| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Heute | © TuXoR1337 | |||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | ||
| 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
| 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 |
| 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 |
| 27 | 28 | 29 | 30 | |||
| #artikel | 362 |
| #kommentare | 381 |
| #gbuch-einträge | 35 |
| #links | 583 |
| #besucher | 25050 |
| heute | 2 |
| diesen monat | 211 |
| letzten monat | 2940 |
In Deutschlands
Hauptstadt steht ein unscheinbares, eher
heruntergekommenes, ausgedientes Heizkraftwerk, das es
seit 2004 in sich hat. Jedes Wochenende - und nicht nur
dann - finden sich dort ungeheure Menschenmassen ein.
Von infernal lauter Musik begleitet überdauern die
dort stattfindenden exzessiven Ausschreitungen nicht
nur die Nacht, sondern oft auch den nächsten Tag.
Bei dieser Örtlichkeit, die ein beeindruckter
Rezensent im Internet als "Hölle auf Erden"
bezeichnete, handelt es sich um einen Club, nach seinem
Standort im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
"Berghain" betitelt.
Wovon ich hier berichte, liegt jenseits meiner
persönlichen Erfahrungen - ich stand noch nie
leibhaftig vor besagtem Gebäude, noch weniger erlebte
ich eine der berühmten Ausschreitungen selbst mit.
Mein Wissen begründet sich also alleine auf Berichte -
hauptsächlich aus dem Internet, das ja so gerne zu
übertreiben beliebt.
Meinen Blick hat das Berghain aber nicht allein
aufgrund seiner partytechnischen Superlativen auf sich
gezogen. Es ist vielmehr ein Blick auf das
außergewöhnliche, umfangreiche und vielfältige
Veranstaltungsprogramm [1], das meine Neugierde zu
wecken vermochte.
Als ich vor gut einem Monat von der französischen
Combo "Aufgang" berichtete [2], war ich von einem
entsprechenden Konzert im Berghain inspiriert worden.
Nicht erst seit dieser Entdeckung lasse ich ab und an
meinen Blick über die kommenden Veranstaltungen im
Berghain schweifen - immer auf der Suche nach neuer
musikalischer Inspiration.
Und die gibt es dort en masse. Mehrmals im Monat findet im Berghain ein "Elektroakkustischer Salon" statt, zu dem überwiegend Künstler der internationalen "Avantgarde" (eine freie Einstufung meinerseits) geladen werden. Außerdem finden immer wieder Konzerte von Musikern statt, von denen man außerhalb des Berghain-Programms kaum etwas zu hören bekommt, die aber bei näherer Betrachtung nicht selten unglaubliches Potenzial ausstrahlen.
Zwar wäre es wohl am besten, man lebte in der Nähe Berlins und könnte das ein oder andere Konzert im Berghain selbst miterleben; solange sich mir diese Möglichkeit nicht bietet, werde ich mich mit der Inspiration abfinden müssen, die ich durch den staunenden Blick ins Programm erlange.
[1] berghain.de/events
[2] tovotu.de/archiv/434-Ein...f-elektronischen-Hhenflgen
Unter der Bezeichnung
"Gesprächskonzerte" gibt der in Deutschland lebende
amerikanische Pianist David Andruss [1] seit einiger
Zeit Klavierkonzerte, bei denen er alle Stücke, die er
vorträgt, mit Hintergrundinformationen bereichert.
Laut Andruss ist das an Musikhochschulen eine sehr
gängige Methode des Dozierens. Er hält sie allerdings
offensichtlich für massentauglich und traut sein
Programm der (Fuldaer) Öffentlichkeit zum wiederholten
Male zu - offenbar mit großem Zuspruch.
Diese Mischung aus Konzert und musiktheoretischem
Vortrag begegnete mir erstmals, als ich vor wenigen
Jahren auf die "lectures" von Andras Schiff für die
britische Tageszeitung "The Guardian" stieß, die
kostenlos im Internet abrufbar [2] sind. Einem
brillanten Pianisten wie Andras Schiff entsprechend ist
hier die herausragende Qualität der Beiträge kaum
verwunderlich.
Zuletzt traf ich diese Form des Vortrags in Thomas
Manns "Doktor Faustus" [3] an, wo der stotternde
Wendell Kretzschmar bei öffentlichen und wenig
besuchten Veranstaltungen dieser Art seine teilweise
kuriosen Theorien zu musikalischen Themen äußert.
Da ich heute also an einem Gesprächskonzert von David Andruss einen Teil des Publikums bildete, musste der arme Pianist sich in meinem Kopf unweigerlich mit diesen beiden Idealbildern messen. Natürlich ist er im Vergleich unterlegen - doch dazu später mehr.
Mit Beginn um 17 Uhr konnte man das Gesprächskonzert
noch gar nicht als Abendveranstaltung bezeichnen. Nach
ungefähr 100 Minuten wurde man nämlich auch bereits
vor 19 Uhr wieder entlassen.
Als Räumlichkeit diente der Veranstaltungssaal von
wohnenplus nahe dem Fuldaer Stadtschloss. In dem
fürchterlich kleinen, schlecht belüfteten und
klimatisierten Räumchen, dessen Akkustik nicht nur
durch einige Säulen gestört wurde, hatte man Andruss
mit einem mittelgroßen Flügel ausgestattet, dessen
Klang dort unmöglich zur Geltung kommen konnte.
Die Voraussetzungen waren also schon ungünstig. Sie
prallten aber unmittelbar mit David Andruss' Programm
zusammen, weil der das Publikum in gewissem Maße um
den gesprochenen Anteil seiner Veranstaltung betrog.
Was er sagte, war höchst interessant und anschaulich,
doch es war zu wenig: Die Bezeichnung
"Gesprächskonzert" lässt mehr erwarten; die Akkustik
des Raumes ließ es auch nicht zu, den gespielten
Anteil zulasten des Gesprächs unnötig zu expandieren;
und zuletzt bin ich eine angenehmere Mischung von den
"lectures" und aus Doktor Faustus gewohnt.
Ich persönlich bekam das Gefühl, der Pianist wolle
sich mehr in seinen musikalischen Fähigkeiten denn in
seinem Wissen baden. Dem Publikum, dessen
Altersdurchschnitt wohl nahe am Rentenalter lag,
gefiehl das offenbar gar nicht schlecht. Ich selbst
fand seine pianistischen Leistungen nur wenig
befriedigend. Es schien fast so, als habe er sich mit
Chopins Scherzi, Waltzern und Etüden für diesen Abend
übernommen. Das hätte ich ihm nicht verübelt,
hätten diese musikalischen Vorträge den
Gesprächsanteil nicht so beschnitten.
Resümierend musste ich leider mehr Tadel als Lob
verlauten lassen. Doch meine Vergleichsbilder sind, wie
erwähnt, sichtlich Idealbilder und lassen meine Kritik
etwas unfair ausfallen. Der Fairness halber muss ich
also lobend erwähnen, dass überhaupt endlich mal
jemand die Kultur des Gesprächskonzerts aufs Fuldaer
Parkett gebracht hat. Angesichts des eher laienhaften
Publikums räume ich auch ein, dass hochtrabende
musiktheoretische Erörterungen wenig Anklang gefunden
hätten.
Ich würde es also im Großen und Ganzen durchaus
begrüßen, wenn Herr Andruss die Kultur des Fuldaer
Raums auch weiterhin mit Gesprächkonzerten bereichern
würde. Vielleicht stellt man ihm dann auch mal bessere
Räumlichkeiten zur Verfügung und mit zunehmendem
Erfolg wird er vielleicht wagen, den Redeanteil
merklich zu erhöhen. Ich würde es Fulda
wünschen.
[1] davidandruss.com
[2] music.guardian.co.uk/cla...al/page/0,,1943867,00.html
[3] tovotu.de/archiv/412-Der...torische-Faust-der-Neuzeit
Seit ich das letzte
Mal in den Genuss eines Faun-Konzertes kam, sind nun
schon drei Jahre vergangen [1]. Damals spielten die
Meister des Pagan-Folk in Fuldas Kulturkeller (der wird
inzwischen oft Museumskeller genannt). Sie hatten
gerade das Album "Totem" herausgegeben, das sich
dadurch auszeichnete, dass ungewöhnlich viele
musikalische Elemente durch die elektronische
Unterstützung hinzugekommen waren. Außerdem wurde die
Drehleier noch von Elisabeth Pawelke gespielt, die auch
ihre wunderschöne Stimme zum Einsatz kommen ließ.
Drehleier sowie Gesangsstimme wurden 2008 von Sandra
Elflein übernommen. In der neuen Konstellation durfte
ich die Band nun am vergangenen Samstag bewundern.
Dieses Konzert unterschied sich in bemerkenswert vielen
Details von dem Konzert, dem ich zuletzt beigewohnt
hatte: Das atmosphärisch wertvolle Gewölbe des
Museumskellers wurde durch die kantig-industrielle
Kälte des Kulturzentrums Kreuz ersetzt, das mit
Bestuhlung befremdlich anmutete.
Außerdem stellten die Faune dem Fuldaer Publikum an
diesem Samstag unter anderem ihr Album "Buch der
Balladen" [2] vor und musizierten nach dem
"Akustik"-Prinzip: Elektronik diente nur der
Verstärkung und nicht der Erweiterung des
musikalischen Repertoires.
Musikalisch wie stimmungstechnisch fand ich die Faune also gewandelt vor. Das Kreuz war gut gefüllt und es wurde deutlich, dass der enge Museumskeller für den Besucherandrang womöglich nicht hätte herhalten können. Trotzdem passte die Örtlichkeit einfach gar nicht zum Stil der Gruppe. Den Part, der in ihrer eigenen Macht lag, machten die Faune aber sehr richtig: die musikalische Abendgestaltung.
Die Band präsentierte sich nämlich nicht nur in einer (für mich) neuen Formation, sondern es fanden sich in der Playlist auch eine Handvoll Stücke, die bis jetzt auf keinem Album zu finden sind, und die alten Stücke waren stets bereichert durch Soli und leichte aber merkliche musikalische Variationen.
Die Eigenleistung der Faune war die 20 Euro Eintritt also durchaus wert. Ich wünsche mir fürs nächste Mal nur wieder eine passendere Location.
[1] tovotu.de/archiv/64-Die-Faune-in-Fuldas-Untergrund
[2] tovotu.de/archiv/407-Alt...Ehre-Das-Buch-der-Balladen
Am gestrigen Samstag,
30. Januar 2010, fand seit über 8 Monaten endlich
wieder eine Ska-Night statt. Seit ich erstmals in den
Genuss einer solchen Ska-Night kam, sind inzwischen
ungefähr fünf Jahre und viele weitere Ska-Nights
vergangen. Ich muss leider sagen, dass die Alte Piesel
zu Dirlos mich gestern vielleicht das letzte Mal als
Besucher hatte.
Spätestens Ende des Jahres 2008 begannen die
Veranstaltung in der Alten Piesel langsam an Qualität
zu verlieren. Es fanden insbesondere immer weniger
Ska-Nights und immer mehr Band-Abende anderer Art
statt, an denen häufig blutjunge Newcomer-Bands ihre
ersten Gigs erlebten. Ein Blick in den
Veranstaltungskalender verschob das Bild sogar noch in
eine andere Richtung: Immer mehr Ü30-Events wie die
wöchentlich stattfindenden Flower-Power-Dancenights
überfluteten das Programm.
Die Ska-Nights und sonstigen Band-Abende verloren
dementsprechend auch zunehmend ihr Publikum. Als ich
2009 das letzte Mal in der Alten Piesel war, erklärte
man die Veranstaltung bereits vor 0 Uhr für beendet,
nachdem kaum 30 Besucher erschienen waren.
Inzwischen hat sich die Alte Piesel anscheinend
gänzlich von dem ehemaligen Image einer Party-Zuflucht
junger Teenager, die aufgrund ihres Alters nirgends
hereingelassen wurden, verabschiedet: Am gestrigen
Abend musste ich feststellen, dass der
Altersdurchschnitt im ohnehin schon erschreckend
kleinen Publikum über die 30 gerutscht war. Ich
erblickte sogar einige, die sich gemütlich mit
Rotweingläsern an Tischen niedergelassen hatten.
Entgegen der Ankündigung im Internet verlangte man an
der Abendkasse stolze acht Euro Eintritt - kein Wunder,
dass da keine 15jährigen Teenager mehr kommen!
Von den zwei angekündigten Bands war eine ausgefallen.
Als Ersatz spielte zuerst eine Band namens "Alles
Franziska", die so viel mit Ska zu tun hatte wie ein
Beerdigungsmarsch. Kurz vor elf Uhr trat dann endlich
Ska-Brot auf die Bühne, und die wenigen U20-Besucher
wagten es immerhin jetzt, die Tanzfläche zu
erobern.
Abgesehen von dem kläglichen Haufen, der gestern in
der Alten Piesel war, scheinen die Ska-Fans in Fulda
ausgestorben zu sein. Es kann aber auch genauso gut
sein, dass die Alte Piesel ihre Reize einfach völlig
verloren hat. Mit hohen Eintrittspreisen und immer
selteneren Veranstaltungen fürs junge Publikum, die
dazu noch schlecht angepriesen und durchgeführt
werden, ist die Piesel ihrer Bedeutung von vor vier bis
fünf Jahren gänzlich verlustig gegangen.
Für mich war es mit hoher Wahrscheinlichkeit der
letzte Besuch in der Alten Piesel. Denn abgesehen
davon, dass hier keine großen Exzesse mehr zu erwarten
sind, werde ich noch dieses Jahr Fulda auf unbestimmte
Zeit den Rücken kehren.
Zwei Jahre und zwei
Alben nach meinem letzten prägenden Erlebnis dieser
Art [1], hatte ich am Donnerstag abend wieder das
große Vergnügen, die Band Coppelius live on stage im
Fuldaer Kulturkeller bei einem ihrer Konzerte zu
bejubeln.
Die Veranstaltung gestaltete sich ähnlich wie beim
letzten Mal - und darüber berichtete ich ja schon
ausführlich genug in meinem Artikel von damals [1].
Deswegen hier nur ein paar Details, die sich geändert
haben.
Angesichts des steigenden Bekanntheitsgrades der Band
sind auch die Eintrittspreise etwas gestiegen: zwar um
immerhin 50 Prozent in den letzten zwei Jahren, aber es
ist immer noch moderat. Die preisliche Veränderung
wurde im Grunde dadurch entschädigt, dass das Publikum
neben Coppelius diesmal eine Vorband präsentiert
bekam: "Remember Twilight". Die waren gar nicht mal so
schlecht.
Nun aber zum Höhepunkt des Abends. In der Tradition
des 19. Jahrhunderts hatten die Musiker natürlich
nichts Grundlegendes an ihrem großartigen Bühnenbild
und der authentischen Inszenierung verändert. Nur
Details lassen sich aufzählen: Zum einen hat der
Butler seine Haare gestutzt und verhält sich insgesamt
nicht mehr so rein "butlergemäß" - er hat also
(leider) etwas an Authentizität eingebüßt. Außerdem
war die Verkleidung der Musiker leicht verändert:
Statt rein schwarz-weiß gab es jetzt bläuliche
Anzüge, die etwas "befremdlich" wirkten.
Zu guter Letzt hatte man natürlich die Playliste stark
abgeändert. Mit zwei neuen Alben hat sich in den
letzten zwei Jahren viel am Repertoire von Coppelius
getan. Von den alten Klassikern waren
selbstverständlich trotzdem wieder einige
vertreten.
Ein schöner Abend!
[1] tovotu.de/archiv/2007/03/67-Coppelius-hilft

©Copyright 2007 Impressum
Seitenaufbau in: 0.081204 Sekunden.