tovotu

24. Januar 2011, 19:23 Uhr
Über das Nebenfach im Mathematikstudium

Mathematik alleine ist nichts Richtiges - diese Ansicht vertreten offenbar traditionell auch die eigentlich doch eher akademisch ausgerichteten Universitäten. Schon länger ist es beim Studium der Mathematik daher in allen deutschen Universitäten Pflicht, ein Nebenfach zu belegen. Das nimmt zwar von 180 zu erreichenden Punkten nur etwa 30 (in Bonn sind es sogar nur 24) Punkte ein. Man will dann aber doch lieber nicht einfach "ins Blaue" wählen.
Natürlich ist der ursprüngliche Sinn dieser Regelung, Mathematik im Anwendungsbezug kennen zu lernen. Aus diesem Grund bilden Informatik, Naturwissenschaften und wirtschaftliche Fächer das Standardprogramm. Die meisten Universitäten (auch Bonn) akzeptieren aber inzwischen auch alle anderen Fächer aus dem Studienangebot der Universität. Eine ungewöhnliche Nebenfachwahl wird dabei üblicherweise mit einer Erweiterung des Horizonts über die Mathematik und ihre direkten Anwendungen hinaus begründet.

Während man in den meisten Universitäten sein Nebenfach bereits mit Studienbeginn auswählt und belegt, beschränkt man sich in Bonn in den ersten zwei Semestern ausschließlich auf die Mathematik. Die 24 im Nebenfach zu erreichenden Punkte teilen sich dann in der Regel gleichmäßig auf 6 Punkte (also eine Veranstaltung) pro Semester auf.
Als ich mich vom Bonner Servicebüro für Mathematik über die Möglichkeiten bei der Nebenfachwahl informieren ließ, betonte man, dass dem obligatorischen Begründungsschreiben keine besondere Bedeutung zukomme. Die größte Hürde, die jemand, der sich in diesem Sinne "breit aufstellen" will, zu nehmen hat, sei, dass man in aller Regel Gefahr läuft, organisatorische Probleme mit der fachfremden Fakultät und dem eigenen Stundenplan zu bekommen.

Insbesondere fühlt sich die Universität offenbar dafür verantwortlich, dass ihre Studenten das gewählte Nebenfach auch wirklich werden durchziehen können. Außerdem sollen die im Nebenfach gewählten Veranstaltungen nicht völlig wahllos zusammengewürfelt sein, sondern ein rundes Paket abgeben.
Einem Studenten, der statt eines regulären Nebenfachs direkt ein zweites Hauptstudium in einem zweiten Fach neben der Mathematik beginnt, wird daher in der Regel keine weitere Bedingung gestellt: Seine Studienorganisation ergibt sich dann nämlich aus dem Curriculum des zweiten Hauptfachs - hier fühlt sich die Universität weitgehend von der Aufsichtspflicht befreit. Der Student kann danach üblicherweise ohne weitere Komplikationen Module, die er im zweiten Hauptfach belegt hat, als Nebenfach für das Mathematikstudium anrechnen lassen.

Auf Ablehnung der fachfremden Fakultäten stößt man bei der Nebenfachwahl übrigens meistens auch nicht. In Romanistik beispielsweise zeigte man sich ausgesprochen kooperativ. Das letzte Wort übergab man zwar dem Dekanat der philosophischen Fakultät, deutete aber bereits an, dass sich da sicher eine Regelung finden werde. In letzter Konsequenz sei es auch nicht unüblich, sich für das Hauptfach Romanistik einzuschreiben und dort nur diejenigen Veranstaltungen zu besuchen, die man möchte und braucht.
Die Abteilung für Lateinische und Griechische Literatur, die seit Nietzsches Zeiten in Bonn leider etwas eingeschrumpft ist, war sogar hoch erfreut über einen interessierten Studenten. Man versicherte mir hier, dass man alles in Bewegung setzen werde, um mir dieses Nebenfach möglich zu machen. Unzählige Modulkombinationen wurden durchgesprochen und zuletzt betonte man, die Wahl der Module sei mir doch eigentlich völlig freigestellt. Alles ließe sich einrichten, solange sich nur die mathematische Fakultät damit einverstanden zeige.

Insbesondere bevor ich überhaupt mit dem Mathestudium begonnen hatte, lag mir diese Nebenfachangelegenheit schwer auf der Brust. Im Internet fand ich viele unterschiedliche, teilweise widersprüchliche Meinungen darüber. Ich möchte daher mit diesem Artikel einige Orientierung bieten und gleichzeitig darauf hinweisen, dass es wohl immer der einfachste und befriedigendste Weg sein wird, in der Sprechstunde der Studienberatung einer mathematischen Fakultät über das Thema zu reden.
Was ich momentan noch nicht bieten kann, ist die Antwort auf die höchst interessante Frage, ob das Nebenfach irgendeine Relevanz für die spätere Berufswahl oder die beruflichen Chancen haben wird. Fest steht aber, dass Mathematiker ganz allgemein in allen nur erdenklichen Bereichen gesucht und eingesetzt werden. Außerdem vermute ich ganz stark, dass das Nebenfach mit seinen kaum 30 Leistungspunkten nur schwerlich ins Gewicht fallen wird.

Kommentare

Administrator 22. März 2013, 11:48 Uhr

Vielleicht nicht ganz uninteressant für Leser dieses Artikels: Ich habe meine 24 Nebenfachpunkte inzwischen tatsächlich völlig problemlos im Nebenfach Altphilologie erworben und eingebracht. Tatsächlich musste ich dazu nur vier kleine Module belegen und war so schon nach drei Semester mit dem Pflichtkontingent des Nebenfaches durch.

Sehr interessant ist auch die Tatsache, dass man in Bonn zusätzlich zu den 24 Nebenfachpunkten noch 12 Punkte aus den klassischen Nebenfächern Physik, Wirtschaft und Informatik einbringen kann.

Ich selbst habe diese 12 Punkte zwar mit weiteren Mathevorlesungen gefüllt - für andere wird die Option, einen kurzen Abstecher in die Physik oder Informatik einzubringen, aber eventuell tolle Kombinationsmöglichkeiten eröffnen.

Iris 2. September 2012, 15:09 Uhr

Hey, sehr schönen Blog hast du da 😛
Gibts vielleicht ne Möglichkeit, dass du mir mehr über das Mathestudium bzw. das Leben in Bon erzählen kannst? Ich überlege, auch in Bonn Mathematik zu studieren, bin mir aber nicht ganz sicher, ob die Universität das Richtige für mich ist. Meine Mailadresse ist ****************
Wenn du Zeit bzw. Lust hast, schreib mir bitte einfach ne kurze Mail
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