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19. Juli 2008
Einmal Kultur und zurück - Der Hamburgreise zweiter Teil

Dieser Artikel beschreibt den zweiten Teil meiner Hamburgreise, über die ich bereits in einem früheren Artikel berichtet habe.

mittwoch // Nach einer ausgiebigen Mütze Schlaf ging es am Mittwoch etwas später als am ersten Tag mit dem Programm los. Das erste Ziel war eine Ausstellung des lettisch-amerikanischen Expressionisten Mark Rothko in der Hamburger Kunsthalle. Die über 100 Exponate umfassten sein Werk von den Anfängen an. Dabei überwiegen Rothkos Arbeiten im Bereich der Farbfeldmalerei, den er gleichsam begründete wie prägte. Hier handelt es sich um ein abstraktes Spiel mit Farben, bei dem vor allem Stimmungen durch das Zusammenwirken verschiedener Farbtonfelder geschaffen werden sollen. Manchmal fiel es mir schwer, Verbindung zu den Gemälden herzustellen, doch der Besuch dieser Ausstellung war sicherlich die Erfahrung wert.

Auf eine Empfehlung hin schlossen wir die Besichtigung einer weiteren Gallerie an, in der unter dem Titel Noch einmal leben Porträt-Fotografien von Menschen kurz vor und nach ihrem Tod gewürdigt werden wollten. Hinzugefügt waren jeweils Aussagen und Beschreibungen der letzten Tage der abgebildeten Menschen. Ich halte schon das Konzept für eine hervorragende Idee, die dazu noch hervorragend umgesetzt wurde.

Heute sollte das Mittagessen wieder an einem besonderen Ort stattfinden: dem Edelcurry. Dabei handelt es sich um ein ganz besonderes Restaurant: In "edlem" Ambiente wird die allseits bekannte Currywurst - aus der Hand eines Gourmet-Kochs unter hochwertigen Bedingungen aus den besten Zutaten zubereitet - serviert. Die Fast-Food-Wurst erhält hier einen ganz neuen Charakter und mundet tatsächlich sehr gut.

Am Nachmittag lud nun noch Hamburgs Kongresszentrum zu einer Kunst-Ausstellung der Bilder des vor einem Jahr verstorbenen Düsseldorfer Künstlers Jörg Immendorff, der beachtlicherweise vom Beruf eines Hauptschullehrers in wenigen Jahren zu einem der bekanntesten deutschen Nachkriegs-Künstlerpersönlichkeiten wurde. Sein Stil entspricht der zeitgenössischen Kunst und die Werke bringen mit einem guten Teil Abstraktion gewürzt stets eine politisch-gesellschaftliche Aussage mit, was die Betrachtung besonders interessant macht. Die Immendorff-Ausstellung war sehr umfangreich und ich hatte bei der Besichtigung viel Spaß.

An diesem Abend sollte es noch nicht gleich ins Nacht-Quartier gehen. Vorerst war eine Musik-Vorführung im Thalia-Theater an der Reihe. Hier gab das Quartett Salut Salon sein Repertoire zum Besten. Das Programm bestand aus authentischen Klassik-Stücken, kreativen Überarbeitungen bekannter Motive und Eigenkompositionen. Frisch-fröhlich wurden die einzelnen Punkte zu einem Gesamtwerk abgerundet, wobei die vier jungen Damen den konservativen Theatersaal und seine Besucher effektiv aufmischten: Für den Studenteneintrittspreis von nur 8 Euro erhielten wir ein durchaus unterhaltsames und abwechslungsreiches Abendprogramm.

donnerstag // Der letzte Tag des Hamburg-Aufenthaltes sollte ein wenig kürzer werden. Morgens mussten alle Sachen gepackt werden und schon am Spätnachmittag sollte es wieder mit dem Zug in Richtung Heimat gehen. Der Vormittag ging komplett beim Besuch der Ausstellung Fragen & Blumen von Peter Fischli und David Weiss in den Deichtorhallen drauf. Den Eintritt gab es für Minderjährige wieder mal für lau und die Ausstellungsstücke bestanden aus Fotos, Videos, Grafiken und Skulpturen. Mir persönlich hat dieser Programmpunkt im Rückblick sogar am besten gefallen. Die Künstler legten eine erstaunliche Vielfalt an den Tag und wussten zu beeindrucken, zu unterhalten und zu belehren im gleichen Maße. Die Ideen, die den Exponaten zugrunde lagen, waren außergewöhnlich genial und extrem gut umgesetzt.

Bevor wir uns jetzt allerdings endgültig von der Hansestadt verabschiedeten, sollte noch mal ausgiebig und vor allem exklusiv gegessen werden. Die Voraussetzungen dafür erfüllte das Restaurant River Kasematten, das zwar der teuerste Gastronomiebetrieb auf unserer Reise war, aber auch wirklich mit Abstand das beste Ambiente und die feinsten Speisen anbot. Um die doch recht teuren Preise für Karten-Gerichte zu umgehen, nahmen wir das tägliche Mittagsbüffet wahr, bei dem man für knapp 10 Euro ausgiebig mit Futter versorgt wird. Doch nicht durch das Essen besticht dieses Restaurant vorrangig, sondern vielmehr durch eine exklusive Atmosphäre: Stühle, Tische, Wände, Deckenlampen, Geschirr, Besteck, Theke und die übrigen Elemente sind konsequent in einheitlichem Stil ausgewählt. Im Hintergrund läuft die beste Musik, die ich mir für nicht nur dieses sondern überhaupt für jedes Restaurant und Café vorstellen kann: Chill-Out-Lounge... Wer einmal eine Reise nach Hamburg begeht, sollte einen Besuch dieses Restaurants auf keinen Fall unterlassen!

Ich hoffe, ich konnte in diesem Reisebericht ein paar interessante Aspekte anbringen, die Hamburg ein bisschen in anderem Licht erstrahlen lassen. Es gibt hier nicht nur Hafen und Reeperbahn. Kultur und Muße verstecken sich hinter jeder Straßenecke, man muss nur ein bisschen die Augen offen halten, dann fallen einem auch Gebäude wie die extravagante Villa e96 auf, die ich hier auf jeden Fall noch erwähnt haben wollte.

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