tovotu

6. Dezember 2009
Der txtr-Skandal: Reader kommt ohne WLAN

Noch im Oktober 2009 stellte die deutsche Firma txtr ein neues mobiles Ebook-Lesegerät vor: den txtr Reader. Ab dem 1. Dezember sollte er mit Bluetooth, WLAN und EDGE für 319 Euro über die Webseite bestellt werden können.

Am 30. November wurde diese Ankündigung noch auf den letzten Drücker verändert. Jetzt sollte das Gerät doch nur 299 Euro kosten und dafür kein WLAN mitbringen.
Viele Kunden, die sich gerade darauf gefreut hatten, sich morgens eine Tageszeitung auf ihren Reader laden zu können, ohne den Computer anschmeißen zu müssen, waren enttäuscht. Das sollte jetzt nämlich nur noch über EDGE möglich sein. Aber EDGE ist vom Mobilfunknetz abhängig und (nicht nur) in ländlichen Gebieten ziemlich langsam. Außerdem bezahlt man im Ausland, wo eventuell das WLAN-Netz des Hotels die Verbindung ins Internet ermöglicht hätte, horrende Roaming-Gebühren für Mobilfunk.

Problematisch am fehlenden WLAN-Chip ist inzwischen aber eigentlich, dass niemand so recht versteht, wie es zu dieser Änderung kam. Man wartet noch immer vergeblich auf eine offizielle Stellungnahme, wie 20 Euro Preissenkung den Verlust eines so einzigartigen Features rechtfertigen können.

Ich habe inzwischen das Gefühl, dass txtr als junges Startup die Belastung in diesem kleinen Markt nicht zu bewältigen vermag. Natürlich können sie nicht offen über die Verhandlungen mit ihren Zulieferern reden. Wer weiß - vielleicht hat der Zulieferer der WLAN-Chips unmögliche Preise verlangt, die nicht mal den Preis von 319 Euro möglich gemacht hätten... Ich denke nicht, dass das Team von txtr diese Änderungen aus Spaß durchgeführt hat. Trotzdem scheint es fast so, als hielten manche Kunden diese Entscheidung für eine einzige Launenhaftigkeit oder gar eine böswillige Verschwörung gegen alle, die gerne WLAN auf ihrem txtr gehabt hätten.

Was auch immer es mit diesen Gerüchten und Anfeindungen auf sich hat. Die Gründe für einen txtr-Reader-Kauf sind noch immer: Es ist ein deutsches Produkt. Das Gerät ist in Software und Hardware Open Source. Portabilität und Displayqualität sind angeblich hervorragend.
Gegen den Kauf spricht speziell nur der hohe Preis. Generell spricht gegen den Kauf eines jeden Ebook-Lesegeräts in Deutschland aber eigentlich auch schon genug: Das deutsche Bücherangebot ist wirklich verschwindend und die Preise für die Bücher sind unerträglich hoch. Ich hoffe, man wird die Ebook-Branche mit der Zeit von diesen Fußfesseln befreien können, sonst sehe ich angesichts der ideologischen Voreingenommenheit vieler Leseratten kaum einen Markt für Ebooks.

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