20. Januar 2010
Satzzeichen in und um Klammern
Auch Deutschlehrerinnen und -lehrer (ich habe konkrete Personen im Kopf!) haben manchmal falsche (d. h. nicht regelkonforme) Vorstellungen von der deutschen Rechtschreibung: Sie scheinen (bisweilen jedenfalls) schlecht über die Regeln für die Zeichensetzung im Zusammenhang mit Klammern informiert zu sein. (Diese Angelegenheit mag banal und nebensächlich anmuten; ist sie aber gar nicht, wie man im folgenden Artikel lesen kann.)
Obenstehende Einführung in die Thematik dieses Artikels enthält bereits bewusst ungewöhnlich häufig Einklammerungen. Damit soll nicht demonstriert werden, wie man es nicht machen soll. Das Beispiel soll nur zeigen, was gemäß den amtlichen Regelungen der deutschen Rechtschreibung möglich und legitim wäre.
Einige der Klammern könnten freilich durch Kommata oder Gedankenstriche ersetzt werden. Aber die Paragraphen 86, 87 und 88 der amtlichen Regelung sprechen eine deutliche Sprache über die Verwendung von Klammern. Weil es mir in letzter Zeit drei verschiedene Lehrer (allesamt Deutschlehrer) als falsch anstrichen, wenn ich einen Satz wie den letzten in obenstehender Einführung einklammerte, hielt ich es für nötig, diese Streitfrage mal öffentlich darzulegen.
Diese Lehrer hielten es nämlich für falsch, den Punkt am Ende eines solchen eingeklammerten Satzes innerhalb der Klammern zu setzen. Entweder wollten sie den Punkt hinter der schließenden Klammer oder sie wollten sogar meine Einklammerung in den vorhergehenden Satz eingliedern, indem sie innerhalb der Klammer klein weiterschrieben und das Satzzeichen des vorangegangenen Satzes bis hinter die schließende Klammer verschoben.
Der ganze Aberwitz ärgerte mich, hatte ich doch so häufig schon solche eingeklammerten Sätze gesehen. Ein Blick in die amtliche Regelung enthüllte die Wahrheit: Laut Paragraph 87 "kann man neben einzelnen Ganzsätzen insbesondere auch größere Textteile einschließen", wobei die Satzzeichen innerhalb der Klammern gesetzt werden.
Bei Parenthesen, Nachträgen, Erläuterungen und Zusätzen werden Punkte nicht innerhalb der Klammer gesetzt - das sind normalerweise die Fälle, in denen auch ein gewöhnlicher Einschub mit Gedankenstrichen möglich gewesen wäre. Ausnahme bilden Fragezeichen und Ausrufezeichen: Die werden innerhalb der Klammern platziert.
Durch diese Regelung können übrigens auch solche ungewöhnlichen Konstrukte zustande kommen:
Das Ungeziefer macht den ganzen Garten kaputt (ist das wirklich der richtige Ausdruck?). (Über Ungeziefer gibt es übrigens ein interessantes Buch von F. Loh. Dieser Autor ist auch als Komponist des Flohwalzers bekannt (das ist aber sehr umstritten).) Wir müssen rechtzeitig (d. h. nicht erst in drei Wochen) reagieren!
Übrigens sei darauf hingewiesen, dass der Duden zwar einen äußerst umfangreichen und verständlichen Überblick über die Regeln der deutschen Rechtschreibung bietet. Er kostet aber Geld und ist nicht immer zur Hand. Außerdem ist es auch nicht der Verlag Duden, der die deutsche Rechtschreibung festlegt. (Manche Menschen scheinen das wirklich zu glauben.) Die "amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung" [1] wird zusammen mit einem umfangreichen Wörterverzeichnis vom "Rat für deutsche Rechtschreibung" herausgegeben und ist im Internet frei zugänglich!