tovotu

20. November 2007
Ja, Schraubenzieher ist nicht falsch

Als konsequenter Verschmäher jeglicher alkoholhaltiger Getränke fühlte ich mich jüngst dazu berufen, einer entsprechenden Gruppe im SchuelerVZ beizutreten. Das Stichwort "Alkohol" ergab unter den unzähligen Gruppen erstmal eine unüberschaubar große Anzahl von Pro-Alkoholiker-Gruppen, die mit angesagten Sprüchen wie "Ich kann auch ohne Spaß Alkohol haben" und "Bier ist Ursache und Lösung aller Probleme" aufwarteten. Daneben fanden sich auch vereinzelt Gruppen, in denen man sich offensichtlich gegen diese Droge aussprach. Die meistbesuchte, der ich dann auch beitrat, trug den Titel "JA, ich trinke wirklich keinen Alkohol".

Nein, dieser Beitrag behandelt nicht - mal wieder - das überstrapazierte Thema Alkohol, sondern es geht um deutsche Grammatik. Nicht gleich wegklicken! Vielleicht wird es ja doch auch für dich ein bisschen interessant.

Besagter Titel "JA, ich trinke wirklich keinen Alkohol" gefiel mir nach mehrmaligem Durchlesen nicht mehr und ich wusste nicht, was damit nicht stimmte. Nach reiflicher Überlegung fiel mir auf, dass es sich wohl um die Antwort auf eine negative Frage handeln müsse, die in der deutschen Sprache nach aller Logik nur mit "Nein" oder "Doch" beantwortet werden kann. Das "JA" war scheinbar fehl am Platz und das bestätigte mir auch eine kurzerhand über Google gefundene Seite über deutsche Grammatik.[1][2] Wikipedia sieht das, am Rande bemerkt, nicht so. (Anm. vom 08.03.2012: Das hat sich inzwischen geändert.) Zuletzt kam ich zu dem Schluss, dass ich den Titel wohl doch besser nicht anzweifeln sollte - das mulmige Gefühl im Magen aber blieb.

Ein weiteres Phänomen der deutschen Sprache traf ich in einem TR-Blog-Artikel an. Man pekierte sich über den sinnlosen Kampf zwischen Schraubenziehern und Schraubendrehern - oder eher den Kampf zwischen den auf den einen und den auf den anderen Begriff bestehenden Leuten.

Was man landläufig unter Schraubenzieher versteht, ziehe tatsächlich nicht wirklich irgendwelche Schrauben, sondern sei mehr ein Werkzeug zum Drehen derselben, sagen die einen. Die anderen sehen in diesem Widerspruch kein Problem: Es verstehe ja jeder, was gemeint ist. Der 'Schraubendreher' habe außerdem stilistisch eine besserwisserische Note. Das Thema begegnete mir wieder in der Schule, als mich jemand nach dem Sinn des Begriffs 'Amperemeter' fragte. Daraufhin wies ich auf den beschriebenen Konflikt hin.

JA, ich bin nicht zu dem Schluss gekommen, es gäbe keine Bedenken, dass dieser Ausdruck nicht eine Unwahrheit über die tatsächliche Funktion des entsprechenden Geräts verunglimpfen könnte.

  1. canoo.net/services/...nchor-Verneinte-47857
  2. canoo.net/blog/2007...-auf-verneinte-fragen

Kommentare

Neue Kommentare zu diesem Artikel bitte per Mail an kommentare-241(at)tovotu.de!