30. April 2008, 18:36 Uhr

Literarische Sprachspiele mit Buchstaben

So ist das oft: da läuft was ab, das nur dank dir läuft, doch dann trixt man dich aus, hängt dich ab, macht sich dünn, und du bist völlig ahnungslos und schaust alt aus.

Was fällt an diesem Satz auf? Unweigerlich bemerkt man, dass er etwas gestelzt geschrieben wurde und der Autor irgendeine bestimmte Absicht dabei verfolgte. Aber was genau, da kommt man nicht auf den ersten Blick dahinter. Dabei fehlt hier die in der deutschen Sprache am häufigsten vorkommende Sache: der Buchstabe "e"! Tatsächlich handelt es sich um einen Ausschnitt aus dem lipogrammatischen Roman "Knall und Fall in Lyon" von Eugen Helmlé, in dem kein einziges Mal der Buchstabe "e" verwendet wurde.

Solche literarischen Sprachspiele, bei denen bewusst die Wörter vermieden werden, die einen oder mehrere bestimmte Buchstaben verwenden, nennt man "Leipogramme" oder "Lipogramme". Die Idee dazu ist nicht besonders jung. Schon in der Antike bei den alten Griechen tauchten die ersten Lipogramme auf. Tatsächlich gibt es aber kaum bekannte Werke dieser Art. Sicherlich zu den bekanntesten gehört "La disparition" von Georges Perec. Dieser französische Schriftsteller verzichtete in seinem Roman auf den im Französischen extrem häufig vorkommenden Vokal "e". Zu diesem Buch existieren auch Übersetzungen in andere Sprachen, wobei die Übersetzer den in ihrer Sprache jeweils am häufigsten vorkommenden Buchstaben ausließen (im Deutschen, Schwedischen und Englischen "e", im Spanischen "a").

Vogel Quax zwickt Johnys Pferd Bim.

Was jedoch ist das? Konntest Du einen ausgelassenen Buchstaben finden? Genau hier liegt die Besonderheit! Dieser Satz beinhaltet sämtliche Buchstaben des deutschen Alphabets. Vor allem der englische Satz "The quick brown fox jumps over the lazy dog" ist sehr bekannt: Er wird oft als Beispiel verwendet, um das Schriftbild verschiedener Schriftarten am Computer effizient miteinander vergleichen zu können. Solche Sätze, in denen alle Buchstaben des Alphabets auftauchen, nennt man "Pangramme" oder "holoalphabetische Sätze".

Ein Wort, in dem jeder verwendete Buchstabe gleich oft vorkommt, nennt man "Isogramm". Unter den besonders langen Schöpfungen finden sich hier allerdings vor allem Fantasie-Begriffe wie "Heizölrückstoßabdämpfung". Dagegen werden kürzere Isogramme wie "Dialektforschung" und "Polschraubzwinge" tatsächlich gebraucht. Im Chinesischen gibt es gar ein tausende von Zeichen umfassendes Werk, in dem sich kein einziges Zeichen wiederholt.



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