eintritt - kein Wunder, dass da keine 15jährigen Teenager mehr kommen!
    Von den zwei angekündigten Bands war eine ausgefallen. Als Ersatz spielte zuerst eine Band namens "Alles Franziska", die so viel mit Ska zu tun hatte wie ein Beerdigungsmarsch. Kurz vor elf Uhr trat dann endlich Ska-Brot auf die Bühne, und die wenigen U20-Besucher wagten es immerhin jetzt, die Tanzfläche zu erobern.

    Abgesehen von dem kläglichen Haufen, der gestern in der Alten Piesel war, scheinen die Ska-Fans in Fulda ausgestorben zu sein. Es kann aber auch genauso gut sein, dass die Alte Piesel ihre Reize einfach völlig verloren hat. Mit hohen Eintrittspreisen und immer selteneren Veranstaltungen fürs junge Publikum, die dazu noch schlecht angepriesen und durchgeführt werden, ist die Piesel ihrer Bedeutung von vor vier bis fünf Jahren gänzlich verlustig gegangen.
    Für mich war es mit hoher Wahrscheinlichkeit der letzte Besuch in der Alten Piesel. Denn abgesehen davon, dass hier keine großen Exzesse mehr zu erwarten sind, werde ich noch dieses Jahr Fulda auf unbestimmte Zeit den Rücken kehren.

      Parteien beim Wa(h)lfang

      Unter dem Stichwort "Piraten" findet man bei google.de sofort die Homepage der Piratenpartei und dann erst den Wikipedia-Artikel über das, was man Jahrhunderte lang unter dem Begriff verstand [1]. Die Piraten von Somalia sind immerhin noch in der News-Ergebnissen zu finden, aber eigentlich auch kein Thema mehr.

      Wer nicht direkt hinterm Mond lebt, wundert sich natürlich nicht über dieses Suchergebnis. Ein Wahlergebnis dieser Form allerdings halten alle für unmöglich: Die Fünfprozenthürde ist allgemein als für die Piraten unüberwindlich anerkannt.
      Die Piratenpartei ist in der Netzgemeinde in aller Munde. Umfragen im Internet zu den Bundestagswahlen lassen die Piratenpartei mit den Grünen gleichziehen (siehe SchuelerVZ), in einschlägigen Internetforen erreichen sie sogar eine absolute Mehrheit (etwa bsdforen.de). Wieso sollten sie dann bundesweit nicht mal auf fünf Prozent der Stimmen kommen? So klein ist die Netzgemeinde nun wirklich nicht!
      Ich vernahm sogar bereits in Foren der Piratenpartei selbst vereinzelt Stimmen frustrierer Parteimitglieder, die davor zurückschräken, für die Piratenpartei zu stimmmen, da die ja ohnehin nicht in den Bundestag kommen werde.

      Wer mit dem Wahlprogramm der Piratenpartei sympathisiert, sie aber dennoch nicht wählen möchte, hat gewöhnlich zwei Gründe: "Sollte die Partei es nicht in den Bundestag schaffen, wäre meine Stimme vertan" und "Die Ansätze sind gut, aber das Wahlprogramm ist nicht umfassend genug".

      Zugegebenermaßen ist der erste Grund so tiefreichend, dass er in mir das Verlangen nach einer Wahlreform auslöst: Um den kleinen Parteien mehr Chancen auf einen Einstieg zu geben, sollte man eine "Alternativzweitstimme" einführen. Man wählt zwei Parteien, von denen die zweite nur dann die Stimme bekommt, wenn es die erste aufgrund der Fünfprozenthürde nicht ins Parlament schaffen würde. Aber auch ohne diese Wahlreform sollte man das erste Argument nicht zu hoch einschätzen: Jede Zweitstimme, egal ob die Fünfprozenthürde geschafft wird, kommt der gewählten Partei durch entsprechende Förderung vom Bund finanziell zugute. Und gerade eine kleine Partei, wie die Piratenpartei ist auf jeden Euro angewiesen - in dieser Partei gibt es bislang nur ehrenamtliche Mitglieder!

      Die Widerlegung des zweiten Arguments erfordert eine andere Sichtweise: Eine Partei, die die alleinige Regierung anstrebt, sollte auch ein entsprechend umfassendes Wahlprogramm vorzeigen. Aber das trifft kaum auf alle Oppositionsparteien zu. Ganz im Gegenteil sollten die sich doch auf einzelne Themengebiete spezialisieren, um ein besonders breites und differenziertes Spektrum an Meinungen garantieren zu können.

      Ich möchte an dieser Stelle also betonen, dass eine Zweitstimme für die Piratenpartei nicht als so sinnlos angesehen werden sollte, wie sie häufig hingestellt wird. Dabei steht die Piratenpartei nur stellvertretend für all die anderen kleinen und spezialisierten Parteien, die endlich mal die Chance erhalten sollten, die eintönige Parteienlandschaft von heute aufzukrempeln.
      Wer sich umgekehrt bis dato nicht mit dem Programm der Piratenpartei auseinandergesetzt hat, sollte das dringend tun [2]. Denn der Name "Piraten" ist leider sehr ungünstig gewählt, wie man an den zahlreichen falschen Vorurteilen über diese Partei merkt.

      [1] < google.de/#q=piraten (25. September 2009) >
      [2] piratenpartei.de/tmp/Wah...amm_Bundestagswahl2009.pdf

        An article on drugs

        Personally, I can't think of anything more frustrating than being incapable of controlling my own body's motions - not to mention my own thoughts. For instance, think of any sport or - for the musicians among us - consider the troubles rehearsing a hard piece on your preferred instrument. Of course, it's the incapability of controlling one's motions (and one's thoughts when it comes to coordination) which is at the bottom of our troubles. And that's just frustrating.

        So, what tempts people into yearning for drugs? Why does everybody voluntarily try to reach a state of alarmingly impaired control of body and mind? The way I see it, there are mainly two reasons for this irrational behavior: In the first instance, drug consumption usually comes along with more positive seeming effects like an increase of emotional intensity or illusions which, for example, also underlie the idea of three- or four-dimensional movies. (What I mentioned above is usually called "side effects".)
        What's more, many people don't perceive impaired control of body and mind that critically. They are even glad that something or somebody else is able to take control. But they usually forget that - in most cases - a disposal of control doesn't involve a disposal of responsibility.

        The dangers of drug consumption are not only physical. (But nonetheless, it has to be pointed out that physical side effects are definitely not harmless with any drug at a noteworthy dose.) The psychological aspects of drug consumption are even more questionable: Somebody who considers drugs appropriate to stimulating one's emotions will - sooner or later - despise common ways such as media (movies, music, books,...) or sports. There will be evolving a certain laziness eventually ending in a kind of addiction to drugs in general (contrary to the scientific meaning of addiction in terms of physical dependency on a very specific habit or substance, which I don't want to talk about here, since I'm talking about drug consumption on a very low level). And that's definitely not healthy - at least as far as the physical side effects are concerned.

        Obviously, I'm of the opinion that drug consumption in general is a bad idea. So, of course, I'm acting accordingly. Unless I ever expected everybody to act like me, I can at least expect of everybody not to look down on this opinion.

          Was für ein Zirkus um den Tierschutz?

          Wenn ein Zirkus nach Fulda kommt, dann lässt er sich meistens auf der Ochsenwiese nieder und die sehe ich mindestens zwei Mal pro Woche, weil ich da ganz in der Nähe Schwimmtraining habe.
          Seit Jahren schon frage ich mich jedes Mal, wenn ich dort mal wieder eines der riesigen Zirkuszelte mit den unzähligen Wagen drumherum sehe, ob sich das Zirkusgeschäft überhaupt noch rentiert - vor allem weil ich immer sehe, wie einem überall die Freikarten geradezu nachgeschmissen werden. Dann sehe ich auch manchmal die Eintrittspreise und rätsle, wer wohl so viel Geld für einen kurzen Abend an Unterhaltung ausgeben würde. Kurz: Mit dem Zirkusleben kann es nicht mehr lange so weiter gehen: eine Antiquität, die zum aussterben verurteilt zu sein scheint.

          Heute erschien ein FAZ-Artikel, der meinen Eindruck mehr oder weniger offiziell bestätigt [1]. Hier klagt der Inhaber des Zirkus Barelli über immer höhere Kosten, immer weniger Besuch, immer weniger Einnahmen und nicht zuletzt über Tierschutzpropaganda, die regelrechten Rufmord betreibe.
          Der Eindruck in dem Artikel ist viel wertender als der, den ich mir bis dato gebildet hatte. Hier wird der Verlust des Zirkusgeschäfts als Kulturgut geradezu beweint. Tierschützer wirken plötzlich wie Kulturbanausen, die harmlose Zirkusfamilien radikal in den Ruin treiben.

          Wie viele Leser, die ihre Meinung unter dem FAZ-Artikel kundgegeben haben, kann ich die Trauer um den Zirkus in Deutschland in dem Maße nicht nachvollziehen. Was in Zirkussen dargeboten wird, hielt ich schon immer für überholt und allzu populistisch. Natürlich tut es mir leid um die vielen Menschen, die damit geradezu ihre Lebensaufgabe verlieren. Aber das Aussterben der Wanderzirkusse wirkte auf mich schon länger wie eine zeitgeschichtliche Notwendigkeit, die nicht mehr abzuwenden ist.

          [1] faz.net/s/RubEC1ACFE1EE2...ATpl~Ecommon~Scontent.html

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