tovotu

30. Juli 2010
Die geheimen Tarife der Mittelrheinbahn

Zwischen Mainz und Köln fährt seit Anfang des Jahres 2010 2008 (siehe Kommentare) die Mittelrheinbahn (MRB) [1]. Diese Strecke legt der in Gelbtönen gehaltene Zug in ca. dreieinhalb Stunden entlang des Rheins zurück. Das Besondere an der Mittelrheinbahn ist, dass sie von dem privaten Unternehmen trans regio unterhalten wird, das sogar eigene Fahrkartenautomaten an den Bahnhöfen aufgestellt hat. Die Strecke von Mainz nach Köln führt allerdings durch drei unterschiedliche Verkehrsbundgebiete: RNN, VRM und VRS.
Das hat zur Folge, dass - trotz der speziellen Fahrkartenautomaten - keine Möglichkeit besteht, den Tarif von Verkehrsbund übergreifenden Strecken zu ermitteln. Will ich beispielsweise von Mainz nach Koblenz, kann mir keine der Verkehrsbund-Webseiten (RNN, VRM oder VRS) eine Auskunft darüber geben, was ich auf dieser Strecke bezahlen muss. Die Webseite der Deutschen Bahn scheint besser informiert: 17,10 Euro verlangt man dort für diese Nahverkehrsstrecke - ganz schön happig!

In meinem Fall ging es um die Strecke von Mainz nach Bonn. Wieder wusste nur die Webseite der DB Bescheid: Eine Fahrt mit der MRB sollte hier 26,30 Euro kosten. Eine Recherche nach den Kosten für die einzelnen Teilstrecken ergab:

Mit RNN von Mainz nach Bacharach: 7,80 Euro
Mit VRM von Oberwesel nach Rolandseck: 14,30 Euro
Mit VRS von Bonn-Mehlem nach Bonn: 2,40 Euro

Die einzelnen Tickets aus den Zuständigkeitsbereichen der einzelnen Verkehrsbünde kosteten also zusammen 24,50 Euro. Das konnte ich mir immerhin noch damit erklären, dass damit ja jeweils die Übergangsgebiete nicht inbegriffen waren. Aber dass ich für die ca. 140 Kilometer zwischen Bonn und Mainz doppelt so viel zahlen sollte wie für die 140 Kilometer zwischen Fulda und Mainz, die im RMV-Gebiet regulär 13,35 Euro kosten, wollte mir nicht einleuchten.

Eine Anfrage beim Kundenservice von trans regio ergab, dass die billigere Variante das Rheinland-Pfalz-Ticket sei, dass tatsächlich einen Gültigkeitsbereich von Mainz bis Bonn habe und für eine einzelne Person nur 20 Euro koste [2]. Der Preis erschien mir wiederum angemessen angesichts der Tatsache, dass damit einen ganzen Tag lang Fahrten in ganz Rheinland-Pfalz abgedeckt waren. Aber im Endeffekt war auch das immernoch teurer als die Strecke von Fulda nach Mainz.
Unglaublicherweise braucht die Mittelrheinbahn übrigens für jene Strecke von Mainz nach Bonn drei Stunden, während man in gut zwei Stunden mit dem öffentlichen Nahverkehr von Fulda nach Mainz gelangt. Dabei muss man im Gegensatz zur Fahrt mit der Mittelrheinbahn sogar noch umsteigen!

Tatsache bleibt aber, dass durch den Geheimtipp "Rheinland-Pfalz-Ticket" die Kosten auf Strecken, die die Mittelrheinbahn enthalten, reduziert werden können. So will die Bahn etwa zwischen Mainz und Köln im Nahverkehr 30 Euro. Nimmt man aber das Rheinland-Pfalz-Ticket bis Bonn und löst danach ein Ticket bis Köln, bezahlt man nur 26,60 Euro.
Noch unverschämter ist dagegen der Preis für die Verbindung zwischen Fulda und Bonn mit Nahverkehrsmitteln: Die Webseite der DB veranschlagt für diese Route 41,90 Euro. Mit dem Rheinland-Pfalz-Ticket und der Einzelfahrt von Fulda nach Mainz fallen aber nur 33,35 Euro an.

Schließlich bleiben die Tarife der Bahn aber verbindlich für alle BahnCard-Besitzer: Auf das Rheinland-Pfalz-Ticket gibt es für die nämlich keine Vergünstigungen.
Außerdem bin ich nach dieser ausführlichen Recherche zu dem Schluss gekommen, dass die MRB für längere Strecken einfach überhaupt nicht geeignet ist - dafür ist sie zu langsam und zu teuer. Von Mainz nach Köln kommt man (ohne Umsteigen) schließlich auch mit dem IC und das kostet dann zwar 36 Euro, aber dafür sitzt man auch nur die Hälfte der Zeit im Zug - nämlich 100 statt 200 Minuten. Und wer die goldene Mitte sucht, fährt alternativ für reguläre 30 Euro mit zwei REs von Mainz nach Köln in 150 Minuten.

  1. mittelrheinbahn.de
  2. bahn.de/regional/vi...hldpfalz_ticket.shtml

Kommentare

Markus 29. April 2012

Ich finde, dass die Mittelrheinbahn einer der besten Züge ist. Ich nutze sie als Pendler auf der Strecke zwischen Gau-Algesheim und Ingelheim, fahre aber auch gerne mit ihr bis nach Koblenz und auch schon bis Brühl. Von Gau-Algesheim nach Brühl müsste ich beispielsweise mit der Mittelrheinbahn bis Nach Bingen Hbf und mit dem RE2 nach Koblenz, wo ich dann in einen RE5 umsteigen müsste. Ich konnte nur nie über Verspätungen von mehr als 3 minuten klagen.
Naja aber jetzt zum Thema ☺.
Ich finde die Fahrt von Mainz nach Bonn nur mit der nach Fulda vergleichbar. Man muss eben durch mehrere Verbundzonen. Da diese alle ihre eigenen Tarife haben ist es klar, dass es bei einem Ticket von "unten bis oben " etwas umständlicher wird. Es ist wie bei Autobahngebühren. Es ist teurer durch 3 Länder zu fahren als nur durch ein großes ☺

Administrator 16. Januar 2012

Lieber Daniel,

zunächst mal danke ich für die Korrektur der Jahreszahl.

Leider kann ich Deine Einwände größtenteils nicht nachvollziehen. Wenn es um Preis, Geschwindigkeit und Nutzen geht, vergleiche ich im ganzen Artikel vornehmlich die Mittelrheinbahn mit dem Nahverkehr in Hessen zwischen Fulda und Mainz. Wenn es heißt, die Mittelrheinbahn sei "langsam", dann im Vergleich mit dieser anderen Nahverkehsstrecke. Wenn es heißt, sie sei für "längere Strecken" nicht geeignet, dann im Vergleich zum öffentlichen Nahverkehr zwischen Fulda und Mainz. Usf.

Außerdem sei darauf hingewiesen, dass du deiner eigenen Argumentation nicht treu bleibst: Du bestehst darauf, dass die Mittelrheinbahn als "Nahverkehrsmittel" angesehen werden muss, führst aber wenig später an, dass sie eben tariflich nicht wie ein Nahverkehrsmittel behandelt wird. Eben dieser Widerspruch ist ein zentraler Punkt meines Artikels. Und indem du ihn so deutlich aussprichst, solltest du schon ehrlicherweise zugeben, dass er existiert und daher mein Artikel auch einen ziemlich unmissverständlichen Anlass hat.

Das "Halbwissen", von dem du sprichst, finde ich in meinem Artikel nicht wieder. Und warum der Artikel sogar "gefährlich" sein soll, ist mir ebenso ein Rätsel.

Dein Kommentar beleuchtet viele Punkte meines Artikel in einem anderen Licht und ich danke dir daher für diesen Beitrag. Insbesondere finde ich die wesentlichen Aussagen meines Artikel in deinen Anmerkungen nicht widerlegt, sondern im Gegenteil bestätigt (s. weiter oben). Erlaube mir die Bemerkung, dass ich deinen ungehaltenen Tonfall mindestens unter diesen Umständen etwas unangemessen finde.

Viele Grüße!

Daniel 16. Januar 2012

Zitat:
Zwischen Mainz und Köln fährt seit Anfang des Jahres 2010 die Mittelrheinbahn (MRB)

Ähm, Betriebsaufnahme war nicht 2010, sondern Dezember 2008^-^
Siehe: de.wikipedia.org/wiki/Trans_regio

Zitat:
...zu dem Schluss gekommen, dass die MRB für längere Strecken einfach überhaupt nicht geeignet ist - dafür ist sie zu langsam und zu teuer.

Es ist ein NAH-Verkehrszug (sg. ÖPNV / SPNV). Es liegt doch bereits im Namen, dass es sich um ein Zugprodukt für den -Nahbereich- handelt. Vergleich: Wäre doch auch etwas unsinnig, wenn man bei einem Ford Fiesta sich gezwungen fühlt es anzumerken, dass man damit nicht wirklich schnell auf dem Nürnburgring unterwegs ist^^ 😃

Die Aussage: "Dafür ist sie zu teuer" stimmt nicht. -DIE- Mittelrheinbahn hat -keinen eigenen Haustarif- ! Es wurden die Tarife der DB übernommen, damit die Reisenden sich nicht mit einem weiteren Tarifangebot beschäftigen müssen.
Und -INNERHALB- von den besagten Verbünden MUSS sie die Tarife vom jeweiligen Verbund auch 1 zu 1 übernehmen.

Der Vegleich mit dem RMV ist auch unzutreffend.
Die jeweiligen Verbünde haben meist Preisstufen, die sich nicht an die wirklich gefahrenen Kilometer orientieren, sondern meist an bestimmte Gebiete (Waben/Zonen). Und in Kombination einer so genannten Netzkarte (höchste zu erwerbene Preisstufe eines bestimmten Verbundes) kann man recht günstig von A nach B gelangen, WENN man besonders weite Strecken nutzt. Desweiteren liegen ggf auch Vorteile darin, wenn man die Zonen-/Wabengebiete voll ausreizt.

Der DB Tarif wird nach den tatsächlich gefahrenen Kilometern berechnet. Einen Höchstpreis -pro Person & Strecke- gibt es hier auch. Allerdings liegt dieser weit aus höher. Je nach Strecke kann dann der DB Tarif (auch ohne BahnCard) günstiger, als ein Verbundtarif sein, sofern man diesen dann anwenden dürfte.
Bsp: Eine Fahrt von Bonn Hbf nach Godesberg oder Mehlem würde nach dem DB Tarif rund 2 Euro, nach dem geltenen und anzuwendenen Verbundtarif (VRS) jedoch 2,60€ kosten. (+30%) Mit einer BahnCard noch günstiger. Die VRS Karte bleibt trotz BahnCard, preislich, konstant.

BEACHTE: In vielen Verkehrsverbünden werden die BahnCards nicht ODER nur anteilig anerkannt. Dadurch kann man auch nicht für alle Leute eine einheitliche Aussage treffen. Da für (vor allem) Bahn Card (50) Besitzer teilweise erhebliche Preisunterschiede entstehen können, wenn kein Verbundtarif gilt.

Zitat:
Unglaublicherweise braucht die Mittelrheinbahn übrigens für jene Strecke von Mainz nach Bonn drei Stunden.

Wie gesagt, es ist ein NAHVERKEHRSZUG. Zudem hat sie auch nicht die Funktion eines RE...
Aber die Frage nach dem "Warum" beantworte ich wie folgt.
Etwas elementares: DIE MittelrheinBahn setzt sich aus zwei unterschiedlichen Liniennummern zusammen. Einmal von Mainz nach Koblenz (Linie 32) und dann ab Koblenz nach Köln (Linie 26). Bedingt durch den Linienwechsel, der einen zeitlichen "Puffer" benötigt, hat der Zug in Koblenz eine Standzeit von i.d.R. 20 - 26 Minuten. PS: Auch die, von der DB Netz sowie den Verbünden vorgegebenen Fahrplanberechnungen sind daran schuld, da diese bindent sind^^

Dann haben -viele Zugnummern- in Bingen rund 10 - 15 Minuten Aufenthalt. (Meist durch geplante Überholungen des Fernverkehrs oder Regionalverkehrs (RE) ).

Bei Remagen beträgt sie Standzeit 10 - 11 Minuten (ebenfalls für geplante Überholungen gedacht, zudem wird i.d.R. der Zug dort verstärkt.)

Nun hat man bereits Stand- und damit Wartezeiten von rund 40 - 52 Minuten !
Hinzu kommt noch folgendes: Da es ja ein NAH-Verkehrszug ist (Regionalbahn) sollte diese ja alle paar Kilometer auch mal zum halten kommen, damit das Produkt sich noch als NAH-Verkehrszug beschimpfen lassen darf. Daraus resultiert bei diesen "nur" 187 Kilometern eine Haltepunktanzahl (Bahnhof, an dem der Zug stehen muss) von beachtlichen 44 Stück (!). Rechnerisch hält der Zug demnach alle 4,25 Kilometer.

PS: Am Fahrzeug selbst liegt es nicht, dieser hat eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und somit ist ein IC/EC nicht schneller.^^
Kleine Nebeninfo: Dank der guten Anfahrleistung, können Haltestellen seit Dezember 2008 bedient werden, welche Fahrplanbedingt hätten aufgegeben werden müssen.

Tariflicher Hinweis: Warum ist der Unterschied zwischen der Strecke Fulda - Bonn noch unverschämter ? 41,90€ zu 33,35€ sind nur die reinen Zahlen. Falls man unerwartet an dem geplanten Tag NICHT fahren kann, verfällt das Rheinlandpfalzticket -Ohne Ersatz-.

Die normale Bahnfahrkarte hingegen kann man bis einen Tag VOR dem 1. Geltungstag -kostenfrei- und AB dem 1. Geltungstag immerhin noch gegen eine Gebühr von 15 € umtauschen oder gar ganz erstatten lassen. Auch hier kann man nicht immer für alle sprechen.

****
Persönlicher Kommentar: Die Freiheit im Internet wird leider immer wieder benutzt um gefährliches Halbwissen zu puplizieren, welches dann bei Bedarf ungeprüft 1 zu 1 von anderen dann noch übernommen wird. Schade...

Mia 30. November 2011

Ja toll, Klaus, und wie? Darfst du uns gerne verraten!

Klaus 17. September 2011

es geht noch billiger, wenn man das Tarifsystem kennt ☺
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