tovotu

17. August 2008, 14:39 Uhr
Experten empfehlen: Wasser marsch!

Als ich vor über 12 Jahren im Kindergarten mit Holzbauklötzen hantierte, galt Wasser noch als wertvolles Gut, mit dem sparsam umzugehen war. Ich erinnere mich an eine kindgerechte Bildergeschichte: Ein Wassertropfen mit extrem menschlichen Zügen in der Hauptrolle beschrieb seinen Weg vom Grundwasser über Wasserleitungen in die Haushalte, wo verschwenderische Menschen ihn zusammen mit unzähligen anderen Tropfen einfach in halb genutztem Zustand wieder ins dreckige Abwasser schleusten. Die Moral bestand darin, das Wasser doch bitte ein wenig effizienter zu benutzen: So könne Wasser, das zum Abwasch von Gemüse verwendet wurde, problemlos aufgefangen und dem Blumengießen im heimischen Garten dienen.
Was ist von diesen Idealen übrig geblieben? Ich für meinen Teil gehöre zu denen, die ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie den Wasserhahn mal zu lange laufen gelassen haben - immerhin lautete in Kinderzeiten die Devise noch: den Hahn nach Benutzung immer sorgfältig zudrehen, dass er nicht unnötig tropfe.

Alles falsche Scham und sogar folgenreiches Fehlverhalten, sagen Experten.[1] Während zu meinen Kinderzeiten überall hysterisch Wassersparen gepredigt wurde, erwarteten die Behörden gleichzeitig einen starken Anstieg des Wasserbrauchs in den nächsten Jahren. Dieser Prognose folgten auch sogleich Taten: Rohrsysteme und Wasserversorgungsanlagen wurden vergrößert und ausgebaut. Heute ist Deutschland eins der Länder mit dem niedrigsten Prokopf-Wasserverbrauch in Europa. Der Wasserverbrauch in den Haushalten der Bundesrepublik ist entgegen allen Erwartungen auf den niedrigsten Stand seit über 30 Jahren gesunken. Die so völlig überdimensionierte Wasserversorgung wird also gar nicht genutzt und nimmt dadurch sogar erheblichen Schaden. Steht das Wasser zu lange in den riesigen Wasserrohren, kommt es zu Korrosion: Die Rohre lösen sich praktisch im Wasser auf, gehen dadurch kaputt und verseuchen gleichzeitig das Wasser mit giftigen Schwermetallen. Außerdem breiten sich Mikroben in langsam fließendem Wasser viel schneller aus und bedrohen so die Trinkbarkeit des deutschen Leitungswassers. Wenn schmutziges Abwasser in den Leitungen zu lange fault, kommt es zur Bildung von Schwefelwasserstoff, was nicht nur fürchterlich stinkt, sondern auch die Kanalisation beschädigt.

In Regionen, in denen früher ein versiegen des Grundwasserspiegels gefürchtet wurde, klagen die Einwohner über nasse Keller: der Grundwasserspiegel ist schlicht zu stark gestiegen! So hat sich in Nauheim nahe Frankfurt sogar eine Bürgerinitiative für einen höheren Wasserverbrauch zur Regulierung des Grundwasserspiegels gegründet. Als weitere Folge der "Sparwut" lassen sich die steigenden Kosten nennen. Die Kosten für die Wasserversorgung bleiben recht hoch, während immer weniger Abnehmer da sind, um diese Kosten zu decken.

Wie so oft ist das eben beschriebene Umdenken allerdings mit Vorsicht zu genießen. Während wir zwar zur Nutzung von mehr Wasser aufgefordert werden, wird vor überhöhter Energieentwertung im Sinne des Klimawandels gewarnt. Empfehlenswert bleibt so beispielsweise, statt des teuren Mineralwassers aus dem Getränkemarkt auf das in Deutschland sehr saubere Leitungswasser zurückzugreifen. Jeden Tag ein Bad zu nehmen bleibt allerdings nach wie vor bedenklich: Der Wasservebrauch dabei ist zwar nicht das Problem, sobald das Wasser jedoch eine angenehme Temperatur haben soll, fördert dieses Verhalten gleichzeitig den Energiebedarf und Energiegewinnung ist heute zu einer umso kritischeren Angelegenheit geworden.

  1. is-kassel.org/unser...2005/wassersparen.htm

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