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23. Mai 2013
Ein Tag Göttingen zu Fuß

Einen Tag meiner Pfingstferien nutzte ich, um dem niedersächsischen Göttingen einen Besuch abzustatten. Das Städtchen ist auf der Nord-Süd-Achse wunderbar mit dem ICE zu erreichen und man wird direkt nach der Ankunft mit einem sehr gepflegten Bahnhofsgebäude und -vorplatz begrüßt. Tausende Fahrräder an den dafür vorgesehenen Stellplätzen zeugen hier bereits von den etwa 25.000 Studenten, die zusammen über 20 Prozent der 120.000 Göttinger Seelen ausmachen.

Das Stadtbild ist geprägt von beschaulichem Fachwerk und kleinen bis mittelgroßen gotischen Kirchen. In den engen Sträßchen, die überwiegend als Fußgängerzonen ausgezeichnet sind, fühlt man sich hier und da ins Mittelalter zurückversetzt. In diesem Stil präsentiert sich auch die beeindruckende Innenraumbemalung des Alten Rathauses. Der Stadtkern ist umgeben von einer historischen Befestigungsanlage (dem "Wall"), die - inzwischen von üppigem Grün überwuchert - zu einem Spazierweg umgebildet wurde. Im Norden schließt sich an das Zentrum der (überwiegend moderne) Campus der Georg-August-Universität an, wo ich in der Mensa Am Turm übrigens ein sehr gutes und günstiges veganes Mittagessen genießen konnte.

Göttingen ist zwar der Einwohnerzahl nach seit Mitte des 20. Jahrhunderts eine Großstadt. Mein Eindruck war allerdings eher der einer verschlafenen Dorfstadt: Am frühen Nachmittag füllen sich die Straßen der Innenstadt ganz gut, es bleibt aber sehr ruhig. Das Stadtzentrum kann man in wenigen Stunden zu Fuß vollständig erkunden. Dabei fehlen dem Labyrinth von Sträßchen allerdings die großen Sehenswürdigkeiten, die dem Stadtbild Struktur verleihen und dem Besucher Orientierung bieten könnten.

Den Wind der Neuzeit verspürt man in Göttingen trotz aller Mittelalterlichkeit so deutlich wie in kaum einer anderen Stadt: Die Göttinger gedenken der Berühmtheiten aus Kunst und Wissenschaft, die im achtzehnten, neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert Zwischenstation in Göttingen machten, mit Namenstafeln an den Gebäuden ihrer jeweiligen Wohnstatt. Und es sind dieser Berühmtheiten gar viele: Alleine 44 Nobelpreisträger wirkten (zumindest einen Teil ihres Lebens) in Göttingen. Dazu kommt die Riege der Mathematiker - eine kleine Auswahl: Landau, Klein, Minkowski, Hopf, Carathéodory, Neumann, Courant, Dirichlet, Riesz, Noether, Riemann, Hilbert und natürlich Gauß. Im künstlerischen Milieu finden wir Goethe, Heinrich Heine, die Gebrüder Grimm und übrigens auch Herbert Grönemeyer.

Dem Buchfreund eröffnet sich in Göttingen ein reichhaltiges Angebot an Antiquariaten und Buchhandlungen; der Botaniker wird am alten botanischen Garten seine Freude haben; Theater und Musik findet man in Göttingen auch, Kunstausstellungen oder -museen liefen mir in Göttingen aber nicht über den Weg (mal abgesehen von der universitären Kunstsammlung, die für die Öffentlichkeit nur an Sonntagen zugänglich ist). Dafür ist diese Stadt dann wohl doch zu sehr Dorf.

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