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Das Album "Last Resort"
des dänischen Elektromusikers Anders Trentemøller
stellte 2007 gewissermaßen meinen Zugang zu
elektronischer Musik jenseits des Mainstreams dar. Mit
den "Chronicles", zahlreichen Single-Erscheinungen und
Remixes wurde ich immer wieder in meinem positiven
Eindruck von der Musik Trentemøllers bestätigt.
Mit Erscheinen der Harbour Boat Trips wurde langsam deutlich, dass Trentemøller im Begriff war, neue Wege zu beschreiten: Auf der Compilation, die bei dem neuen Label "hfn music" erschienen war, befanden sich hauptsächlich Remixe - aber nicht (wie gewohnt) von Techno-Tracks, sondern von waschechten Rock- und Pop-Songs. Das hatte musikalisch kaum noch etwas mit "Last Resort" zu tun - nur der eingefleischte Trentemøller-Kenner glaubte noch die charakteristische Stimmung herausfühlen zu können.
Seit der Single "Sycamore Feeling" scheint es offiziell zu sein, dass Trentemøller sich mit dem "Boat Trip" endgültig in neues Fahrwasser begeben hat. Auf seinem neuen Album "Into The Great Wide Yonder", das am 28. Mai in drei Ausführungen erschienen ist [1], präsentiert er zehn neue Tracks. Ich nenne die "Special Edition" (mit DVD) seit Samstag mein Eigentum und will mich hier an eine Analyse wagen, nachdem ich bereits einige Tage reinhören konnte.
Unter den zehn Titeln befinden sich immerhin vier
waschechte "Songs", die in Zusammenarbeit mit
unterschiedlichen Sängerinnen und einem Sänger
aufgenommen wurden: Traten die Vocals in "Last Resort"
noch gemäß Elektro-Tradition hauptsächlich als
gleichberechtigt zu den restlichen Klängen auf, so
finden sich hier in Manier der Pop/Rock-Musik
Gesangsstimmen, gegenüber denen der instrumentale und
elektronische Teil der Musik zunehmend eine begleitende
Rolle einnimmt.
Außerdem bedient sich Trentemøller immer häufiger
Rhythmen und Beats, die aus der Pop/Rock-Musik bekannt
sind (man beachte das durchgängige Beat-Pattern bei
"Silver Surfer, Ghost Rider Go!!!").
Beim Hören wurde ich immer wieder an das Debut-Album
von Polarkreis 18 erinnert (besonders "Shades Of
Marble"). Und gleichzeitig klang in "Silver Surfer,
Ghost Rider Go!!!" Bekanntes aus dem Klassiker "Rocker"
von Alter Ego an.
Der abschließende Song "Tide" hätte in einer
Offstream-Filmproduktion einen sicherlich großartigen
Soundtrack abgegeben. Und damit sind wir auch schon bei
der Zusammensetzung des Albums: Auswahl und Reihenfolge
der Titel machen einen runden und in sich geschlossenen
Eindruck. "The Mash And The Fury" bietet zwar einen
nicht ganz leicht verdaulichen Einstieg. Nach dem
Höhepunkt bei Titel 8 stellen "Neverglade" und "Tide"
aber einen guten Abschluss dar.
Wie bei Harbour Boat Trips unterscheiden sich die musikalischen Formen in "Into The Great Wide Yonder" zwar grundlegend von den althergebrachten ("Last Resort"). Die für Trentemøller charakteristischen Tendenzen zu düsterer, geheimnisvoller, manchmal träumerischer und immer ausdrucksstark-emotionaler Musik finden sich aber auch in seinem neuesten Album wieder. Obwohl die Musik populäre Formen anzunehmen scheint, ist sie doch ernster geworden. Und obwohl ich an der CD die bahnbrechende Eigenständigkeit und musikalisch-schöpferische Bedeutungsschwere des Debut-Albums nicht wiederfinden kann, räume ich "Into The Great Wide Yonder" herausragende Hochwertigkeit auf allen musikalischen Ebenen ein, indem ich mit dem wirklich lesenswerten Laut.de-Review von Matthias Manthe weitgehend übereinstimme [2].
Die der Special Edition beiliegende DVD enthält übrigens eine Live-Videoaufnahme vom Roskilde-Festival ("Silver Surfer, Ghost Rider Go!!!"), wo die Musik von einer wirklich beeindruckenden Bühnen-Performance begleitet wurde. Dazu gibt es das offizielle Musikvideo der Single "Sycamore Feeling". Außerdem kommt die "Special Edition" in einer hochwertigen Verpackung mit (leider gefaltetem) Poster daher. Das edle Stück kann man in der Picasa-Galerie angucken, zu der ein Klick auf das Artikelbild führt.
[1] amazon.de/gp/product/B00...54&creativeASIN=B003A3K37O
amazon.de/Into-Great-Wid...usic&qid=1275468150&sr=8-4
(Special Edition mit DVD)
amazon.de/Into-Great-Wid...usic&qid=1275468150&sr=8-6
(Vinyl LP)
[2] laut.de/Trentemller/Into...at-Wide-Yonder-%28Album%29
In Deutschlands
Hauptstadt steht ein unscheinbares, eher
heruntergekommenes, ausgedientes Heizkraftwerk, das es
seit 2004 in sich hat. Jedes Wochenende - und nicht nur
dann - finden sich dort ungeheure Menschenmassen ein.
Von infernal lauter Musik begleitet überdauern die
dort stattfindenden exzessiven Ausschreitungen nicht
nur die Nacht, sondern oft auch den nächsten Tag.
Bei dieser Örtlichkeit, die ein beeindruckter
Rezensent im Internet als "Hölle auf Erden"
bezeichnete, handelt es sich um einen Club, nach seinem
Standort im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
"Berghain" betitelt.
Wovon ich hier berichte, liegt jenseits meiner
persönlichen Erfahrungen - ich stand noch nie
leibhaftig vor besagtem Gebäude, noch weniger erlebte
ich eine der berühmten Ausschreitungen selbst mit.
Mein Wissen begründet sich also alleine auf Berichte -
hauptsächlich aus dem Internet, das ja so gerne zu
übertreiben beliebt.
Meinen Blick hat das Berghain aber nicht allein
aufgrund seiner partytechnischen Superlativen auf sich
gezogen. Es ist vielmehr ein Blick auf das
außergewöhnliche, umfangreiche und vielfältige
Veranstaltungsprogramm [1], das meine Neugierde zu
wecken vermochte.
Als ich vor gut einem Monat von der französischen
Combo "Aufgang" berichtete [2], war ich von einem
entsprechenden Konzert im Berghain inspiriert worden.
Nicht erst seit dieser Entdeckung lasse ich ab und an
meinen Blick über die kommenden Veranstaltungen im
Berghain schweifen - immer auf der Suche nach neuer
musikalischer Inspiration.
Und die gibt es dort en masse. Mehrmals im Monat findet im Berghain ein "Elektroakkustischer Salon" statt, zu dem überwiegend Künstler der internationalen "Avantgarde" (eine freie Einstufung meinerseits) geladen werden. Außerdem finden immer wieder Konzerte von Musikern statt, von denen man außerhalb des Berghain-Programms kaum etwas zu hören bekommt, die aber bei näherer Betrachtung nicht selten unglaubliches Potenzial ausstrahlen.
Zwar wäre es wohl am besten, man lebte in der Nähe Berlins und könnte das ein oder andere Konzert im Berghain selbst miterleben; solange sich mir diese Möglichkeit nicht bietet, werde ich mich mit der Inspiration abfinden müssen, die ich durch den staunenden Blick ins Programm erlange.
[1] berghain.de/events
[2] tovotu.de/archiv/434-Ein...f-elektronischen-Hhenflgen
Ein Flügel klingt einfach gut - zwei Flügel klingen noch besser. Und wenn man die beiden noch mit einem Schlagzeug unterlegt, könnte etwas höchst Beeindruckendes herauskommen. Zum Beispiel "Aufgang" [1] - ein französisches Quartett, das sich der elektronischen Avantgarde hingegeben hat.
Ich halte die vier Franzosen mit dem deutschen Bandnamen jedenfalls für so weit nennenswert, dass ich ihnen diesen Artikel widme. Dabei sei eingeräumt, dass ich sie auch nur von ihrer MySpace-Seite kenne und dass mich neben dem Grundkonzept zunächst vor allem die Tracks "Barock" und "Sonar" ziemlich überzeugen konnten.
Vielleicht werde ich mir in naher Zukunft das Debut-Album "Aufgang" [2] zulegen und dann bei Gelegenheit Näheres berichten.
[1] myspace.com/aufgangsonar
[2] amazon.de/gp/product/B00...54&creativeASIN=B002MAXBGQ
Von der Beziehung Dänemarks zu elektronischer Musik wissen meine Leser inzwischen [1]. Seit geraumer Zeit nutze ich aber außerdem das Angebot, die dänischen Klänge direkt von unseren nördlichsten Nachbarn zu meinen heimischen Computerboxen zu streamen.
Der große dänische Rundfunkkonzern Danmarks Radio (DR) bietet einige Netradio-Stationen an. Darunter ist auch ein Sender, der durchgängig und ohne Werbe- oder sonstige Sprachunterbrechungen elektronische Musik verlauten lässt: DR Electronica [2].
Auf diesem Kanal wird man aber nicht wieder nur mit dem Standard-Gedudel von Sunshine Live oder anderen bekannten Streams konfrontiert, sondern der Hörer kommt in den Genuss älterer aber vor allem unbekannterer elektronischer Experimental-, Alternativ- und Progressivmusik (siehe Playliste [3]). Wer in der Richtung schon immer neugierig war, wird sicherlich seinen Gefallen daran finden. Ich jedenfalls habe mit DR Electronica genau das richtige für mich gefunden, gerade weil dort auch manchmal ungewöhnliche Dinge gespielt werden, auf die man sich erstmal einlassen muss, bevor man sie mögen kann.
Den DR-Kanal kann man nicht nur auf der genannten Webseite [2] in dem eingebetteten Player anhören, sondern es besteht auch die Möglichkeit, ihn in jedem streamingfähigen Media-Player (z.B. Winamp) anzuhören, indem man eine txt-Datei mit folgendem Inhalt erstellt, der man anschließend die Dateiendung ".pls" verpasst. Winamp kann diese Datei dann als Playliste wiedergeben:
[playlist]
File1=http://wmscr1.dr.dk/e06ch10m?wmcontentbitrate=300000&=.wma
Title1=DR
Length1=0
File2=http://wmscr2.dr.dk/e06ch10m?wmcontentbitrate=300000&=.wma
Title2=DR
Length2=0
NumberOfEntries=2
Version=2
[1] tovotu.de/archiv/410-Bac...ktronisk-musik-komposition
[2] dr.dk/radio/alle_kanaler/electronica.asp
[3] dr.dk/playlister/playlis...=&cidName=DR%20Electronica
Das "Buch der Balladen" beginnt mit einem Zitat aus einem Brief Rainer Maria Rilkes:
Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.
An der entsprechenden Stelle im Brief geht es darum, dass Mythen am Anfang einer jeden Kultur standen und welchen Wert diese Mythen vielleicht auch für uns haben könnten.
Und tatsächlich beschreibt dieses Zitat perfekt den
Leitfaden in Fauns neuem Akustik-Album "Buch der
Balladen" [1], das sich an an der Thematik alter
nordischer und germanischer Sagen und Volkslieder
orientiert.
Das "Buch" ist aber
nicht nur bezüglich Inhalt, sondern auch, was die Form
angeht, etwas Besonderes. Es handelt sich nämlich
tatsächlich um ein kleines gebundenes Buch, dessen
Einband in Größe und Layout einer CD-Hülle
entspricht: Auf gut 40 Seiten werden zu jedem Lied
Noten und Songtext geliefert, erweitert durch kurze
erläuternde Texte, die historische und
interpretatorische Hintergründe darlegen.
Den Genuss der CD, die im hinteren Teil des Einbands steckt, maximieren also nicht nur zauberhafte Klänge, sondern auch Einblicke in jene historische Hintergründe. Die neun Lieder nebst Prolog werden bei der nur kurzzeitig erhältlichen "Limited Edition" um "Brynhilds Lied" erweitert, wobei es sich mehr um einen musikalisch untermalten, vorgelesenen Text als um ein "richtiges" Lied handelt.
Einen Eindruck von der Musik kann sich jeder selbst auf der MySpace-Seite [2] verschaffen. Wer den authentisch-mittelalterlichen Klängen jedoch generell abgeneigt ist, wird nicht viel Gefallen an dem Album finden. Für alle anderen sei betont, dass das Album als Gesamtkunstwerk die Qualität jedes einzelnen Liedes nochmal beachtlich anhebt, insbesondere wenn man sich gerne auf zauberhafte Welten uralter Mythen wie "Edda" (altisländische Sage von Sigurd, verwandt mit dem Nibelungenlied) einlässt.
Ich bin davon überzeugt, dass ein Live-Auftritt den Eindruck der CD noch übertreffen wird. Und deswegen werde ich auf jeden Fall am 20. Februar nicht fehlen, wenn Faun in Fulda zu hören sein wird [3].
[1] amazon.de/gp/product/B00...54&creativeASIN=B002RKPWI6
[2] myspace.com/paganfolk
[3] kreuz.com/index.php?resort=2_1&resort_id=1486

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