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Kommunikation über - ähm - Verzögerungslaute

Jeder Rhetorik-Ratgeber und -Lehrgang geht mindestens kurz auf die Verwendung so genannter Verzögerungslaute oder Pausenfüller ein: äh, öhm, hmm und so fort. Die konsequente Verdrängung dieser Laute aus dem eloquenten Sprachgebrauch ist schon lange eine einprägsame Grundregel der Redekunst, die in Frage zu stellen lächerlich klingt.

Bemerkenswert ist allerdings, dass diese Laute eine so bedeutsame Stellung in Unterhaltungen einnehmen, dass man sie sogar in Chaträumen im Internet verwendet. Das verwundert vor allem, wenn man einmal hinter die anatomisch-physiologische Ursache für die scheinbar bedeutungslosen Pausenfüller gekommen ist: Tatsächlich verhindern sie nämlich, dass man förmlich aus dem Redefluss kommt, indem sie die so genannte "Sprechatmung" aufrecht erhalten und das Zurückfallen in die übliche Atemtechnik, bei der Phasen des Einatmens und Ausatmens viel gleichmäßiger verteilt sind, verhindern.

Die ausgeschriebenen Verzögerungslaute im Internet-Chat erfüllen diese physiologische Funktion selbstverständlich nicht. Ihre Verwendung legt also nahe, dass sie noch mindestens einen anderen Zweck erfüllen: Sie sind auch Informationsträger.
Diese Feststellung war auch schon Thema eines sehr knapp gehaltenen Artikels auf der Webseite der Zeitschrift "Bild der Wissenschaft" im Jahre 2002 [1].

In der gedruckten Ausgabe dieser Zeitschrift gab es dann 2007 einen ausführlicheren Bericht über eine Studie zum Thema. Das Nachrichtenportal Wienweb bezieht sich darauf in einem Artikel [2].
Die Ergebnisse der Studien legen nahe, dass die Verwendung der Verzögerungslaute an sinnvoll gewählten Stellen im Redefluss die Aufmerksamkeit der Zuhörer nachweislich erhöhen kann. Das ist auch nicht schwer nachzuvollziehen, wenn man bedenkt, dass diese Laute insbesondere an Stellen eingeflochten werden, an denen der Sprecher es für notwendig hält, seine Gedanken neu zu ordnen. Das signalisiert dem Zuhörer entsprechend, dass jetzt etwas Kompliziertes folgen wird. In anderen Fällen können die Pausenfüller auch ausdrücken, dass die folgende Information mit einiger Unsicherheit behaftet sind, und oft sind auch völlig situationsbezogene Deutungen denkbar.
Die Verzögerungslaute verschaffen dem Gesprächspartner also einen Einblick in eine Gedankenebene, die im sonstigen Gesprächsinhalt nicht zu Tage tritt. Diese Sichtweise wird insbesondere interessant, wenn man einen anderen Artikel in der schon zitierten Bild der Wissenschaft mit einbezieht [3]. Hier legen Forscher die These dar, dass die Gehirne zweier Gesprächspartner im Dialog sehr ähnliche Aktivitäten in den relevanten Spracharealen aufweisen. Dabei wird herausgestellt, dass dieses Phänomen natürlich nur auftritt, wenn die Partner verstehen, wovon sie reden. Und wenn man bedenkt, dass auch die Verzögerungslaute eine Entsprechung im Gehirn haben, wird man ihre Notwendigkeit oder zumindest ihren nützlichen Charakter im Gedankenaustausch nicht mehr leugnen können.

Die rhetorische Leitlinie, Pausenfüller zu eliminieren und eventuell sogar durch Pausen zu ersetzen, sollte also durchaus kritisch betrachtet werden. Sprechpausen, die nicht durch solche Verzögerungslaute gefüllt werden, können in vielen Fällen den Zuhörer, wenn nicht sogar den Sprecher selbst aus dem Konzept bringen. Denn der Zuhörer wird sich über die für ihn unerklärliche Kommunikationslücke wundern und der Sprecher selbst droht aus physiologischer Sicht (siehe oben) aus dem Redefluss zu geraten.

  1. wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=149006
  2. wienweb.at/content.aspx?menu=13&cid=140297
  3. wissenschaft.de/wissenschaft/news/311606.html

02.09.2010 13:11 - Tags: Wissen Sprachen

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Wohnheimsuche in Bonn: Informationen und Anlaufstellen

Im Oktober werde ich ein Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn beginnen. Ich bin zwar noch nicht eingeschrieben, weil der dafür vorgesehene Zeitraum erst Mitte September ist. Aber da ich ein Fach ohne Zulassungsbeschränkung im Blick habe und ich ohnehin schon vor meiner Immatrikulation an einem Vorkurs teilnehmen werde, kann ich diesen Plan getrost als Faktum hinstellen.
Inzwischen habe ich auch eine Unterkunft in der ehemaligen Bundeshauptstadt gefunden. Als armer Student, der zudem niemanden kennt, der in der gleichen Stadt zu studieren gedenkt, entschied ich mich für eine Bewerbung in den örtlichen Studentenwohnheimen. Nachdem ich das nervenaufreibende Prozedere des Bewerbungsprozesses durchgemacht hatte, musste ich feststellen, dass die Informationslage im Internet diesbezüglich ziemlich dürftig ist. In meinem heutigen Artikel werde ich diese Lücke also vorerst mit ein bisschen Detailwissen zu schließen versuchen.

Die Zuteilung der Plätze in sämtlichen Studentenwohnheimen Bonns ist inzwischen nahezu komplett an das Studentenwerk übergegangen, soweit ich das überblicke. Nähere Informationen zum Bewerbungsprozess und zu den 38 Wohnanlagen (mit über 4200 Plätzen) sollte man auf der entsprechenden Homepage des Studentenwerks bekommen [1]. Man kann aber nicht gerade behaupten, diese Webseite sei uneingeschränkt übersichtlich, verständlich und vollständig.
So wird man zwar problemlos zu der Information gelangen, dass die Bewerbungsfrist der 20. August ist (zum Sommersemester: 20. Februar). Wie das Bewerbungsverfahren aber konkret abläuft, wird aber auch unter dem Punkt "Bewerbung" nicht besonders deutlich beschrieben. Zunächst einmal ist zu betonen, dass beim Bewerbungsverfahren des Studentenwerks völlig egal ist, wie früh man sich bewirbt: Am Ende der Bewerbungsfrist gibt es eine Verlosung der Plätze unter allen Bewerbern, die dabei sämtlich gleichberechtigt sind.

Kein Vorteil für Frühaufsteher also - das mag für manchen Spätzünder gerecht klingen, bringt aber für jeden einige Nachteile mit sich: Wenn am 20. August die Bewerbungsfrist vorbei ist, beginnt die Bearbeitung der Bewerbungen. Es kann also durchaus bis Anfang September dauern, bis man überhaupt eine Rückmeldung in Form einer Losnummer erhält. Wer im September schon nach Bonn muss, weil er dort an Vorkursen teilnehmen will, wird in zeitliche Bedrängnis geraten. Die eigentliche Verlosung findet dann erst Mitte September statt und so ist nicht damit zu rechnen, dass man sein Zimmer üblicherweise vor Oktober schon beziehen kann.
Sollte man nach der Verlosung noch immer auf der Straße stehen, wird es eng, auf anderem Wege eine Wohnung zu finden. Eine gewisse Chance besteht, in Sonderverlosungen Ende September und Oktober mit seiner Losnummer kurzfristig ein Zimmer in einem Wohnheim zu ergattern.

Die unangenehme Unsicherheit, die mit dem spät stattfindenden Losverfahren einhergeht, hat das Studentenwerk inzwischen anscheinend dazu veranlassen können, über eine Änderung des Bewerbungsverfahrens nachzudenken. Diese Information konnte mir eine freundliche Dame des Studentenwerks am Telefon geben. Nicht zuletzt, weil die Angaben in diesem Artikel also womöglich bald ihre Gültigkeit verlieren könnten, ist es sehr hilfreich und sinnvoll im Falle von Unklarheiten beim Studentenwerk anzurufen. Bei mir hatte das die angenehme Folge, dass ich veranlassen konnte, schon im September ein Zimmer zu bekommen.

Zu den einzelnen Wohnanlagen bleibt noch Folgendes zu erwähnen: Nur wenige verfügen über eine eigene Homepage und fast keine hat dort wirklich hilfreiche Informationen und Bilder über die Zimmer und die Anlage. Selbst die Webseite des Studentenwerks hat nicht für jedes Wohnheim, das man auf dem Bewerbungsbogen auswählen kann, eine Informationsseite. Um die Beschreibungen auf den Seiten des Studentenwerks zu verstehen, bedarf es außerdem des Vorwissens über einige Begriffe: Unter Appartement versteht man ein Zimmer für eine Person mit Kochecke/Küche und Dusche/WC. Für ein Doppelappartement, in dem zwei Personen Platz finden, kann man sich nur anmelden, wenn man bereits einen Mitbewohner hat. Den Halbappartements fehlt in der Regel die Kochmöglichkeit und in den so genannten Einzelzimmern, die überwiegend vorhanden sind, teilen sich fünf bis zehn Bewohner eine Küche und zwei bis drei Duschen und Toiletten. Einzelzimmer sind dabei in so genannten Wohnbereichen gruppiert, die einige Ähnlichkeit mit Wohngemeinschaften (WGs) aufweisen.

Wenn man also in Bonn in einem Studentenwohnheim unterkommen möchte, bringt eine frühe Bewerbung nichts - die Bewerbungsfrist sollte natürlich trotzdem eingehalten werden. Eine komplette Liste der wählbaren Wohnheime gibt es ausschließlich auf dem Bewerbungsbogen. Informationen zu den einzelnen Wohnheimen erhält man meist nur über die Webseite des Studentenwerks (Menüpunkt: Wohnanlagen) und natürlich vor Ort und auf Anfrage. Man sollte sich darauf einstellen, in zeitlichen Bedrängnis zu geraten, wenn man über das Losverfahren keinen Platz bekommt. Bei allen Rückfragen, Unklarheiten, Beschwerden und Wünschen sollte man unbedingt in direkten Kontakt mit dem Studentenwerk treten - am besten per Telefon. Dort erhält man in der Regel schnelle und freundliche Hilfe und den ein oder anderen Sonderwunsch ist man dort zu erfüllen auch nicht völlig abgeneigt.

  1. studentenwerk-bonn.de/in...task=view&id=66&Itemid=118

29.08.2010 13:25 - Tags: Karriere

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Das InterRail-Ticket: Über vermeintliche Spontaneität, versteckte Preise und sonstige Fallstricke

Vom legendären Eurotrip [1], bei dem alle bekannten, großen und schönen Städte Europas in einer großen Reise abgeklappert werden, träumen nicht nur Nicht-Europäer: Es handelt sich dabei um eine beliebte Beschäftigung für die Zeit zwischen Abitur und Studium oder für die vorlesungsfreie Sommerzeit.
Zu Zeiten von Hochgeschwindigkeitszügen und billigen Youth Hostels stellt man sich das auch gar nicht mehr teuer vor: Mit einem großen Rucksack bepackt und einem Europa-Zugticket, dem so genannten InterRail-Ticket, ausgestattet könne selbst ein mittelloser Student auf große Reise gehen.
Welche falschen Vorurteilen sich in dieser Vorstellung verstecken und wie man sich so einen InterRail-Trip am ehesten vorstellen kann, versuche ich im Folgenden zu erläutern.

Auf der Seite der Deutschen Bahn [2] können die InterRail-Tarife für deutsche Bundesbürger ziemlich übersichtlich eingesehen werden. Hier entsteht aber schon die erste Illusion: Weil die DB auf ihrer Webseite viel zu wenige weiterführende Informationen anbietet, entgehen dem interessierten InterRail-Käufer alle weiteren entstehenden Kosten und eine ausführliche Liste der teilnehmenden Bahngesellschaften.
Wer dazu nähere Informationen einholen möchte, schaut am besten auf dem internationalen und offiziellen Informationsportal [3] des "InterRail Europe Train Pass" nach. Unter "Planning" kann man dort eine übersichtliche Karte Europas mit den relevanten Zugverbindungen herunterladen. Außerdem gibt es dort Informationen, welche Züge vorab reserviert werden müssen und welche zusätzlichen Kosten dabei anfallen.
Im Einzelfall kann auf der Webseite der Österreichischen Bundesbahn [4] angezeigt werden, ob eine ganz bestimmte Zugverbindung reservierungspflichtig ist oder nicht. Verlässliche Informationen darüber, welche Gebühren anfallen werden, erhält man aber fast ausschließlich am Bahnschalter!

Zu den Reservierungsgebühren, die für Inhaber des InterRail-Tickets anfallen, seien einige Anmerkungen gemacht: Reservierungspflichtige Züge gibt es in fast jedem Land (außer z.B. der Schweiz) und Gebühren für eine Zugfahrt können in Höhe von 4 bis 85 Euro in der zweiten Klasse anfallen. Deutlich über 20 Euro werden allerdings nur in Ausnahmefällen wie dem EuroStar, der unter dem Ärmelkanal durchfährt, verlangt. Die Benutzung von Nachtzügen fällt bisweilen noch teurer aus: Die Preise für Nachtzüge unterscheiden sich stark (nicht nur abhängig vom gewählten Abteil und Komfort). Ein einfacher Sitzplatz kann für ca. 8 Euro zu haben sein, ein Liegeplatz im 6er-Abteil kostet 25 bis 50 Euro und für 4er-Abteile und besser fallen entsprechend Preise bis über 100 Euro an.
Im Einzelfall kann man nur sicher über die anfallenden Kosten sein, wenn man am Bahnhof direkt nachfragt. Nur dort können die nötigen Reservierungen schließlich getätigt werden!
Bei alldem ist auch zu beachten, dass ein InterRail-Ticket nie im Heimatland des Inhabers gültig ist. Das hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass die erste Zugfahrt, mit der man sein Heimatland verlässt, sowie die entsprechende Rückfahrt bezahlt werden müssen. Die Interrailer erhalten aber auf diese Fahrten immerhin gewisse Vergünstigungen, die am Bahnschalter erfragt werden können.

Vielen schwebt mit dem Erwerb des InterRail-Tickets auch die große Flexibilität und Spontaneität vor, die mit einem solchen Allround-Tickets einherzugehen scheint. Wer aber nicht rechtzeitig plant und in den meisten Fällen auch verbindliche Buchungen vornimmt, wird keinen Spaß mit seinem InterRail-Ticket haben.

Die oben genannten Zugreservierungen sollten schon Tage oder Wochen vor der Fahrt getätigt werden. Zum einen sind Züge auf viel befahrenen Strecken tatsächlich bisweilen Tage vorher ausgebucht. Zum anderen ist zusätzlich das Fahrkarten-Kontingent für InterRail-Benutzer begrenzt. Man muss außerdem leider sagen, dass man selbst an Bahnschaltern oft falsche Informationen über die Verfügbarkeit bestimmter Plätze bekommt. Für mehrere Schnellzüge und zwei Nachtzüge, die wir in Genf nicht buchen konnten - sie waren angeblich ausgebucht -, konnten wir in Marseille problemlos Plätze reservieren.
Bei der Reservierung von Zügen ergeben sich noch weitere Probleme: Wer in der Schweiz ausländische Züge buchen will, muss damit rechnen, 5 Franken (etwa 3,50 Euro) Aufschlag zu bezahlen. Einen solchen Aufschlag verrechnete man weder in Frankreich noch in Spanien. In Portugal wiederum war es überhaupt nicht möglich, ausländische Züge zu reservieren. Wenn man Portugal also mit einem bestimmten Zug verlässt, muss man eventuelle Anschlusszüge kurzfristig am Umsteigebahnhof buchen, wenn man das nicht schon vor der Einreise nach Portugal erledigt hat. Ähnliche Probleme könnten sich in anderen Ländern ergeben - eine frühzeitige Planung und Buchung kann dem Interrailer diese Strapazen ersparen.

Die Unterkunft bei einem solchen EuroTrip ist übrigens nicht so einfach gefunden, wie man sich das bisweilen vorstellt.
Zelten ist durchaus nicht die einfachste und billigste Variante. Auch hier fallen Zeltplatzgebühren an und abgesehen von dem geringen Komfort, den man beim Zelten im Allgemeinen erfährt, dürfte es mühsam sein, ständig ein Zelt (zzgl. Isomatte und Schlafsack) mit sich herumzutragen, das man bei häufigem Ortswechsel abends auf- und morgens wieder abbauen und bei Regen notgedrungen nass wieder in die Schutzhülle stopfen muss. Zeltplätze sind gerade in großen Städten eher ungünstig gelegen, sodass weitere Kosten für den Transfer in die Innenstadt anfallen können.
Auch in Hostels kommt man nur günstig unter, wenn man frühzeitig bucht. Man sollte sich wirklich ersparen, ohne Buchung in eine bestimmte Stadt zu kommen, um dann zu erfahren, dass gerade eine besondere Veranstaltung einen Besucheransturm provoziert, sodass alle günstigen Übernachtungsmöglichkeiten bereits ausgebucht sind.
Buchungen nimmt man am besten bei großen Webseiten wie Hostelworld [5] vor, wo man gute Möglichkeiten hat, Preise zu vergleichen, Verfügbarkeiten zu überblicken und Erfahrungsberichte zu lesen.

Auch bei günstigen Hostels kann man im Sommer mit durchschnittlichen Kosten von knapp unter 20 Euro pro Nacht - zumeist ohne Frühstück - rechnen. Über den Tag kommt man wohl nicht mit weniger als 10 Euro aus, man sollte eher mit 15 Euro oder mehr rechnen. Pro Zug fallen durchschnittlich 5 Euro Reservierungsgebühren an. Die genannten Kosten können sich stark vermehren, wenn man in teuren Ländern wie der Schweiz oder Schweden unterwegs ist, viele Museen besucht, in Restaurants speist, viele Nachtzüge und internationale Fernzüge verwendet oder Taxi-, Metro-, Tram- und Busfahrten reichlich in Anspruch nimmt.

Außerdem sollte man sich keinen Illusionen hingeben, wie viele unterschiedliche Orte man in einer bestimmten Zeit besuchen kann. Wer beispielsweise alle großen Hauptstädte Europas auf seinem InterRail-Trip besuchen will, sollte extrem lange Zugfahrten und eine Gesamtreisedauer von mindestens einem Monat einplanen, in der man nur höchstens eine Übernachtung in jeder Stadt erlebt.
Ein Dilemma bleibt: Wer nicht viel Zug fährt und sich lange an einem Ort aufhält, für den rentiert sich das InterRail-Ticket womöglich preislich nicht. Wer die Möglichkeiten des InterRail-Tickets ausnutzen will, muss mit langen Zugfahrten und wenig Zeit an jedem einzelnen Ort rechnen. Auf meinem vergangenen InterRail-Trip habe ich beispielsweise fast jeden Tag mindestens einen Zug benutzt und kam so insgesamt auf Zugkosten von unter 400 Euro in 15 Tagen. Ohne InterRail-Ticket wären Kosten von mindestens 700 Euro angefallen. Ich halte es kaum für möglich, mehr als 4 Länder in 15 Tagen zu besuchen, wenn man nicht unvernünftig lange Zugfahrten in Kauf nimmt.
Die Gesamtkosten für die 15tägige Reise beliefen sich auf etwa 1000 Euro und ich halte das für einen ziemlich niedrigen Wert. Ob man sich als Student also eben mal einen solchen Trip leisten kann, ist fraglich.

Als Fazit bleibt also zu sagen: Ein InterRail-Trip kann nur schwerlich ein richtiger Eurotrip werden, schon gar nicht ein günstiger. Hoffnung auf besondere Spontaneität sollte man sich nicht machen, sondern im Vornherein so viel wie möglich buchen und reservieren. Und zuletzt sollte man nicht blind davon ausgehen, dass sich das InterRail-Ticket in jedem Fall preislich lohnt. Für Frühbucher gibt es nicht nur in Deutschland ziemlich günstige Zugfahrten und daher sollte nicht nur, wer lieber eine Hand voll Städte besichtigen will und dort jeweils mindestens 3 Tage bleiben möchte, unbedingt die Rentabilität des InterRail-Tickets ausführlich prüfen.

  1. tovotu.de/archiv/27-Eurotrip--Humor-der-Klischees
  2. bahn.de/p/view/angebot/p...sse/interrail/preise.shtml
  3. interrailnet.com
  4. oebb.at
  5. hostelworld.com

Interrail-Trip durch Westeuropa: Teil 2

Dieser Artikel schließt an einen Artikel über die erste Hälfte der Reise (Basel, Bern, Lausanne, Genf, Marseille, Barcelona, Sevilla) an!

Nach dem eindrucksvollen Besuch Sevillas brachte uns ein Schnellzug nachmittags nach Madrid. In der spanischen Hauptstadt verbrachten wir zwei Nächte im Hostel "La Posada de Huertas", das durch unglaublich günstige Preise und mit seiner günstigen Lage im Stadtteil Huertas bestach.
Das Hostel bot am gleichen Abend noch einen so genannten "Pub Crawl" an, bei dem wir einige Hostel-Mitbewohner kennen zu lernen erhofften. Diese Kneipentour durch drei Bars und eine Diskothek brachen wir allerdings schon nach zwei Bars ab: Zum einen hatten sich die Bars als extrem klein, verraucht und musikalisch desorientiert herausgestellt. Zum anderen waren wir nach den vergangenen Tagen des "Schnellbesichtigens" zu erschöpft, um die Nacht lang werden lassen zu können.
Am kommenden Tag gab es wieder ein nettes Angebot des Hostels: Die "Free Tour" durch Madrid, bei der ein Führer namens Pablo aus Argentinien dreieinhalb Stunden zu Fuß durch die Stadt führte. Aus unterschiedlichen Hostels fanden sich zu dieser Veranstaltung 30 bis 40 Teilnehmer zusammen und ganz kostenlos war es auch nicht, bestand Pablo doch schlussendlich auf seine 5 bis 15 Euro Trinkgeld - schade nur, dass er zur wirklichen Historie der Sehenswürdigkeiten das ein oder andere hinzuerfand und nicht selten seine politische Sichtweise über die Führung zu propagieren versuchte.

Die große und sehenswerte, aber viel zu hektische und zu wenig jugendliche Hauptstadt verließen wir am zwölften August in Richtung Salamanca. Die Auszeichnung als UNESCO Weltkulturerbe hat das historische Stadtzentrum wirklich verdient: Die Gebäude der mittelalterlichen Universität, die spätmittelalterlichen Klöster und Kirchen, die berühmte Plaza Mayor, die meiner Meinung nach den gleichnamigen Platz in Madrid an Zierde übertrifft, eine römische Brücke, das Jugendstilhaus Casa Lis und viele andere authentische Bauwerke lassen Salamanca im Schein der Geschichte erstrahlen. Dabei ist das Stadtzentrum wirklich in hervorragendem Zustand und nur die äußeren Stadtbezirke um das Zentrum auf der nordöstlichen Seite des Flusses können den überwältigenden Eindruck trüben.

Nach einer Nacht im "Rincon de Sito" - eher ein unschlagbar günstiges Hotel mit Zwei-Bett-Zimmern als ein Hostel - und einer Nacht in den Bars und Diskotheken Salamancas brachte uns ein Nachtzug langsam und unkomfortabel über die Grenze in die portugiesische Hauptstadt Lissabon (port. Lisboa), wo wir zwei Nächte im ansprechend eingerichteten, aber personalmäßig unfreundlichen "Kitsch Hostel" verbrachten.
Lissabon bot uns viele sehenswerte historische Bauwerke - darunter ein Aquädukt des 18. Jahrhunderts -, ein Kunstmuseum und ein Jazz-Festival. In die lokalen Szene-Clubs trauten wir uns mit unserer "Backpacker-Bekleidung" nicht hinein und die vielen sehenswerten äußeren Stadtbezirke (Belém, Sintra, ...) zu besichtigen versagte uns der knappe zeitliche Rahmen.

Schon die Hauptstadt machte einen etwas heruntergekommenen Eindruck - insbesondere im Vergleich mit der strahlenden Stadt Salamanca -, unser nächstes Ziel Porto übertraf Lissabon aber in dieser Hinsicht leider noch.
Wir kamen hier zwar in dem günstigen, nagelneuen und super sauberen "Spot Hostel" unter, das Stadtzentrum und die Bezirke, die wir auf der anderen Seite des Flusses sehen konnten, boten aber bisweilen keinen schönen Anblick. Schön waren der Strand an der Atlantikküste (allerdings ziemlich frisch), die Uferpromenade und einzelne Bauwerke wie die Luís-Brücke, die Avenida los Aliados und die Casa da Música.

Die saubere, klimatisierte und mit Loungemusik unterlegte Metro, wie sie auch in Lissabon schon vorzufinden war, brachte uns nach einer Übernachtung zum Bahnhof, von wo aus wir Santiago de Compostela ansteuerten. Die kleine Stadt im galizischen Spanien, die von Pilgern überlaufen war, bot uns eine außerordentlich ansehnliche Kathedrale und ein insgesamt ziemlich sehenswertes Stadtzentrum. Außerdem wohnten wir für kurze Zeit einem lokalen Musik- und Kurzfilmfestival bei.

Unsere letzte Nacht in einem Hostel auf dieser Reise hatten wir im vor leider ungünstig gelegenen "Meiga Backpackers" Santiago verbracht. Ein unglaublich langsamer Zug brachte uns daraufhin in 11 Stunden nach Hendaye, wo wir in einen Nachtzug Richtung Paris stiegen. Nach einer angenehmen - wenn auch kühlen - Nacht im Liegeabteil blieben uns 12 Stunden in der zu Recht bekannten, gelobten, aber meistens mit Touristen überlaufenen französischen Hauptstadt, die wir mit einer Erkundung der bekanntesten Sehenswürdigkeiten gut auszunutzen wussten - sogar dem Louvre und dem Centre Pompidou konnten wir in der kurzen Zeit einen Besuch abstatten.

Als wir nun in der Nacht vom 19. auf den 20. August wieder endlich in unseren heimischen Betten schlafen durften, konnten wir eine gewisse Erleichterung nach den Strapazen, die mit dem ständigen Ortswechsel und den ehrgeizigen Erkundungstouren einhergegangen waren, nicht leugnen. Außerdem ist es nach 13 Städten wirklich mal an der Zeit, das erlebte zu verarbeiten und eine Pause einzulegen.
Angesichts der Tatsache, dass auf der Welt noch so unglaublich viele Orte darauf warten, besucht zu werden, bleibt einem ehrgeizigen Weltenbummler ohne viel Zeit und Geld nichts übrig, als sich entweder mit wenigen Orten zufrieden zu geben, oder jedem einzelnen Ort weniger Zeit und Aufmerksamkeit entgegenzubringen, wie wir es in den vergangenen 16 Tagen getan haben. Wir können nämlich nicht leugnen, dass wir zwar viel gesehen, aber nichts wirklich gründlich erkundet haben. Die historischen, architektonischen und statistischen Hintergründe der besuchten Sehenswürdigkeiten blieben uns nämlich zugegebenermaßen überwiegend verborgen. Dazu kam, dass wir oft Eintrittsgelder für Kirchen, Schlösser und andere Gebäude scheuten und uns darüber hinaus mit flüchtigen Blicken - oft ohne im Lauf innezuhalten - zufrieden gaben.

Ein Artikel über unsere Erfahrungen mit dem InterRail-Ticket und die organisatorischen Punkten der Reise wird noch folgen.

    21.08.2010 12:36 - Tags: Reisen

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    Interrail-Trip durch Westeuropa: Schweiz, Frankreich, Spanien und Portugal in 16 Tagen

    Die vergangenen zwei Wochen, seit dem vierten August, bereiste ich in Begleitung eines Freundes Westeuropa: Mit einem 15 Tage gültigen InterRail Global Pass ausgestattet steuerten wir 13 Städte in vier verschiedenen Ländern an. Die Nächte verbrachten wir in 10 verschiedenen Unterkünften und 2 Nachtzügen, davon einmal im Liegewagen und einmal auf einem herkömmlichen Sitzplatz.
    Wir hielten uns in den Städten also durchschnittlich weniger als 1,2 Tage auf und fuhren fast jeden Tag mindestens mit einem Zug. Die Gesamtkosten (Zugfahrten, Unterkünfte, Verpflegung, Bus/Tram/Metro, Museen, ...) beliefen sich auf rund 1000 Euro pro Person.

    Unsere Reise begann am Morgen des vierten August. Wir nahmen eine Verbindung nach Basel, wo wir - kurz nach Mittag angekommen - unsere Plätze in einem 8-Bett-Zimmer des YMCA Hostels bezogen. Ohne Zögern machten wir uns daraufhin zu Fuß an die Erkundung der Stadt. Die wichtigen Sehenswürdigkeiten inklusive Universität waren schnell besichtigt und sogar im Rhein hatten wir geschwommen, als wir abends - die schöne Rheinpromenade war hell erleuchtet und von Menschen reichlich belebt - den kurzfristigen Entschluss fassten, diese Stadt schon am nächsten Morgen hinter uns zu lassen. So wollten wir auf unserer Reise zu unserm nächsten Ziel Genf einen außerplanmäßigen Aufenthalt in der Bundesstadt Bern einschieben.

    Das setzten wir auch in die Tat um und der Besuch der in jener fast künstlerisch geschwungenen Rheinkurve gebetteten Stadt stellte sich als großartige Idee heraus. Aber obwohl wir hier sogar dem Kunstmuseum einen Besuch abstatteten, war erst früher Nachmittag, als wir die Besichtigung für abgeschlossen erklärten und Bern den Rücken kehrten. Weil der Tag noch jung war und das gebuchte Vier-Bett-Zimmer im "City Hostel" in Genf auch noch bis abends warten konnte, schoben wir spontan einen mehrstündigen Aufenthalt in Lausanne ein. Extrem starker Niederschlag versauerte uns diese Idee jedoch und wir hatten zwar viel von der am Hang gelegenen Stadt gesehen, als wir am späten Nachmittag die letzte Etappe nach Genf nahmen. Sicher war jedoch, dass Lausanne bei Sonnenschein eine weitaus bessere Figur gemacht hätte.

    Nach der Nacht in Genf wurde das Wetter wieder deutlich besser. Im Schein der Morgensonne frühstückten wir am See, um uns danach im Bahnhof um die Reservierungen unserer nächsten Züge zu kümmern. Aus verschiedenen Gründen zog sich letzteres aber bis mittags hin und verlangte sogar die Neuordnung all unserer Pläne für die nächsten 5 Tage. So blieben uns für die Erkundung der wunderschönen Stadt am Genfer See nur noch wenige Stunden, bevor wir am späten Nachmittag über Lyon nach Marseille weiterreisten.

    Die französische Stadt Marseille stellte einen schmerzlichen Kontrast zur romantischen und vor allem gepflegten Stadt Genf dar. Als Brennpunkt zwischen politischer Rechten und unzähligen Migranten, hielten sich auf den verschmutzten und vermüllten Straßen Marseilles unangenehm viele zwielichte Gestalten auf. Da wir hier keine Unterkunft vorgebucht hatten, aber zwei Nächte würden verbringen müssen, hielten wir uns einige Zeit mit der Suche nach einem Hotel auf: Aufgrund eines Fußballspiels waren alle Hostels und auch die allermeisten günstigen Hotels ausgebucht.

    Ein nicht völlig unangenehmer, aber doch leicht bitterlicher Nachgeschmack blieb, als wir am Morgen des achten August über Narbonne, Perpignan und Port-Bou nach Barcelona fuhren. Bis zum Nachmittag des nächsten Tages hatte Barcelona bewiesen, dass die Schwächen Marseilles für die Hauptstadt Kataloniens kein Problem darstellten. Ganz im Gegenteil präsentierte sich Barcelona als künstlerisch, modern, traditionell, großstädtisch und dynamisch zugleich. Nur die große Masse an Touristen ließ ein wenig die Atmosphäre verloren gehen.

    Nach nur einer Nacht im "Sant Jordi" Hostel verließen wir Barcelona also wieder mit einem vorbildlich schnellen und komfortablen Zug nach Sevilla. Obwohl wir dort erst abends ankamen, empfing uns eine trockene Hitze von unglaublichen 40 Grad Celsius. Der Abend wurde noch für einen Rundgang durch die Stadt genutzt. Nach einer Nacht im 8-Bett-Zimmer des "Samay" Hostels fanden wir aber erst richtig Ruhe und Zeit, diese typisch spanisch-andalusische Stadt, deren Stil bisweilen an die Atmosphäre Mittelamerikas erinnert, gründlich zu besichtigen.

    Den Verlauf der zweiten Hälfte unserer Tour beschreibe ich in einem weiteren Artikel!

      20.08.2010 12:49 - Tags: Reisen

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