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7. Januar 2010
Zwei Tage Bonn

Die ehemalige Bundeshauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Bonn. Nach der Gründung der BRD war ein Grund für die Wahl dieser Stadt sicherlich ihre geringe Bedeutung. Man hatte nämlich eigentlich auf eine baldige Wiedervereinigung gehofft, die dann die Ernennung Berlins zur gesamtdeutschen Hauptstadt mit sich bringen sollte. Hätte man statt Bonn beispielsweise Frankfurt gewählt, hätte diese ohnehin schon sehr große Stadt vermutlich Berlins Ansprüche auf den Titel nach der Wiedervereinigung streitig gemacht.

Nun ist Bonn auch heute noch mit gut dreihunderttausend Einwohnern keine überaus große Stadt. Aber einige Vorteile hat Bonn dennoch der einstmaligen Wahl zur Bundeshauptstadt zu verdanken. So trägt sie heute den Titel "Bundesstadt" und beherbergt als solche eine Vielzahl der Bundesministerien. Es gibt sogar das Gesetz, dass in den Bonner Ministerien mehr Personen angestellt sein müssen als in den Berliner Ministerien. Außerdem erhielt Bonn nach der Ernennung Berlins zur Bundeshauptstadt eine zehnstellige Ausgleichszahlung.

Als Geburtsort Beethovens hat Bonn auch kulturelle Bedeutung. Überall finden sich Standbilder des großen klassischen Komponisten und viele Gebäude wurden nach Beethoven benannt. Da hört es mit der Kultur in Bonn allerdings zugegebenermaßen noch nicht auf. Hier finden sich einige (Kunst-)Museen und Oper, Theater und Philharmonie fehlen natürlich auch nicht.

Ich war zwei Tage in Bonn und habe dort einige interessante Feststellungen machen können. Enttäuschend war zum Beispiel der Bahnhof, der hässlich, alt und insgesamt unattraktiv wirkte, obwohl es sich ja eigentlich um einen ICE-Bahnhof handelt. Der Fuldaer Bahnhof gefällt mir dagegen fast besser und das will etwas heißen.
Insgesamt ist das Stadtbild nicht aufregend. Wenn man das Panorama-Foto auf der Wikipedia-Seite anguckt, wird das deutlich. So monumentale Gebäude wie der Dom in Fulda fehlen. Dieser Schein trügt allerdings in gewissem Maße.
Schöne Gebäude gibt es in Bonn nämlich durchaus, sie stechen nur nicht genug heraus. Das Hauptgebäude der Universität ist zum Beispiel ein eigentlich sehr nett anzusehendes Schloss (siehe Artikelbild). Außerdem gibt es ganze Straßenzüge mehr oder weniger schöner Jugendstil-Reihenhäuser. Dann ist da noch das Bonner Münster - eine große romanische Kirche, die sich ganz prächtig ausnimmt, wenn man direkt davorsteht.

Bonn hat auch eine ruhige Fußgängerzone aufzuweisen. Es gibt dort viele kleine Geschäfte, die sich eng aneinanderreihen. Die Straßen sind in dieser Zone ungewöhnlich schmal. Man muss es mögen - große Galerien und Kaufhäuser lässt Bonn nämlich vermissen - mal abgesehen von den obligatorischen Kaufhof und Karstadt.

Die Kunsthalle und das Kunstmuseum zeitgenössischer Kunst haben übrigens tatsächlich einige interessant anzuschauende Werke zu bieten. Nur die Universität sieht von innen ein gutes Stück unspektakulärer aus als von außen. Das trifft übrigens nicht auf das mathematische Institut zu. Das Gebäude dieses Instituts wirkt sowohl von außen wie auch von innen sehr gepflegt und attraktiv.

Der Gesamteindruck von Bonn ist gar nicht negativ, wie es mir manche prophezeit hatten. Eine langweilige, charakterlose und hässliche Stadt ist Bonn allemal nicht. Gegen Metropolen wie Leipzig, Frankfurt, München, Hamburg oder gar Berlin kommt sie natürlich nicht an. Die Beschaulichkeit hat aber auch bekanntermaßen ihre Vorteile.

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