Ein bewegender Film im französischen Stil

Wer schon mal einen der klassischen französischen Filme à la "Die fabelhafte Welt der Amélie" ("Le fabuleux destin d'Amélie Poulain", 2001) oder "Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss" ("La vie est un long fleuve tranquille", 1988) gesehen hat, der weiß wovon ich rede, wenn ich den französischen "Filmstil" nenne: Die einen bezeichnen es als totalen Kitsch und verwirrendes Durcheinander, die anderen sehen in den französischen Filmen Kunstwerke. Ich vertrete keines dieser Extreme: viel an diesen Filmen regt zum Nachdenken an und gewöhnlich ist die Story auch sehr mitreißend rübergebracht. Aber häufig lässt sich nicht leugnen, dass der Verlauf der Filme teilweise doch sehr unübersichtlich ist oder dass bisweilen der Kitsch zum Gähnen anregt.

"Die Kinder des Monsieur Mathieu" ("Les Choristes", 2004) [1] ist ein Beispiel für eine Produktion unseres Nachbarlandes (übrigens in Kooperation mit Deutschland), das die zuletztgenannten Kinderprobleme sichtlich überwunden hat: verwirrend ist die Geschichte nicht im geringsten und Kitsch kommt angesichts des vernachlässigten Themas Liebe auch nicht auf.

Nominiert für zwei Oscars und jede Menge andere Auzeichnungen erhielt er schließlich "nur" den europäischen Filmpreis. Den aber, meiner Meinung nach, zurecht für die wirklich faszinierende Filmmusik. Auf den Film kam ich schlichtweg dadurch, dass wir ihn im Schulunterricht französisch vor kurzem behandelten. Wer Interesse an dem Film hat kann auf Wikipedia die komplette Handlung nachlesen [2].

Schon die Idee von dem optimistisch-ehrgeizigen Monsieur Mathieu, der die verzogenen Jungen eines Internats mithilfe der Musik zähmt, gefiel mir. Als ich den Film dann in voller Länge gesehen hatte, war ich richtig mitgenommen von diesem Feuerwerk der Gefühle: da war auf der einen Seite der assoziale Schulleiter, der die Pläne Mathieus nach Strich und Faden durchkreuzen wollte und die Kinder lieber verprügelte, als sich Gedanken über wirksamere pädagogische Maßnahmen zu machen, und auf der anderen Seite schien sich für den Erzieher und seine Jungs alles zum Guten zu wenden. Zuletzt aber kam die niederschlagende Wendung für den sympathischen Monsieur Mathieu: die Dame, in die er sich verliebt hatte (kein Sorge: diese Sache wird nicht übertrieben - kein Kitsch, wie gesagt), findet einen anderen und als der Durchbruch des Knabenchors kurz bevorsteht, wird er selbst seines Aufseherjobs enthoben, sodass auch die Karriere des jungen Morhanges ein dramatisches Ende gefunden zu haben scheint. Kann ich nur weiterempfehlen, diesen Film - zumal er mich mal wieder daran erinnert hat, wie lohnend der Versuch, einmal mehr das Gute in einem Menschen zu sehen, sein kann.

  1. imdb.com/title/tt0372824
  2. de.wikipedia.org/wi..._des_Monsieur_Mathieu
21. März 2007 - Tags: Filme