Eine überraschend einfache hinreichende Bedingung für algebraische Abgeschlossenheit
Die folgende Aussage findet sich in vielen Lehrbüchern zur Algebra als Aufgabenstellung zum Thema algebraische Körpererweiterungen. Einen Beweis findet man allerdings selten.
Sei eine algebraische Körpererweiterung. ist genau dann ein algebraischer Abschluss von , wenn jedes nichtkonstante Polynom aus eine Nullstelle in hat.
Beweis: Die eine Beweisrichtung ist nach Definition eines algebraischen Abschlusses offensichtlich trivial. Zur Rückrichtung: Wir zeigen zunächst, dass jedes Polynom mit Koeffizienten in über in Linearfaktoren zerfällt. Sei also irreduzibel.
Fall 1: Ist separabel, so ist der Zerfällungskörper von nach dem Satz vom primitiven Element einfach über , d.h. für ein . Das Minimalpolynom von über enthält in nach Voraussetzung eine Nullstelle, etwa . Aufgrund der Normalität von folgt . Also zerfällt über in Linearfaktoren.
Fall 2: Falls nicht separabel ist, gilt und es gibt mit separabel und für eine -Potenz . zerfällt nach Fall 1 über in Linearfaktoren und es gibt einen Zerfällungskörper von über mit . Ist das Minimalpolynom von über , dann hat nach Voraussetzung eine Nullstelle in , also . Für jede Nullstelle von in einem Zerfällungskörper von ist Nullstelle von , also . Sei dementsprechend , sodass . Elemente aus haben nach Voraussetzung eine -te Wurzel in , insbesondere gibt es nach Eigenschaft des Frobeniushomomorphismus' ein Polynom mit . Da der Frobeniushomomorphismus als Morphismus von Körpern injektiv ist, folgt .
ist also eine normale Erweiterung. Aus der Voraussetzung folgt jetzt, dass jedes Polynom aus über in Linearfaktoren zerfällt. Jedes zerfällt dann aber auch schon über in Linearfaktoren mit folgender Überlegung: Ist eine Nullstelle von in einem Zerfällungskörper von über , dann ist algebraisch über und das Minimalpolynom von in zerfällt über in Linearfaktoren. Damit muss bereits in enthalten sein. Also zerfällt über in Linearfaktoren.
Der Beweis kommt überraschenderweise mit verhältnismäßig einfachen Mitteln aus. Der Fall nicht separabler Polynome macht sogar den Eindruck, als biete er großes Kürzungspotenzial.
Das eigentlich Verblüffende an dem bewiesenen Satz ist, dass die gern zitierte iterative Konstruktionsmethode für einen algebraischen Abschluss nach Emil Artin tatsächlich schon nach einem Konstruktionsschritt abbricht.