| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Heute | © TuXoR1337 | |||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | ||
| 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
| 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 |
| 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 |
| 27 | 28 | 29 | 30 | |||
| #artikel | 362 |
| #kommentare | 381 |
| #gbuch-einträge | 35 |
| #links | 583 |
| #besucher | 25049 |
| heute | 1 |
| diesen monat | 210 |
| letzten monat | 2940 |










Jeder Rhetorik-Ratgeber
und -Lehrgang geht mindestens kurz auf die Verwendung
so genannter Verzögerungslaute oder Pausenfüller ein:
äh, öhm, hmm und so fort. Die konsequente
Verdrängung dieser Laute aus dem eloquenten
Sprachgebrauch ist schon lange eine einprägsame
Grundregel der Redekunst, die in Frage zu stellen
lächerlich klingt.
Bemerkenswert ist allerdings, dass diese Laute eine so bedeutsame Stellung in Unterhaltungen einnehmen, dass man sie sogar in Chaträumen im Internet verwendet. Das verwundert vor allem, wenn man einmal hinter die anatomisch-physiologische Ursache für die scheinbar bedeutungslosen Pausenfüller gekommen ist: Tatsächlich verhindern sie nämlich, dass man förmlich aus dem Redefluss kommt, indem sie die so genannte "Sprechatmung" aufrecht erhalten und das Zurückfallen in die übliche Atemtechnik, bei der Phasen des Einatmens und Ausatmens viel gleichmäßiger verteilt sind, verhindern.
Die ausgeschriebenen Verzögerungslaute im
Internet-Chat erfüllen diese physiologische Funktion
selbstverständlich nicht. Ihre Verwendung legt also
nahe, dass sie noch mindestens einen anderen Zweck
erfüllen: Sie sind auch Informationsträger.
Diese Feststellung war auch schon Thema eines sehr
knapp gehaltenen Artikels auf der Webseite der
Zeitschrift "Bild der Wissenschaft" im Jahre 2002
[1].
In der gedruckten Ausgabe dieser Zeitschrift gab es
dann 2007 einen ausführlicheren Bericht über eine
Studie zum Thema. Das Nachrichtenportal Wienweb bezieht
sich darauf in einem Artikel [2].
Die Ergebnisse der Studien legen nahe, dass die
Verwendung der Verzögerungslaute an sinnvoll
gewählten Stellen im Redefluss die Aufmerksamkeit der
Zuhörer nachweislich erhöhen kann. Das ist auch nicht
schwer nachzuvollziehen, wenn man bedenkt, dass diese
Laute insbesondere an Stellen eingeflochten werden, an
denen der Sprecher es für notwendig hält, seine
Gedanken neu zu ordnen. Das signalisiert dem Zuhörer
entsprechend, dass jetzt etwas Kompliziertes folgen
wird. In anderen Fällen können die Pausenfüller auch
ausdrücken, dass die folgende Information mit einiger
Unsicherheit behaftet sind, und oft sind auch völlig
situationsbezogene Deutungen denkbar.
Die Verzögerungslaute verschaffen dem
Gesprächspartner also einen Einblick in eine
Gedankenebene, die im sonstigen Gesprächsinhalt nicht
zu Tage tritt. Diese Sichtweise wird insbesondere
interessant, wenn man einen anderen Artikel in der
schon zitierten Bild der Wissenschaft mit einbezieht
[3]. Hier legen Forscher die These dar, dass
die Gehirne zweier Gesprächspartner im Dialog sehr
ähnliche Aktivitäten in den relevanten Spracharealen
aufweisen. Dabei wird herausgestellt, dass dieses
Phänomen natürlich nur auftritt, wenn die Partner
verstehen, wovon sie reden. Und wenn man bedenkt, dass
auch die Verzögerungslaute eine Entsprechung im Gehirn
haben, wird man ihre Notwendigkeit oder zumindest ihren
nützlichen Charakter im Gedankenaustausch nicht mehr
leugnen können.
Die rhetorische Leitlinie, Pausenfüller zu eliminieren und eventuell sogar durch Pausen zu ersetzen, sollte also durchaus kritisch betrachtet werden. Sprechpausen, die nicht durch solche Verzögerungslaute gefüllt werden, können in vielen Fällen den Zuhörer, wenn nicht sogar den Sprecher selbst aus dem Konzept bringen. Denn der Zuhörer wird sich über die für ihn unerklärliche Kommunikationslücke wundern und der Sprecher selbst droht aus physiologischer Sicht (siehe oben) aus dem Redefluss zu geraten.
Im Oktober werde ich ein Studium an der Rheinischen
Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn beginnen. Ich
bin zwar noch nicht eingeschrieben, weil der dafür
vorgesehene Zeitraum erst Mitte September ist. Aber da
ich ein Fach ohne Zulassungsbeschränkung im Blick habe
und ich ohnehin schon vor meiner Immatrikulation an
einem Vorkurs teilnehmen werde, kann ich diesen Plan
getrost als Faktum hinstellen.
Inzwischen habe ich auch eine Unterkunft in der
ehemaligen Bundeshauptstadt gefunden. Als armer
Student, der zudem niemanden kennt, der in der gleichen
Stadt zu studieren gedenkt, entschied ich mich für
eine Bewerbung in den örtlichen Studentenwohnheimen.
Nachdem ich das nervenaufreibende Prozedere des
Bewerbungsprozesses durchgemacht hatte, musste ich
feststellen, dass die Informationslage im Internet
diesbezüglich ziemlich dürftig ist. In meinem
heutigen Artikel werde ich diese Lücke also vorerst
mit ein bisschen Detailwissen zu schließen
versuchen.
Die Zuteilung der Plätze in sämtlichen
Studentenwohnheimen Bonns ist inzwischen nahezu
komplett an das Studentenwerk übergegangen, soweit ich
das überblicke. Nähere Informationen zum
Bewerbungsprozess und zu den 38 Wohnanlagen (mit über
4200 Plätzen) sollte man auf der entsprechenden
Homepage des Studentenwerks bekommen [1].
Man kann aber nicht gerade behaupten, diese Webseite
sei uneingeschränkt übersichtlich, verständlich und
vollständig.
So wird man zwar problemlos zu der Information
gelangen, dass die Bewerbungsfrist der 20. August ist
(zum Sommersemester: 20. Februar). Wie das
Bewerbungsverfahren aber konkret abläuft, wird aber
auch unter dem Punkt "Bewerbung" nicht besonders
deutlich beschrieben. Zunächst einmal ist zu betonen,
dass beim Bewerbungsverfahren des Studentenwerks
völlig egal ist, wie früh man sich bewirbt: Am Ende
der Bewerbungsfrist gibt es eine Verlosung der Plätze
unter allen Bewerbern, die dabei sämtlich
gleichberechtigt sind.
Kein Vorteil für Frühaufsteher also - das mag
für manchen Spätzünder gerecht klingen, bringt aber
für jeden einige Nachteile mit sich: Wenn am 20.
August die Bewerbungsfrist vorbei ist, beginnt die
Bearbeitung der Bewerbungen. Es kann also durchaus bis
Anfang September dauern, bis man überhaupt eine
Rückmeldung in Form einer Losnummer erhält. Wer im
September schon nach Bonn muss, weil er dort an
Vorkursen teilnehmen will, wird in zeitliche
Bedrängnis geraten. Die eigentliche Verlosung findet
dann erst Mitte September statt und so ist nicht damit
zu rechnen, dass man sein Zimmer üblicherweise vor
Oktober schon beziehen kann.
Sollte man nach der Verlosung noch immer auf der
Straße stehen, wird es eng, auf anderem Wege eine
Wohnung zu finden. Eine gewisse Chance besteht, in
Sonderverlosungen Ende September und Oktober mit seiner
Losnummer kurzfristig ein Zimmer in einem Wohnheim zu
ergattern.
Die unangenehme Unsicherheit, die mit dem spät stattfindenden Losverfahren einhergeht, hat das Studentenwerk inzwischen anscheinend dazu veranlassen können, über eine Änderung des Bewerbungsverfahrens nachzudenken. Diese Information konnte mir eine freundliche Dame des Studentenwerks am Telefon geben. Nicht zuletzt, weil die Angaben in diesem Artikel also womöglich bald ihre Gültigkeit verlieren könnten, ist es sehr hilfreich und sinnvoll im Falle von Unklarheiten beim Studentenwerk anzurufen. Bei mir hatte das die angenehme Folge, dass ich veranlassen konnte, schon im September ein Zimmer zu bekommen.
Zu den einzelnen Wohnanlagen bleibt noch Folgendes zu erwähnen: Nur wenige verfügen über eine eigene Homepage und fast keine hat dort wirklich hilfreiche Informationen und Bilder über die Zimmer und die Anlage. Selbst die Webseite des Studentenwerks hat nicht für jedes Wohnheim, das man auf dem Bewerbungsbogen auswählen kann, eine Informationsseite. Um die Beschreibungen auf den Seiten des Studentenwerks zu verstehen, bedarf es außerdem des Vorwissens über einige Begriffe: Unter Appartement versteht man ein Zimmer für eine Person mit Kochecke/Küche und Dusche/WC. Für ein Doppelappartement, in dem zwei Personen Platz finden, kann man sich nur anmelden, wenn man bereits einen Mitbewohner hat. Den Halbappartements fehlt in der Regel die Kochmöglichkeit und in den so genannten Einzelzimmern, die überwiegend vorhanden sind, teilen sich fünf bis zehn Bewohner eine Küche und zwei bis drei Duschen und Toiletten. Einzelzimmer sind dabei in so genannten Wohnbereichen gruppiert, die einige Ähnlichkeit mit Wohngemeinschaften (WGs) aufweisen.
Wenn man also in Bonn in einem Studentenwohnheim unterkommen möchte, bringt eine frühe Bewerbung nichts - die Bewerbungsfrist sollte natürlich trotzdem eingehalten werden. Eine komplette Liste der wählbaren Wohnheime gibt es ausschließlich auf dem Bewerbungsbogen. Informationen zu den einzelnen Wohnheimen erhält man meist nur über die Webseite des Studentenwerks (Menüpunkt: Wohnanlagen) und natürlich vor Ort und auf Anfrage. Man sollte sich darauf einstellen, in zeitlichen Bedrängnis zu geraten, wenn man über das Losverfahren keinen Platz bekommt. Bei allen Rückfragen, Unklarheiten, Beschwerden und Wünschen sollte man unbedingt in direkten Kontakt mit dem Studentenwerk treten - am besten per Telefon. Dort erhält man in der Regel schnelle und freundliche Hilfe und den ein oder anderen Sonderwunsch ist man dort zu erfüllen auch nicht völlig abgeneigt.
Vom legendären
Eurotrip [1], bei dem alle bekannten,
großen und schönen Städte Europas in einer großen
Reise abgeklappert werden, träumen nicht nur
Nicht-Europäer: Es handelt sich dabei um eine beliebte
Beschäftigung für die Zeit zwischen Abitur und
Studium oder für die vorlesungsfreie Sommerzeit.
Zu Zeiten von Hochgeschwindigkeitszügen und billigen
Youth Hostels stellt man sich das auch gar nicht mehr
teuer vor: Mit einem großen Rucksack bepackt und einem
Europa-Zugticket, dem so genannten InterRail-Ticket,
ausgestattet könne selbst ein mittelloser Student auf
große Reise gehen.
Welche falschen Vorurteilen sich in dieser Vorstellung
verstecken und wie man sich so einen InterRail-Trip am
ehesten vorstellen kann, versuche ich im Folgenden zu
erläutern.
Auf der Seite der
Deutschen Bahn [2] können die
InterRail-Tarife für deutsche Bundesbürger
ziemlich übersichtlich eingesehen werden. Hier
entsteht aber schon die erste Illusion: Weil die DB auf
ihrer Webseite viel zu wenige weiterführende
Informationen anbietet, entgehen dem interessierten
InterRail-Käufer alle weiteren entstehenden Kosten und
eine ausführliche Liste der teilnehmenden
Bahngesellschaften.
Wer dazu nähere Informationen einholen möchte, schaut
am besten auf dem internationalen und offiziellen
Informationsportal [3] des "InterRail
Europe Train Pass" nach. Unter "Planning" kann man dort
eine übersichtliche Karte Europas mit den relevanten
Zugverbindungen herunterladen. Außerdem gibt es dort
Informationen, welche Züge vorab reserviert werden
müssen und welche zusätzlichen Kosten dabei
anfallen.
Im Einzelfall kann auf der Webseite der
Österreichischen Bundesbahn [4] angezeigt
werden, ob eine ganz bestimmte Zugverbindung
reservierungspflichtig ist oder nicht. Verlässliche
Informationen darüber, welche Gebühren anfallen
werden, erhält man aber fast ausschließlich am
Bahnschalter!
Zu den
Reservierungsgebühren, die für Inhaber des
InterRail-Tickets anfallen, seien einige Anmerkungen
gemacht: Reservierungspflichtige Züge gibt es in fast
jedem Land (außer z.B. der Schweiz) und Gebühren für
eine Zugfahrt können in Höhe von 4 bis 85 Euro in der
zweiten Klasse anfallen. Deutlich über 20 Euro werden
allerdings nur in Ausnahmefällen wie dem EuroStar, der
unter dem Ärmelkanal durchfährt, verlangt. Die
Benutzung von Nachtzügen fällt bisweilen noch teurer
aus: Die Preise für Nachtzüge unterscheiden sich
stark (nicht nur abhängig vom gewählten Abteil und
Komfort). Ein einfacher Sitzplatz kann für ca. 8 Euro
zu haben sein, ein Liegeplatz im 6er-Abteil kostet 25
bis 50 Euro und für 4er-Abteile und besser fallen
entsprechend Preise bis über 100 Euro an.
Im Einzelfall kann man nur sicher über die anfallenden
Kosten sein, wenn man am Bahnhof direkt nachfragt. Nur
dort können die nötigen Reservierungen schließlich
getätigt werden!
Bei alldem ist auch zu beachten, dass ein
InterRail-Ticket nie im Heimatland des Inhabers gültig
ist. Das hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass die
erste Zugfahrt, mit der man sein Heimatland verlässt,
sowie die entsprechende Rückfahrt bezahlt werden
müssen. Die Interrailer erhalten aber auf diese
Fahrten immerhin gewisse Vergünstigungen, die am
Bahnschalter erfragt werden können.
Vielen schwebt mit dem Erwerb des InterRail-Tickets auch die große Flexibilität und Spontaneität vor, die mit einem solchen Allround-Tickets einherzugehen scheint. Wer aber nicht rechtzeitig plant und in den meisten Fällen auch verbindliche Buchungen vornimmt, wird keinen Spaß mit seinem InterRail-Ticket haben.
Die oben genannten Zugreservierungen sollten schon Tage
oder Wochen vor der Fahrt getätigt werden. Zum einen
sind Züge auf viel befahrenen Strecken tatsächlich
bisweilen Tage vorher ausgebucht. Zum anderen ist
zusätzlich das Fahrkarten-Kontingent für
InterRail-Benutzer begrenzt. Man muss außerdem leider
sagen, dass man selbst an Bahnschaltern oft falsche
Informationen über die Verfügbarkeit bestimmter
Plätze bekommt. Für mehrere Schnellzüge und zwei
Nachtzüge, die wir in Genf nicht buchen konnten - sie
waren angeblich ausgebucht -, konnten wir in Marseille
problemlos Plätze reservieren.
Bei der Reservierung von Zügen ergeben sich noch
weitere Probleme: Wer in der Schweiz ausländische
Züge buchen will, muss damit rechnen, 5 Franken (etwa
3,50 Euro) Aufschlag zu bezahlen. Einen solchen
Aufschlag verrechnete man weder in Frankreich noch in
Spanien. In Portugal wiederum war es überhaupt nicht
möglich, ausländische Züge zu reservieren. Wenn man
Portugal also mit einem bestimmten Zug verlässt, muss
man eventuelle Anschlusszüge kurzfristig am
Umsteigebahnhof buchen, wenn man das nicht schon vor
der Einreise nach Portugal erledigt hat. Ähnliche
Probleme könnten sich in anderen Ländern ergeben -
eine frühzeitige Planung und Buchung kann dem
Interrailer diese Strapazen ersparen.
Die Unterkunft
bei einem solchen EuroTrip ist übrigens nicht so
einfach gefunden, wie man sich das bisweilen
vorstellt.
Zelten ist durchaus nicht die einfachste und billigste
Variante. Auch hier fallen Zeltplatzgebühren an und
abgesehen von dem geringen Komfort, den man beim Zelten
im Allgemeinen erfährt, dürfte es mühsam sein,
ständig ein Zelt (zzgl. Isomatte und Schlafsack) mit
sich herumzutragen, das man bei häufigem Ortswechsel
abends auf- und morgens wieder abbauen und bei Regen
notgedrungen nass wieder in die Schutzhülle stopfen
muss. Zeltplätze sind gerade in großen Städten eher
ungünstig gelegen, sodass weitere Kosten für den
Transfer in die Innenstadt anfallen können.
Auch in Hostels kommt man nur günstig unter, wenn man
frühzeitig bucht. Man sollte sich wirklich ersparen,
ohne Buchung in eine bestimmte Stadt zu kommen, um dann
zu erfahren, dass gerade eine besondere Veranstaltung
einen Besucheransturm provoziert, sodass alle
günstigen Übernachtungsmöglichkeiten bereits
ausgebucht sind.
Buchungen nimmt man am besten bei großen Webseiten wie
Hostelworld [5] vor, wo man gute
Möglichkeiten hat, Preise zu vergleichen,
Verfügbarkeiten zu überblicken und Erfahrungsberichte
zu lesen.
Auch bei günstigen Hostels kann man im Sommer mit durchschnittlichen Kosten von knapp unter 20 Euro pro Nacht - zumeist ohne Frühstück - rechnen. Über den Tag kommt man wohl nicht mit weniger als 10 Euro aus, man sollte eher mit 15 Euro oder mehr rechnen. Pro Zug fallen durchschnittlich 5 Euro Reservierungsgebühren an. Die genannten Kosten können sich stark vermehren, wenn man in teuren Ländern wie der Schweiz oder Schweden unterwegs ist, viele Museen besucht, in Restaurants speist, viele Nachtzüge und internationale Fernzüge verwendet oder Taxi-, Metro-, Tram- und Busfahrten reichlich in Anspruch nimmt.
Außerdem sollte man sich keinen Illusionen hingeben,
wie viele unterschiedliche Orte man in einer bestimmten
Zeit besuchen kann. Wer beispielsweise alle großen
Hauptstädte Europas auf seinem InterRail-Trip besuchen
will, sollte extrem lange Zugfahrten und eine
Gesamtreisedauer von mindestens einem Monat einplanen,
in der man nur höchstens eine Übernachtung in jeder
Stadt erlebt.
Ein Dilemma bleibt: Wer nicht viel Zug fährt und sich
lange an einem Ort aufhält, für den rentiert sich das
InterRail-Ticket womöglich preislich nicht. Wer die
Möglichkeiten des InterRail-Tickets ausnutzen will,
muss mit langen Zugfahrten und wenig Zeit an jedem
einzelnen Ort rechnen. Auf meinem vergangenen
InterRail-Trip habe ich beispielsweise fast jeden Tag
mindestens einen Zug benutzt und kam so insgesamt auf
Zugkosten von unter 400 Euro in 15 Tagen. Ohne
InterRail-Ticket wären Kosten von mindestens 700 Euro
angefallen. Ich halte es kaum für möglich, mehr als 4
Länder in 15 Tagen zu besuchen, wenn man nicht
unvernünftig lange Zugfahrten in Kauf nimmt.
Die Gesamtkosten für die 15tägige Reise beliefen sich
auf etwa 1000 Euro und ich halte das für einen
ziemlich niedrigen Wert. Ob man sich als Student also
eben mal einen solchen Trip leisten kann, ist
fraglich.
Als Fazit bleibt
also zu sagen: Ein InterRail-Trip kann nur schwerlich
ein richtiger Eurotrip werden, schon gar nicht ein
günstiger. Hoffnung auf besondere Spontaneität sollte
man sich nicht machen, sondern im Vornherein so viel
wie möglich buchen und reservieren. Und zuletzt sollte
man nicht blind davon ausgehen, dass sich das
InterRail-Ticket in jedem Fall preislich lohnt. Für
Frühbucher gibt es nicht nur in Deutschland ziemlich
günstige Zugfahrten und daher sollte nicht nur, wer
lieber eine Hand voll Städte besichtigen will und dort
jeweils mindestens 3 Tage bleiben möchte, unbedingt
die Rentabilität des InterRail-Tickets ausführlich
prüfen.
Dieser Artikel schließt an einen Artikel über die erste Hälfte der Reise (Basel, Bern, Lausanne, Genf, Marseille, Barcelona, Sevilla) an!
Nach dem
eindrucksvollen Besuch Sevillas brachte uns ein
Schnellzug nachmittags nach Madrid. In der
spanischen Hauptstadt verbrachten wir zwei Nächte im
Hostel "La Posada de Huertas", das durch unglaublich
günstige Preise und mit seiner günstigen Lage im
Stadtteil Huertas bestach.
Das Hostel bot am gleichen Abend noch einen so
genannten "Pub Crawl" an, bei dem wir einige
Hostel-Mitbewohner kennen zu lernen erhofften. Diese
Kneipentour durch drei Bars und eine Diskothek brachen
wir allerdings schon nach zwei Bars ab: Zum einen
hatten sich die Bars als extrem klein, verraucht und
musikalisch desorientiert herausgestellt. Zum anderen
waren wir nach den vergangenen Tagen des
"Schnellbesichtigens" zu erschöpft, um die Nacht lang
werden lassen zu können.
Am kommenden Tag gab es wieder ein nettes Angebot des
Hostels: Die "Free Tour" durch Madrid, bei der ein
Führer namens Pablo aus Argentinien dreieinhalb
Stunden zu Fuß durch die Stadt führte. Aus
unterschiedlichen Hostels fanden sich zu dieser
Veranstaltung 30 bis 40 Teilnehmer zusammen und ganz
kostenlos war es auch nicht, bestand Pablo doch
schlussendlich auf seine 5 bis 15 Euro Trinkgeld -
schade nur, dass er zur wirklichen Historie der
Sehenswürdigkeiten das ein oder andere hinzuerfand und
nicht selten seine politische Sichtweise über die
Führung zu propagieren versuchte.
Die große und sehenswerte, aber viel zu hektische und zu wenig jugendliche Hauptstadt verließen wir am zwölften August in Richtung Salamanca. Die Auszeichnung als UNESCO Weltkulturerbe hat das historische Stadtzentrum wirklich verdient: Die Gebäude der mittelalterlichen Universität, die spätmittelalterlichen Klöster und Kirchen, die berühmte Plaza Mayor, die meiner Meinung nach den gleichnamigen Platz in Madrid an Zierde übertrifft, eine römische Brücke, das Jugendstilhaus Casa Lis und viele andere authentische Bauwerke lassen Salamanca im Schein der Geschichte erstrahlen. Dabei ist das Stadtzentrum wirklich in hervorragendem Zustand und nur die äußeren Stadtbezirke um das Zentrum auf der nordöstlichen Seite des Flusses können den überwältigenden Eindruck trüben.
Nach einer Nacht im "Rincon de Sito" - eher ein
unschlagbar günstiges Hotel mit Zwei-Bett-Zimmern als
ein Hostel - und einer Nacht in den Bars und
Diskotheken Salamancas brachte uns ein Nachtzug langsam
und unkomfortabel über die Grenze in die
portugiesische Hauptstadt Lissabon (port.
Lisboa), wo wir zwei Nächte im ansprechend
eingerichteten, aber personalmäßig unfreundlichen
"Kitsch Hostel" verbrachten.
Lissabon bot uns viele sehenswerte historische Bauwerke
- darunter ein Aquädukt des 18. Jahrhunderts -, ein
Kunstmuseum und ein Jazz-Festival. In die lokalen
Szene-Clubs trauten wir uns mit unserer
"Backpacker-Bekleidung" nicht hinein und die vielen
sehenswerten äußeren Stadtbezirke (Belém, Sintra,
...) zu besichtigen versagte uns der knappe zeitliche
Rahmen.
Schon die Hauptstadt machte einen etwas
heruntergekommenen Eindruck - insbesondere im Vergleich
mit der strahlenden Stadt Salamanca -, unser nächstes
Ziel Porto übertraf Lissabon aber in dieser
Hinsicht leider noch.
Wir kamen hier zwar in dem günstigen, nagelneuen und
super sauberen "Spot Hostel" unter, das Stadtzentrum
und die Bezirke, die wir auf der anderen Seite des
Flusses sehen konnten, boten aber bisweilen keinen
schönen Anblick. Schön waren der Strand an der
Atlantikküste (allerdings ziemlich frisch), die
Uferpromenade und einzelne Bauwerke wie die
Luís-Brücke, die Avenida los Aliados und die Casa da
Música.
Die saubere, klimatisierte und mit Loungemusik unterlegte Metro, wie sie auch in Lissabon schon vorzufinden war, brachte uns nach einer Übernachtung zum Bahnhof, von wo aus wir Santiago de Compostela ansteuerten. Die kleine Stadt im galizischen Spanien, die von Pilgern überlaufen war, bot uns eine außerordentlich ansehnliche Kathedrale und ein insgesamt ziemlich sehenswertes Stadtzentrum. Außerdem wohnten wir für kurze Zeit einem lokalen Musik- und Kurzfilmfestival bei.
Unsere letzte Nacht in einem Hostel auf dieser Reise hatten wir im vor leider ungünstig gelegenen "Meiga Backpackers" Santiago verbracht. Ein unglaublich langsamer Zug brachte uns daraufhin in 11 Stunden nach Hendaye, wo wir in einen Nachtzug Richtung Paris stiegen. Nach einer angenehmen - wenn auch kühlen - Nacht im Liegeabteil blieben uns 12 Stunden in der zu Recht bekannten, gelobten, aber meistens mit Touristen überlaufenen französischen Hauptstadt, die wir mit einer Erkundung der bekanntesten Sehenswürdigkeiten gut auszunutzen wussten - sogar dem Louvre und dem Centre Pompidou konnten wir in der kurzen Zeit einen Besuch abstatten.
Als wir nun in der Nacht vom 19. auf den 20. August
wieder endlich in unseren heimischen Betten schlafen
durften, konnten wir eine gewisse Erleichterung nach
den Strapazen, die mit dem ständigen Ortswechsel und
den ehrgeizigen Erkundungstouren einhergegangen waren,
nicht leugnen. Außerdem ist es nach 13 Städten
wirklich mal an der Zeit, das erlebte zu verarbeiten
und eine Pause einzulegen.
Angesichts der Tatsache, dass auf der Welt noch so
unglaublich viele Orte darauf warten, besucht zu
werden, bleibt einem ehrgeizigen Weltenbummler ohne
viel Zeit und Geld nichts übrig, als sich entweder mit
wenigen Orten zufrieden zu geben, oder jedem einzelnen
Ort weniger Zeit und Aufmerksamkeit entgegenzubringen,
wie wir es in den vergangenen 16 Tagen getan haben. Wir
können nämlich nicht leugnen, dass wir zwar viel
gesehen, aber nichts wirklich gründlich erkundet
haben. Die historischen, architektonischen und
statistischen Hintergründe der besuchten
Sehenswürdigkeiten blieben uns nämlich
zugegebenermaßen überwiegend verborgen. Dazu kam,
dass wir oft Eintrittsgelder für Kirchen, Schlösser
und andere Gebäude scheuten und uns darüber hinaus
mit flüchtigen Blicken - oft ohne im Lauf innezuhalten
- zufrieden gaben.
Ein Artikel über unsere Erfahrungen mit dem InterRail-Ticket und die organisatorischen Punkten der Reise wird noch folgen.
Die vergangenen zwei
Wochen, seit dem vierten August, bereiste ich in
Begleitung eines Freundes Westeuropa: Mit einem 15 Tage
gültigen InterRail Global Pass ausgestattet steuerten
wir 13 Städte in vier verschiedenen Ländern an. Die
Nächte verbrachten wir in 10 verschiedenen
Unterkünften und 2 Nachtzügen, davon einmal im
Liegewagen und einmal auf einem herkömmlichen
Sitzplatz.
Wir hielten uns in den Städten also durchschnittlich
weniger als 1,2 Tage auf und fuhren fast jeden Tag
mindestens mit einem Zug. Die Gesamtkosten (Zugfahrten,
Unterkünfte, Verpflegung, Bus/Tram/Metro, Museen, ...)
beliefen sich auf rund 1000 Euro pro Person.
Unsere Reise begann am Morgen des vierten August. Wir nahmen eine Verbindung nach Basel, wo wir - kurz nach Mittag angekommen - unsere Plätze in einem 8-Bett-Zimmer des YMCA Hostels bezogen. Ohne Zögern machten wir uns daraufhin zu Fuß an die Erkundung der Stadt. Die wichtigen Sehenswürdigkeiten inklusive Universität waren schnell besichtigt und sogar im Rhein hatten wir geschwommen, als wir abends - die schöne Rheinpromenade war hell erleuchtet und von Menschen reichlich belebt - den kurzfristigen Entschluss fassten, diese Stadt schon am nächsten Morgen hinter uns zu lassen. So wollten wir auf unserer Reise zu unserm nächsten Ziel Genf einen außerplanmäßigen Aufenthalt in der Bundesstadt Bern einschieben.
Das setzten wir auch in die Tat um und der Besuch der in jener fast künstlerisch geschwungenen Rheinkurve gebetteten Stadt stellte sich als großartige Idee heraus. Aber obwohl wir hier sogar dem Kunstmuseum einen Besuch abstatteten, war erst früher Nachmittag, als wir die Besichtigung für abgeschlossen erklärten und Bern den Rücken kehrten. Weil der Tag noch jung war und das gebuchte Vier-Bett-Zimmer im "City Hostel" in Genf auch noch bis abends warten konnte, schoben wir spontan einen mehrstündigen Aufenthalt in Lausanne ein. Extrem starker Niederschlag versauerte uns diese Idee jedoch und wir hatten zwar viel von der am Hang gelegenen Stadt gesehen, als wir am späten Nachmittag die letzte Etappe nach Genf nahmen. Sicher war jedoch, dass Lausanne bei Sonnenschein eine weitaus bessere Figur gemacht hätte.
Nach der Nacht in Genf wurde das Wetter wieder deutlich besser. Im Schein der Morgensonne frühstückten wir am See, um uns danach im Bahnhof um die Reservierungen unserer nächsten Züge zu kümmern. Aus verschiedenen Gründen zog sich letzteres aber bis mittags hin und verlangte sogar die Neuordnung all unserer Pläne für die nächsten 5 Tage. So blieben uns für die Erkundung der wunderschönen Stadt am Genfer See nur noch wenige Stunden, bevor wir am späten Nachmittag über Lyon nach Marseille weiterreisten.
Die französische Stadt Marseille stellte einen schmerzlichen Kontrast zur romantischen und vor allem gepflegten Stadt Genf dar. Als Brennpunkt zwischen politischer Rechten und unzähligen Migranten, hielten sich auf den verschmutzten und vermüllten Straßen Marseilles unangenehm viele zwielichte Gestalten auf. Da wir hier keine Unterkunft vorgebucht hatten, aber zwei Nächte würden verbringen müssen, hielten wir uns einige Zeit mit der Suche nach einem Hotel auf: Aufgrund eines Fußballspiels waren alle Hostels und auch die allermeisten günstigen Hotels ausgebucht.
Ein nicht völlig unangenehmer, aber doch leicht bitterlicher Nachgeschmack blieb, als wir am Morgen des achten August über Narbonne, Perpignan und Port-Bou nach Barcelona fuhren. Bis zum Nachmittag des nächsten Tages hatte Barcelona bewiesen, dass die Schwächen Marseilles für die Hauptstadt Kataloniens kein Problem darstellten. Ganz im Gegenteil präsentierte sich Barcelona als künstlerisch, modern, traditionell, großstädtisch und dynamisch zugleich. Nur die große Masse an Touristen ließ ein wenig die Atmosphäre verloren gehen.
Nach nur einer Nacht im "Sant Jordi" Hostel verließen wir Barcelona also wieder mit einem vorbildlich schnellen und komfortablen Zug nach Sevilla. Obwohl wir dort erst abends ankamen, empfing uns eine trockene Hitze von unglaublichen 40 Grad Celsius. Der Abend wurde noch für einen Rundgang durch die Stadt genutzt. Nach einer Nacht im 8-Bett-Zimmer des "Samay" Hostels fanden wir aber erst richtig Ruhe und Zeit, diese typisch spanisch-andalusische Stadt, deren Stil bisweilen an die Atmosphäre Mittelamerikas erinnert, gründlich zu besichtigen.
Den Verlauf der zweiten Hälfte unserer Tour beschreibe ich in einem weiteren Artikel!

©Copyright 2007 Impressum
Seitenaufbau in: 0.091707 Sekunden.