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Vom legendären
Eurotrip [1], bei dem alle bekannten,
großen und schönen Städte Europas in einer großen
Reise abgeklappert werden, träumen nicht nur
Nicht-Europäer: Es handelt sich dabei um eine beliebte
Beschäftigung für die Zeit zwischen Abitur und
Studium oder für die vorlesungsfreie Sommerzeit.
Zu Zeiten von Hochgeschwindigkeitszügen und billigen
Youth Hostels stellt man sich das auch gar nicht mehr
teuer vor: Mit einem großen Rucksack bepackt und einem
Europa-Zugticket, dem so genannten InterRail-Ticket,
ausgestattet könne selbst ein mittelloser Student auf
große Reise gehen.
Welche falschen Vorurteilen sich in dieser Vorstellung
verstecken und wie man sich so einen InterRail-Trip am
ehesten vorstellen kann, versuche ich im Folgenden zu
erläutern.
Auf der Seite der
Deutschen Bahn [2] können die
InterRail-Tarife für deutsche Bundesbürger
ziemlich übersichtlich eingesehen werden. Hier
entsteht aber schon die erste Illusion: Weil die DB auf
ihrer Webseite viel zu wenige weiterführende
Informationen anbietet, entgehen dem interessierten
InterRail-Käufer alle weiteren entstehenden Kosten und
eine ausführliche Liste der teilnehmenden
Bahngesellschaften.
Wer dazu nähere Informationen einholen möchte, schaut
am besten auf dem internationalen und offiziellen
Informationsportal [3] des "InterRail
Europe Train Pass" nach. Unter "Planning" kann man dort
eine übersichtliche Karte Europas mit den relevanten
Zugverbindungen herunterladen. Außerdem gibt es dort
Informationen, welche Züge vorab reserviert werden
müssen und welche zusätzlichen Kosten dabei
anfallen.
Im Einzelfall kann auf der Webseite der
Österreichischen Bundesbahn [4] angezeigt
werden, ob eine ganz bestimmte Zugverbindung
reservierungspflichtig ist oder nicht. Verlässliche
Informationen darüber, welche Gebühren anfallen
werden, erhält man aber fast ausschließlich am
Bahnschalter!
Zu den
Reservierungsgebühren, die für Inhaber des
InterRail-Tickets anfallen, seien einige Anmerkungen
gemacht: Reservierungspflichtige Züge gibt es in fast
jedem Land (außer z.B. der Schweiz) und Gebühren für
eine Zugfahrt können in Höhe von 4 bis 85 Euro in der
zweiten Klasse anfallen. Deutlich über 20 Euro werden
allerdings nur in Ausnahmefällen wie dem EuroStar, der
unter dem Ärmelkanal durchfährt, verlangt. Die
Benutzung von Nachtzügen fällt bisweilen noch teurer
aus: Die Preise für Nachtzüge unterscheiden sich
stark (nicht nur abhängig vom gewählten Abteil und
Komfort). Ein einfacher Sitzplatz kann für ca. 8 Euro
zu haben sein, ein Liegeplatz im 6er-Abteil kostet 25
bis 50 Euro und für 4er-Abteile und besser fallen
entsprechend Preise bis über 100 Euro an.
Im Einzelfall kann man nur sicher über die anfallenden
Kosten sein, wenn man am Bahnhof direkt nachfragt. Nur
dort können die nötigen Reservierungen schließlich
getätigt werden!
Bei alldem ist auch zu beachten, dass ein
InterRail-Ticket nie im Heimatland des Inhabers gültig
ist. Das hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass die
erste Zugfahrt, mit der man sein Heimatland verlässt,
sowie die entsprechende Rückfahrt bezahlt werden
müssen. Die Interrailer erhalten aber auf diese
Fahrten immerhin gewisse Vergünstigungen, die am
Bahnschalter erfragt werden können.
Vielen schwebt mit dem Erwerb des InterRail-Tickets auch die große Flexibilität und Spontaneität vor, die mit einem solchen Allround-Tickets einherzugehen scheint. Wer aber nicht rechtzeitig plant und in den meisten Fällen auch verbindliche Buchungen vornimmt, wird keinen Spaß mit seinem InterRail-Ticket haben.
Die oben genannten Zugreservierungen sollten schon Tage
oder Wochen vor der Fahrt getätigt werden. Zum einen
sind Züge auf viel befahrenen Strecken tatsächlich
bisweilen Tage vorher ausgebucht. Zum anderen ist
zusätzlich das Fahrkarten-Kontingent für
InterRail-Benutzer begrenzt. Man muss außerdem leider
sagen, dass man selbst an Bahnschaltern oft falsche
Informationen über die Verfügbarkeit bestimmter
Plätze bekommt. Für mehrere Schnellzüge und zwei
Nachtzüge, die wir in Genf nicht buchen konnten - sie
waren angeblich ausgebucht -, konnten wir in Marseille
problemlos Plätze reservieren.
Bei der Reservierung von Zügen ergeben sich noch
weitere Probleme: Wer in der Schweiz ausländische
Züge buchen will, muss damit rechnen, 5 Franken (etwa
3,50 Euro) Aufschlag zu bezahlen. Einen solchen
Aufschlag verrechnete man weder in Frankreich noch in
Spanien. In Portugal wiederum war es überhaupt nicht
möglich, ausländische Züge zu reservieren. Wenn man
Portugal also mit einem bestimmten Zug verlässt, muss
man eventuelle Anschlusszüge kurzfristig am
Umsteigebahnhof buchen, wenn man das nicht schon vor
der Einreise nach Portugal erledigt hat. Ähnliche
Probleme könnten sich in anderen Ländern ergeben -
eine frühzeitige Planung und Buchung kann dem
Interrailer diese Strapazen ersparen.
Die Unterkunft
bei einem solchen EuroTrip ist übrigens nicht so
einfach gefunden, wie man sich das bisweilen
vorstellt.
Zelten ist durchaus nicht die einfachste und billigste
Variante. Auch hier fallen Zeltplatzgebühren an und
abgesehen von dem geringen Komfort, den man beim Zelten
im Allgemeinen erfährt, dürfte es mühsam sein,
ständig ein Zelt (zzgl. Isomatte und Schlafsack) mit
sich herumzutragen, das man bei häufigem Ortswechsel
abends auf- und morgens wieder abbauen und bei Regen
notgedrungen nass wieder in die Schutzhülle stopfen
muss. Zeltplätze sind gerade in großen Städten eher
ungünstig gelegen, sodass weitere Kosten für den
Transfer in die Innenstadt anfallen können.
Auch in Hostels kommt man nur günstig unter, wenn man
frühzeitig bucht. Man sollte sich wirklich ersparen,
ohne Buchung in eine bestimmte Stadt zu kommen, um dann
zu erfahren, dass gerade eine besondere Veranstaltung
einen Besucheransturm provoziert, sodass alle
günstigen Übernachtungsmöglichkeiten bereits
ausgebucht sind.
Buchungen nimmt man am besten bei großen Webseiten wie
Hostelworld [5] vor, wo man gute
Möglichkeiten hat, Preise zu vergleichen,
Verfügbarkeiten zu überblicken und Erfahrungsberichte
zu lesen.
Auch bei günstigen Hostels kann man im Sommer mit durchschnittlichen Kosten von knapp unter 20 Euro pro Nacht - zumeist ohne Frühstück - rechnen. Über den Tag kommt man wohl nicht mit weniger als 10 Euro aus, man sollte eher mit 15 Euro oder mehr rechnen. Pro Zug fallen durchschnittlich 5 Euro Reservierungsgebühren an. Die genannten Kosten können sich stark vermehren, wenn man in teuren Ländern wie der Schweiz oder Schweden unterwegs ist, viele Museen besucht, in Restaurants speist, viele Nachtzüge und internationale Fernzüge verwendet oder Taxi-, Metro-, Tram- und Busfahrten reichlich in Anspruch nimmt.
Außerdem sollte man sich keinen Illusionen hingeben,
wie viele unterschiedliche Orte man in einer bestimmten
Zeit besuchen kann. Wer beispielsweise alle großen
Hauptstädte Europas auf seinem InterRail-Trip besuchen
will, sollte extrem lange Zugfahrten und eine
Gesamtreisedauer von mindestens einem Monat einplanen,
in der man nur höchstens eine Übernachtung in jeder
Stadt erlebt.
Ein Dilemma bleibt: Wer nicht viel Zug fährt und sich
lange an einem Ort aufhält, für den rentiert sich das
InterRail-Ticket womöglich preislich nicht. Wer die
Möglichkeiten des InterRail-Tickets ausnutzen will,
muss mit langen Zugfahrten und wenig Zeit an jedem
einzelnen Ort rechnen. Auf meinem vergangenen
InterRail-Trip habe ich beispielsweise fast jeden Tag
mindestens einen Zug benutzt und kam so insgesamt auf
Zugkosten von unter 400 Euro in 15 Tagen. Ohne
InterRail-Ticket wären Kosten von mindestens 700 Euro
angefallen. Ich halte es kaum für möglich, mehr als 4
Länder in 15 Tagen zu besuchen, wenn man nicht
unvernünftig lange Zugfahrten in Kauf nimmt.
Die Gesamtkosten für die 15tägige Reise beliefen sich
auf etwa 1000 Euro und ich halte das für einen
ziemlich niedrigen Wert. Ob man sich als Student also
eben mal einen solchen Trip leisten kann, ist
fraglich.
Als Fazit bleibt
also zu sagen: Ein InterRail-Trip kann nur schwerlich
ein richtiger Eurotrip werden, schon gar nicht ein
günstiger. Hoffnung auf besondere Spontaneität sollte
man sich nicht machen, sondern im Vornherein so viel
wie möglich buchen und reservieren. Und zuletzt sollte
man nicht blind davon ausgehen, dass sich das
InterRail-Ticket in jedem Fall preislich lohnt. Für
Frühbucher gibt es nicht nur in Deutschland ziemlich
günstige Zugfahrten und daher sollte nicht nur, wer
lieber eine Hand voll Städte besichtigen will und dort
jeweils mindestens 3 Tage bleiben möchte, unbedingt
die Rentabilität des InterRail-Tickets ausführlich
prüfen.
Dieser Artikel schließt an einen Artikel über die erste Hälfte der Reise (Basel, Bern, Lausanne, Genf, Marseille, Barcelona, Sevilla) an!
Nach dem eindrucksvollen
Besuch Sevillas brachte uns ein Schnellzug nachmittags
nach Madrid. In der spanischen Hauptstadt
verbrachten wir zwei Nächte im Hostel "La Posada de
Huertas", das durch unglaublich günstige Preise und
mit seiner günstigen Lage im Stadtteil Huertas
bestach.
Das Hostel bot am gleichen Abend noch einen so
genannten "Pub Crawl" an, bei dem wir einige
Hostel-Mitbewohner kennen zu lernen erhofften. Diese
Kneipentour durch drei Bars und eine Diskothek brachen
wir allerdings schon nach zwei Bars ab: Zum einen
hatten sich die Bars als extrem klein, verraucht und
musikalisch desorientiert herausgestellt. Zum anderen
waren wir nach den vergangenen Tagen des
"Schnellbesichtigens" zu erschöpft, um die Nacht lang
werden lassen zu können.
Am kommenden Tag gab es wieder ein nettes Angebot des
Hostels: Die "Free Tour" durch Madrid, bei der ein
Führer namens Pablo aus Argentinien dreieinhalb
Stunden zu Fuß durch die Stadt führte. Aus
unterschiedlichen Hostels fanden sich zu dieser
Veranstaltung 30 bis 40 Teilnehmer zusammen und ganz
kostenlos war es auch nicht, bestand Pablo doch
schlussendlich auf seine 5 bis 15 Euro Trinkgeld -
schade nur, dass er zur wirklichen Historie der
Sehenswürdigkeiten das ein oder andere hinzuerfand und
nicht selten seine politische Sichtweise über die
Führung zu propagieren versuchte.
Die große und sehenswerte, aber viel zu hektische und zu wenig jugendliche Hauptstadt verließen wir am zwölften August in Richtung Salamanca. Die Auszeichnung als UNESCO Weltkulturerbe hat das historische Stadtzentrum wirklich verdient: Die Gebäude der mittelalterlichen Universität, die spätmittelalterlichen Klöster und Kirchen, die berühmte Plaza Mayor, die meiner Meinung nach den gleichnamigen Platz in Madrid an Zierde übertrifft, eine römische Brücke, das Jugendstilhaus Casa Lis und viele andere authentische Bauwerke lassen Salamanca im Schein der Geschichte erstrahlen. Dabei ist das Stadtzentrum wirklich in hervorragendem Zustand und nur die äußeren Stadtbezirke um das Zentrum auf der nordöstlichen Seite des Flusses können den überwältigenden Eindruck trüben.
Nach einer Nacht im "Rincon de Sito" - eher ein
unschlagbar günstiges Hotel mit Zwei-Bett-Zimmern als
ein Hostel - und einer Nacht in den Bars und
Diskotheken Salamancas brachte uns ein Nachtzug langsam
und unkomfortabel über die Grenze in die
portugiesische Hauptstadt Lissabon (port.
Lisboa), wo wir zwei Nächte im ansprechend
eingerichteten, aber personalmäßig unfreundlichen
"Kitsch Hostel" verbrachten.
Lissabon bot uns viele sehenswerte historische Bauwerke
- darunter ein Aquädukt des 18. Jahrhunderts -, ein
Kunstmuseum und ein Jazz-Festival. In die lokalen
Szene-Clubs trauten wir uns mit unserer
"Backpacker-Bekleidung" nicht hinein und die vielen
sehenswerten äußeren Stadtbezirke (Belém, Sintra,
...) zu besichtigen versagte uns der knappe zeitliche
Rahmen.
Schon die Hauptstadt machte einen etwas
heruntergekommenen Eindruck - insbesondere im Vergleich
mit der strahlenden Stadt Salamanca -, unser nächstes
Ziel Porto übertraf Lissabon aber in dieser
Hinsicht leider noch.
Wir kamen hier zwar in dem günstigen, nagelneuen und
super sauberen "Spot Hostel" unter, das Stadtzentrum
und die Bezirke, die wir auf der anderen Seite des
Flusses sehen konnten, boten aber bisweilen keinen
schönen Anblick. Schön waren der Strand an der
Atlantikküste (allerdings ziemlich frisch), die
Uferpromenade und einzelne Bauwerke wie die
Luís-Brücke, die Avenida los Aliados und die Casa da
Música.
Die saubere, klimatisierte und mit Loungemusik unterlegte Metro, wie sie auch in Lissabon schon vorzufinden war, brachte uns nach einer Übernachtung zum Bahnhof, von wo aus wir Santiago de Compostela ansteuerten. Die kleine Stadt im galizischen Spanien, die von Pilgern überlaufen war, bot uns eine außerordentlich ansehnliche Kathedrale und ein insgesamt ziemlich sehenswertes Stadtzentrum. Außerdem wohnten wir für kurze Zeit einem lokalen Musik- und Kurzfilmfestival bei.
Unsere letzte Nacht in einem Hostel auf dieser Reise hatten wir im vor leider ungünstig gelegenen "Meiga Backpackers" Santiago verbracht. Ein unglaublich langsamer Zug brachte uns daraufhin in 11 Stunden nach Hendaye, wo wir in einen Nachtzug Richtung Paris stiegen. Nach einer angenehmen - wenn auch kühlen - Nacht im Liegeabteil blieben uns 12 Stunden in der zu Recht bekannten, gelobten, aber meistens mit Touristen überlaufenen französischen Hauptstadt, die wir mit einer Erkundung der bekanntesten Sehenswürdigkeiten gut auszunutzen wussten - sogar dem Louvre und dem Centre Pompidou konnten wir in der kurzen Zeit einen Besuch abstatten.
Als wir nun in der Nacht vom 19. auf den 20. August
wieder endlich in unseren heimischen Betten schlafen
durften, konnten wir eine gewisse Erleichterung nach
den Strapazen, die mit dem ständigen Ortswechsel und
den ehrgeizigen Erkundungstouren einhergegangen waren,
nicht leugnen. Außerdem ist es nach 13 Städten
wirklich mal an der Zeit, das erlebte zu verarbeiten
und eine Pause einzulegen.
Angesichts der Tatsache, dass auf der Welt noch so
unglaublich viele Orte darauf warten, besucht zu
werden, bleibt einem ehrgeizigen Weltenbummler ohne
viel Zeit und Geld nichts übrig, als sich entweder mit
wenigen Orten zufrieden zu geben, oder jedem einzelnen
Ort weniger Zeit und Aufmerksamkeit entgegenzubringen,
wie wir es in den vergangenen 16 Tagen getan haben. Wir
können nämlich nicht leugnen, dass wir zwar viel
gesehen, aber nichts wirklich gründlich erkundet
haben. Die historischen, architektonischen und
statistischen Hintergründe der besuchten
Sehenswürdigkeiten blieben uns nämlich
zugegebenermaßen überwiegend verborgen. Dazu kam,
dass wir oft Eintrittsgelder für Kirchen, Schlösser
und andere Gebäude scheuten und uns darüber hinaus
mit flüchtigen Blicken - oft ohne im Lauf innezuhalten
- zufrieden gaben.
Ein Artikel über unsere Erfahrungen mit dem InterRail-Ticket und die organisatorischen Punkten der Reise wird noch folgen.
Die vergangenen zwei
Wochen, seit dem vierten August, bereiste ich in
Begleitung eines Freundes Westeuropa: Mit einem 15 Tage
gültigen InterRail Global Pass ausgestattet steuerten
wir 13 Städte in vier verschiedenen Ländern an. Die
Nächte verbrachten wir in 10 verschiedenen
Unterkünften und 2 Nachtzügen, davon einmal im
Liegewagen und einmal auf einem herkömmlichen
Sitzplatz.
Wir hielten uns in den Städten also durchschnittlich
weniger als 1,2 Tage auf und fuhren fast jeden Tag
mindestens mit einem Zug. Die Gesamtkosten (Zugfahrten,
Unterkünfte, Verpflegung, Bus/Tram/Metro, Museen, ...)
beliefen sich auf rund 1000 Euro pro Person.
Unsere Reise begann am Morgen des vierten August. Wir nahmen eine Verbindung nach Basel, wo wir - kurz nach Mittag angekommen - unsere Plätze in einem 8-Bett-Zimmer des YMCA Hostels bezogen. Ohne Zögern machten wir uns daraufhin zu Fuß an die Erkundung der Stadt. Die wichtigen Sehenswürdigkeiten inklusive Universität waren schnell besichtigt und sogar im Rhein hatten wir geschwommen, als wir abends - die schöne Rheinpromenade war hell erleuchtet und von Menschen reichlich belebt - den kurzfristigen Entschluss fassten, diese Stadt schon am nächsten Morgen hinter uns zu lassen. So wollten wir auf unserer Reise zu unserm nächsten Ziel Genf einen außerplanmäßigen Aufenthalt in der Bundesstadt Bern einschieben.
Das setzten wir auch in die Tat um und der Besuch der in jener fast künstlerisch geschwungenen Rheinkurve gebetteten Stadt stellte sich als großartige Idee heraus. Aber obwohl wir hier sogar dem Kunstmuseum einen Besuch abstatteten, war erst früher Nachmittag, als wir die Besichtigung für abgeschlossen erklärten und Bern den Rücken kehrten. Weil der Tag noch jung war und das gebuchte Vier-Bett-Zimmer im "City Hostel" in Genf auch noch bis abends warten konnte, schoben wir spontan einen mehrstündigen Aufenthalt in Lausanne ein. Extrem starker Niederschlag versauerte uns diese Idee jedoch und wir hatten zwar viel von der am Hang gelegenen Stadt gesehen, als wir am späten Nachmittag die letzte Etappe nach Genf nahmen. Sicher war jedoch, dass Lausanne bei Sonnenschein eine weitaus bessere Figur gemacht hätte.
Nach der Nacht in Genf wurde das Wetter wieder deutlich besser. Im Schein der Morgensonne frühstückten wir am See, um uns danach im Bahnhof um die Reservierungen unserer nächsten Züge zu kümmern. Aus verschiedenen Gründen zog sich letzteres aber bis mittags hin und verlangte sogar die Neuordnung all unserer Pläne für die nächsten 5 Tage. So blieben uns für die Erkundung der wunderschönen Stadt am Genfer See nur noch wenige Stunden, bevor wir am späten Nachmittag über Lyon nach Marseille weiterreisten.
Die französische Stadt Marseille stellte einen schmerzlichen Kontrast zur romantischen und vor allem gepflegten Stadt Genf dar. Als Brennpunkt zwischen politischer Rechten und unzähligen Migranten, hielten sich auf den verschmutzten und vermüllten Straßen Marseilles unangenehm viele zwielichte Gestalten auf. Da wir hier keine Unterkunft vorgebucht hatten, aber zwei Nächte würden verbringen müssen, hielten wir uns einige Zeit mit der Suche nach einem Hotel auf: Aufgrund eines Fußballspiels waren alle Hostels und auch die allermeisten günstigen Hotels ausgebucht.
Ein nicht völlig unangenehmer, aber doch leicht bitterlicher Nachgeschmack blieb, als wir am Morgen des achten August über Narbonne, Perpignan und Port-Bou nach Barcelona fuhren. Bis zum Nachmittag des nächsten Tages hatte Barcelona bewiesen, dass die Schwächen Marseilles für die Hauptstadt Kataloniens kein Problem darstellten. Ganz im Gegenteil präsentierte sich Barcelona als künstlerisch, modern, traditionell, großstädtisch und dynamisch zugleich. Nur die große Masse an Touristen ließ ein wenig die Atmosphäre verloren gehen.
Nach nur einer Nacht im "Sant Jordi" Hostel verließen wir Barcelona also wieder mit einem vorbildlich schnellen und komfortablen Zug nach Sevilla. Obwohl wir dort erst abends ankamen, empfing uns eine trockene Hitze von unglaublichen 40 Grad Celsius. Der Abend wurde noch für einen Rundgang durch die Stadt genutzt. Nach einer Nacht im 8-Bett-Zimmer des "Samay" Hostels fanden wir aber erst richtig Ruhe und Zeit, diese typisch spanisch-andalusische Stadt, deren Stil bisweilen an die Atmosphäre Mittelamerikas erinnert, gründlich zu besichtigen.
Den Verlauf der zweiten Hälfte unserer Tour beschreibe ich in einem weiteren Artikel!
Zwischen Mainz und Köln fährt seit Anfang des Jahres
2010 die Mittelrheinbahn (MRB) [1]. Diese
Strecke legt der in Gelbtönen gehaltene Zug in ca.
dreieinhalb Stunden entlang des Rheins zurück. Das
Besondere an der Mittelrheinbahn ist, dass sie von dem
privaten Unternehmen trans regio unterhalten wird, das
sogar eigene Fahrkartenautomaten an den Bahnhöfen
aufgestellt hat. Die Strecke von Mainz nach Köln
führt allerdings durch drei unterschiedliche
Verkehrsbundgebiete: RNN, VRM und VRS.
Das hat zur Folge, dass - trotz der speziellen
Fahrkartenautomaten - keine Möglichkeit besteht, den
Tarif von Verkehrsbund übergreifenden Strecken zu
ermitteln. Will ich beispielsweise von Mainz nach
Koblenz, kann mir keine der Verkehrsbund-Webseiten
(RNN, VRM oder VRS) eine Auskunft darüber geben, was
ich auf dieser Strecke bezahlen muss. Die Webseite der
Deutschen Bahn scheint besser informiert: 17,10 Euro
verlangt man dort für diese Nahverkehrsstrecke - ganz
schön happig!
In meinem Fall ging es um die Strecke von Mainz nach Bonn. Wieder wusste nur die Webseite der DB Bescheid: Eine Fahrt mit der MRB sollte hier 26,30 Euro kosten. Eine Recherche nach den Kosten für die einzelnen Teilstrecken ergab:
Mit RNN von Mainz nach Bacharach: 7,80
Euro
Mit VRM von Oberwesel nach Rolandseck: 14,30 Euro
Mit VRS von Bonn-Mehlem nach Bonn: 2,40 Euro
Die einzelnen Tickets aus den Zuständigkeitsbereichen der einzelnen Verkehrsbünde kosteten also zusammen 24,50 Euro. Das konnte ich mir immerhin noch damit erklären, dass damit ja jeweils die Übergangsgebiete nicht inbegriffen waren. Aber dass ich für die ca. 140 Kilometer zwischen Bonn und Mainz doppelt so viel zahlen sollte wie für die 140 Kilometer zwischen Fulda und Mainz, die im RMV-Gebiet regulär 13,35 Euro kosten, wollte mir nicht einleuchten.
Eine Anfrage beim Kundenservice von trans regio ergab,
dass die billigere Variante das Rheinland-Pfalz-Ticket
sei, dass tatsächlich einen Gültigkeitsbereich von
Mainz bis Bonn habe und für eine einzelne Person nur
20 Euro koste [2]. Der Preis erschien mir
wiederum angemessen angesichts der Tatsache, dass damit
einen ganzen Tag lang Fahrten in ganz Rheinland-Pfalz
abgedeckt waren. Aber im Endeffekt war auch das
immernoch teurer als die Strecke von Fulda nach Mainz.
Unglaublicherweise braucht die Mittelrheinbahn
übrigens für jene Strecke von Mainz nach Bonn drei
Stunden, während man in gut zwei Stunden mit dem
öffentlichen Nahverkehr von Fulda nach Mainz gelangt.
Dabei muss man im Gegensatz zur Fahrt mit der
Mittelrheinbahn sogar noch umsteigen!
Tatsache bleibt aber, dass durch den Geheimtipp
"Rheinland-Pfalz-Ticket" die Kosten auf Strecken, die
die Mittelrheinbahn enthalten, reduziert werden
können. So will die Bahn etwa zwischen Mainz und Köln
im Nahverkehr 30 Euro. Nimmt man aber das
Rheinland-Pfalz-Ticket bis Bonn und löst danach ein
Ticket bis Köln, bezahlt man nur 26,60 Euro.
Noch unverschämter ist dagegen der Preis für die
Verbindung zwischen Fulda und Bonn mit
Nahverkehrsmitteln: Die Webseite der DB veranschlagt
für diese Route 41,90 Euro. Mit dem
Rheinland-Pfalz-Ticket und der Einzelfahrt von Fulda
nach Mainz fallen aber nur 33,35 Euro an.
Schließlich bleiben die Tarife der Bahn aber
verbindlich für alle BahnCard-Besitzer: Auf das
Rheinland-Pfalz-Ticket gibt es für die nämlich keine
Vergünstigungen.
Außerdem bin ich nach dieser ausführlichen Recherche
zu dem Schluss gekommen, dass die MRB für längere
Strecken einfach überhaupt nicht geeignet ist - dafür
ist sie zu langsam und zu teuer. Von Mainz nach Köln
kommt man (ohne Umsteigen) schließlich auch mit dem IC
und das kostet dann zwar 36 Euro, aber dafür sitzt man
auch nur die Hälfte der Zeit im Zug - nämlich 100
statt 200 Minuten. Und wer die goldene Mitte sucht,
fährt alternativ für reguläre 30 Euro mit zwei REs
von Mainz nach Köln in 150 Minuten.
Eckdaten und
Besonderheiten
Als im Sommer 2009 eine Gruppe chinesischer Schüler
aus Ningbo die Rabanus-Maurus-Schule Fulda besuchte,
musste ich leider ablehnen einem dieser Schüler in
meinem Heim eine Unterkunft zu bieten. Inzwischen weiß
ich, dass genug Austauschpartner vorhanden waren,
sodass meine Kapazität ohnehin nicht benötigt worden
wäre.
Nicht jeder Deutsche, der damals einen Gast aufgenommen
hatte, wollte allerdings am diesjährigen Gegenbesuch
teilnehmen. Mancheiner hatte nicht genug Geld, andere
waren zu jung und vielleicht hatte auch jemand Angst
vor dem unbekannten fernen Land. Jedenfalls konnten ich
und einige andere am Gegenbesuch teilnehmen, obwohl sie
in die Aktivitäten im Sommer 2009 noch nicht
involviert gewesen waren.
Der Gegenbesuch erstreckte sich über 17 Tage vom 27. März bis 12. April 2010. Bis zum Morgen des 3. Aprils hielten wir uns in Gastfamilien in Ningbo auf; daran schloss sich eine Rundreise durch Suzhou, Hangzhou, Shanghai, Wuhan (Yichang) und Beijing an.
Die Partnerschule hieß Huamao Foreign Languages School. "Huamao" bezieht sich dabei auf den Namen eines großen Unternehmens, das mehrere Privatschulen in China unterhält und daneben auch Schulutensilien produziert. "Foreign Languages" ist übertrieben: In der Praxis lernt dort niemand mehr als Chinesisch und Englisch. Lediglich eine koreanische Minderheit lernt Koreanisch und es gibt wohl auch für irgendwelche Auserwählten, die mir unbekannt geblieben sind, die Möglichkeit, andere Sprachen zu erlernen. Faktisch sieht das Schulsystem in China aber keine individuelle Förderung vor: Frontalunterricht mit Multiple-Choice-Tests bis zum zwölften Schuljahr.
Bei der Huamao Foreign Languages School handelt es sich um ein Internat, in dem die Schüler montags bis samstags von 6.50 bis 21 Uhr, unterbrochen durch zwei Essenspausen, die Schulbank drücken müssen. In einem Klassenraum sitzen bis zu 50 Schüler, die Geschlechter scheinen einigermaßen gleichmäßig verteilt zu sein.
Unsere Austauschpartner waren also ausnahmslos Internatsschüler, deren Eltern bisweilen ziemlich weit weg wohnten. Für die Zeit des Austauschs zogen die Schüler mit uns zu ihren Eltern oder zu Verwandten, die in der Nähe der Schule wohnten. Wenige Chinesen logierten sogar für die Zeit des Austauschs mit ihren deutschen Gästen in Hotels.
Die Rundreise war vielfältig. Suzhou, Hangzhou und Shanghai in südlicher Küstengegend wurden kontrastiert von Wuhan und Yichang am Jangtse im chinesischen Inland. Die große Distanz wurde per Nachtzug überwunden. Von Wuhan brachte uns anschließend ein Flugzeug in die nördliche Hauptstadt Beijing.
Der Transfer zwischen Deutschland und China ging natürlich via Fluglinie zwischen Frankfurt und Shanghai vonstatten. Es handelte sich um Direktflüge - in die Hinrichtung 10, zurück 12 Flugstunden. Vor den Rückflug war allerdings noch ein Inlandsflug von Beijing nach Shanghai vorgeschaltet, der aufgrund ungünstiger Wetterlage ungewöhnliche viereinhalb Stunden in Anspruch nahm.
Gegenüberstellung der gewonnenen Eindrücke
Das war nun also bereits meine dritte Reise nach China. Nach einem Kurzurlaub (2007) [1] hatte ich bereits 2008 an einem Schüleraustausch unter ähnlichen Bedingungen mit der Fengfan Middle School in Hangzhou [2] teilgenommen. Da alle drei Aufenthalte verhältnismäßig kurz waren (zwischen 9 und 17 Tagen) und sich an teilweise unterschiedlichen Orten abspielten, ist es nicht verwunderlich, dass ich jedesmal neue Eindrücke von China erhielt. Es erscheint sinnvoll, die gemachten Erfahrungen zusammenzutragen und miteinander zu vergleichen.
Das Wetter in den Regionen Chinas, die wir auf unseren
Reiserouten besuchten, unterschied sich im Frühling
kaum vom deutschen Wetter. Nur der Kurzurlaub (2007)
fand im Juni statt und war von sehr hohen Temperaturen
geprägt. Besonders vom jüngsten Austausch mit Ningbo
ist mir der Eindruck von einem eher kühlen, selten
regnerischen aber oft windigen Klima in Erinnerung
geblieben. Auffällig dabei ist, dass chinesische
Wohnungen und Innenräume im Allgemeinen (z.B.
Schulgebäude) bei diesen frischen Wetterverhältnissen
nicht beheizt werden. Man öffnet sogar absichtlich die
Fenster, sodass sich die Zimmertemperatur nicht von der
Außentemperatur unterscheidet. Die Jacken werden
entsprechend nicht mal am Esstisch ausgezogen.
Diese Erfahrung stach besonders beim jüngsten
Aufenthalt heraus - da stellte sich die mitgebrachte
Kleidung nämlich bei mir und anderen Teilnehmern
ziemlich schnell als zu dünn heraus, was sich in
zahlreichen Erkältungen und sogar grippalen Infekten
niederschlug.
Der Unterschied zwischen dem Shanghaier und dem
Beijinger Klima fiel jetzt im Frühling eher gering
aus. Überall in China war der Himmel bei jeder
Wetterlage von einem grauen Schleier bedeckt, der den
Himmel nie richtig blau werden und mögliche
Wolkengebilde grundsätzlich zu einem grauen
Einheitsbrei verschwimmen ließ.
Über das Essen lässt sich generell sagen, dass es dort eher gemäßigt und für den europäischen Gaumen moderat ausfiel, wo wir mit Reisegruppen in Restaurants speisten. Dabei kam auch wenig Vielfalt auf. Das Essen, mit dem man in den Gastfamilien konfrontiert wurde, war um einiges kurioser, variabler, aber wohl auch eher getreu den tatsächlichen chinesischen Essgewohnheiten. Besonders köstlich kann der durchschnittliche Europäer das typische Essen der Chinesen wohl nicht finden, die abgeschwächte Version der "Touristenrestaurants" hat wohl ihre Berechtigung. Es ist aber trotzdem sinnvoll, die ungewöhnlichen Essgewohnheiten der Chinesen einmal unverfälscht kennenzulernen.
Der chinesische Verkehr stellte sich ununterbrochen als erschreckend chaotisch heraus. Die kuriosesten Erscheinungen von Eselkarren auf Hauptstraßen und Fahrrädern mit meterhoch beladenen Anhängern konnte ich eigenartigerweise bei meinem jüngsten Aufenthalt nur noch selten beobachten. Da hatte meine erste Reise nach China einen anderen Eindruck hinterlassen. Unverändert ist aber der generell recht hohe Anteil an Fahrrädern, insbesondere elektrischen Fahrrädern. Allerdings habe ich von meinem Austauschpartner erfahren, dass das Fahrrad als Verkehrsmittel trotzdem eher unbeliebt ist und nur verwendet wird, falls nicht genug Geld für ein Auto da ist - angesichts der niedrigen Gehälter in China befinden sich aber offensichtlich unzählige Menschen in dieser Lage.
An was für Reiseleiter man auf einem begleiteten Trip
durch China gerät, ist anscheinend völliger Zufall.
Bei der Reise mit DERTours von 2007 hatte eine sehr
sympathische und kompetente Dame durch Beijing
geführt, die Reiseleitung in Shanghai hatte dagegen
keinen besonders guten Eindruck hinterlassen. Die
Touren im Rahmen der Schüleraustausche hinterließen
ein ähnlich ambivalentes Bild.
Von einer Dolmetscherin, die uns in Ningbo begleitete,
wurde schließlich sogar bekannt, dass sie keine
übliche Übersetzer-Qualifikation (akademische
Ausbildung etc.) für die deutsche Sprache hatte. Als
entsprechend unzureichend hatten sich auch ihre
Deutschkenntnisse herausgestellt.
Auf der jüngsten Reise wurden einige Dinge klargestellt, die vorher nur zu erahnen gewesen waren. So erfuhr ich aus erster Hand von einem chinesischen Schüler, dass die verqueren Programme der Regierung durchaus auf inoffizielle Kritik im Volksmund stoßen, obwohl vieles in den Medien effektiv verharmlost wird. So erfuhr ich, dass Gebäude bisweilen absichtliche in marodem Zustand errichtet werden, um nach zwanzig Jahren wieder abgerissen zu werden. Die Devise lautet nicht nur hier: Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. 1.3 Milliarden Menschen in einer zunehmend urbanisierten Gesellschaft brauchen Arbeitsplätze. Da verwundert es auch nicht, dass Straßenfeger nicht nur in den Städten, sondern auch auf Landstraßen oder sogar Autobahnen eingesetzt werden. Es gibt auch Personal, dass auf öffentlichen Plätzen die Treppengeländer putzt und in Restaurants und Hotels sind bisweilen 3-4 Menschen alleine dafür eingeplant, die Eingangstür zu öffnen und hereintretende Gäste zu begrüßen.
Darüber hinaus konnte ich diesmal die Internetzensur deutlich spüren: Seit 2009 sind YouTube und Facebook von China aus nicht mehr erreichbar. Diese Sperre lässt sich auch nicht mithilfe (unverschlüsselter) Proxys umgehen. Ebenfalls gesperrt sind Vimeo und MyVideo. Google ist nicht gesperrt, sondern leitet auf Google Hongkong um, anstatt die eigentliche chinesische Seite (google.cn) anzuzeigen.
Ein deutscher Schüler war beim diesjährigen Austausch sogar ein Techtelmechtel mit einer chinesischen Schülerin eingegangen. Als die chinesischen Lehrer Wind davon bekamen, setzte man die beiden Jugendlichen unter enormen psychischen Druck. Die Sache wurde zum Glück allerdings erst am letzten Tag des Austauschs bekannt und zog keine weiteren Konsequenzen nach sich. Lediglich der deutsche Schüler hatte die Vermutung, dass man seiner chinesischen Freundin das Handy weggenommen hatte, um den SMS-Verkehr zwischen den beiden zu unterbinden.
Zuletzt ist bemerkenswert, dass sich mein Eindruck von der chinesischen Sprache auffällig verändert hat. Obwohl ich schon seit 2007 an keinem Sprachkurs mehr teilnehme, hat sich mein Verständnis für diese Sprache sogar verbessert. Alleine durch die Konfrontation mit dem Chinesischen hat sich inzwischen ein gewisses Gefühl für diese Sprache entwickelt. Hielt ich die chinesische Sprache anfangs noch für geradezu unerlernbar, denke ich inzwischen, dass der gesprochene, grammatische und lexikalische Teil der Sprache nicht so große Probleme aufwirft, wie man vermuten würde. Lediglich das Erlernen der chinesischen Schrift halte ich nach wie vor für eine sehr mühsame Angelegenheit.
Schließlich noch immer nicht genug gesehen
Als ich mich dazu entschlossen hatte, ein drittes Mal nach China zu reisen, wurde ich von allen Seiten gefragt, ob sich da nicht nur alles wiederholen werde, was ich bereits erlebt hatte. Ich war von Anfang an davon überzeugt, dass das nichtmal der Fall gewesen wäre, wenn wir dieselben Orte erneut angefahren hätten. Tatsächlich sind meine Eindrücke vom Land der Mitte um unzählige Details erweitert worden. Was bereits bekannt war, empfand ich nur selten als langweilig, sondern ich konzentrierte mich dort einfach auf andere Dinge und konnte so vieles entdecken, dass mir vorher in der Flut der Eindrücke entgangen war.
In China gibt es dermaßen fremde Kulturen, die sich zusätzlich gerade heute in einem unheimlich schnellen Wandel befinden, dass man auch nach mehreren Aufenthalten in China kaum behaupten kann, "alles gesehen" zu haben. Die Eindrücke, die ich im Mittelteil dieses Artikels beschrieben habe, sind nur exemplarisch ausgewählt. Unzähliges musste ich verschweigen, um den Rahmen nicht zu sprengen.
Gerade die jüngste Reise nach China war nicht unwesentlich auch von vielen negativen oder zumindest unangenehmen Erfahrungen überschattet. Doch das Bild von einem dermaßen fremden und auch zwiespältigen Land wie China kann nicht ohne Widersprüche und Schocks komplettiert werden.
Ich bin sicher, dass ich eine weitere Gelegenheit für einen Besuch in China nicht unüberlegt verwerfen würde. Mein Eindruck scheint mir noch immer unvollständig und mein Interesse für dieses Land wächst mit jedem Besuch, obwohl meine Abneigung in vielerlei Hinsicht immer größer wird.
[1] tovotu.de/archiv/163-Mei...e-Bildungsreise-nach-China
[2] tovotu.de/archiv/288-Mal-wieder-im-Land-der-Mitte

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