tovotu

10. August 2011, 13:16 Uhr
Falsche Schlangen, richtige Schlangen - Gattungen und Merkmale

Tiere sind immer einen Artikel wert. Man muss nur das Glück und die Zeit haben, gerade auf die Perlen und Kuriositäten der Tierwelt zu stoßen, was besonders für einen Mathematiker wie mich ehrlich gesagt nicht gerade ein alltägliches Ereignis darstellt. Kürzlich stieß ich über einige Umwege auf die Unterordnung der Schlangen, bei denen sich einzelne Arten und Gattungen sowie bestimmte Merkmale und Verhaltensweisen als besonders reizvoll herausstellten.

Zunächst einmal ist bemerkenswert, dass es einige Reptilien gibt, die zwar über die Ordnung der Schuppenkriechtiere mit Schlangen verwandt sind, aber fälschlicherweise oft für Schlangen gehalten werden. Tatsächlich sehen nicht alle Schuppenkriechtiere wie Schlangen aus. Ein Großteil hat sogar noch deutlich erkennbare Beine, zum Beispiel Chamäleons oder Geckos.
Unbestritten ist die Ähnlichkeit einiger Schleichen, Skinke und Flossenfüße mit Schlangen. Die Schleichenart "Scheltopusik" etwa wird sogar bis zu 1,4 Meter lang. In allen drei genannten Familien gibt es allerdings einzelne Arten mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Extremitäten, die bei Schlangen generell nicht zu finden sind.

Gemeinhin bekannt ist die bemerkenswerte Eigenschaft, das Schlangen den Mund oft ganz schön voll nehmen. Im Frankfurter Naturmuseum Senckenberg wird das an einer Anakonda demonstriert, die gerade ein gesamtes Wasserschwein verschluckt. Dabei sei angemerkt, dass Wasserschweine als die größten Nagetiere der Erde gelten und bis zu 130 Zentimeter lang bzw. 80 Kilogramm schwer werden können.
Während es sich bei Anakondas ja um ausgesprochen große Schlangen handelt, hat in dieser Hinsicht auch die Gattung der Afrikanischen Eierschlangen einiges vorzuweisen. Eierschlangen werden zwar immerhin bis zu einem Meter lang, ihr schmaler Körperbau ist aber eher als zierlich zu bezeichnen. Trotzdem kann eine etwa daumendicke Eierschlange ein Ei von der Größe eines Hühnereis verschlucken. Noch bevor dieses Ei den Magen erreicht, wird es in der Speiseröhre aufgeschlitzt. Die unverdauliche Schale würgt die Schlange anschließend säuberlich abgetrennt vom Rest wieder heraus.
Obwohl die Afrikanischen Eierschlangen völlig ungiftig sind, beherrschen sie zum Schutz vor Feinden das Gebahren von Giftschlangen perfekt. Indem sie ihre gerippten Schuppen aneinanderreiben, können sie beispielsweise die Warngeräusche von Sandrasselottern imitieren [1].

Über das Paarungsverhalten von Seepferdchen und Blauwalen sind meine Leser ja bereits zu genüge aufgeklärt, seit ich diesem Thema bereits vor einem Jahr einen ausführlichen Artikel widmete [2]. Ähnlich interessant gestaltet sich die Fortpflanzung von Schlangen. Insbesondere Würgeschlangen und Nattern, wie sie unter anderem sogar in unseren Breitengraden angetroffen werden können, haben die bemerkenswerte Angewohnheit, ein so genanntes Paarungsknäuel zu bilden [3]. Je nach Größe und Art der Schlange schlingen sich dabei bis zu 15 Männchen um ein Weibchen und versuchen, an seine Kloake zu gelangen. (Bei Tieren, die eine Kloake, also einen gemeinsamen Körperausgang für die Verdauungs-, Geschlechts- und Exkretionsorgane haben, ist jeder Geschlechtsverkehr gewissermaßen gleichzeitig Analverkehr.) Wenn man bedenkt, dass etwa die Große Anakonda im Schnitt zweieinhalb Meter lang und sieben Kilo schwer ist, kann man sich ausdenken, was für einen Anblick ein Paarungsknäuel aus 15 Exemplaren dieser Art bieten würde.

Angesichts dieses kollektiv-sexuellen Rituals kommt man bei dem Namen der "Gewöhnlichen Puffotter" auf ganz unschickliche Gedanken. Tatsächlich bezeichnet man aber als "puff" (im englischsprachigen Raum) die typischen Drohgeräusche, die diese Viper erzeugt, indem sie sich aufbläht und die Luft in lauten Zisch- und Knallgeräuschen entweichen lässt.
Andere interessante Schlangennamen sind Harlekin-Korallenotter, Strumpfbandnatter, Brillenschlange, Buschmeister, Boomslang und Bandy-Bandy. Ihre Namensherkunft ist aber denkbar unspekakulär

Zuletzt sei noch bemerkt, dass es eine kuriose Bewandtnis mit dem Wort "Otter" hat. Wie man dem Grimmschen Wörterbuch [4] entnehmen kann, hat sich diese Bezeichnung für eine Viper aus dem hochdeutschen Begriff "Natter" durch Lautverschiebung gebildet. Während es hier "die" Otter heißt, unterscheidet man streng von "dem" Otter (Tier der am Wasser lebenden Unterfamilie der Marder). Das Wörterbuch nennt für "den" Otter das althochdeutsche Wort oter als Ursprung, verfolgt die Etymologie aber bis ins Altgriechische (ὕδρα) und Sanskrit (uda) zurück.

  1. youtube.com/watch?v=sapOTJQeavg
  2. tovotu.de/blog/445-...erdchen-und-Blauwalen
  3. de.wikipedia.org/wi...nakonda#Fortpflanzung
  4. dwb.uni-trier.de/Pr...WBB2009/DWB//wbgui_py

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