tovotu

24. November 2011, 22:40 Uhr
Musikalische Begleitung beim Schwimmen: Speedo Aquabeat 1GB

Schwimmen zählt schon seit vielen Jahren zu meinen Hobbys und ist die einzige Sportart, die ich je über einen längeren Zeitraum regelmäßig betrieben habe. Daran wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern: Schwimmen ist gesund und erfrischend. Lediglich ein Schwimmbad ist nicht überall und jederzeit zur Hand und man wird nicht leugnen können, dass man nicht immer in der Stimmung ist, bis zu zwei Stunden alleine seine eintönigen Bahnen zu ziehen. Für die Motivation gelangweilter Schwimmer führt Speedo, der australische Hersteller für Schwimmartikel aller Art, seit einiger Zeit einen wasserdichten MP3-Player, den "Speedo Aquabeat".

Nachdem ich schon seit über einem Jahr immer mal wieder nach diesen Geräten geschielt hatte, kaufte ich mir in einer Spontanaktion vor wenigen Wochen die Version mit 1 GB Speicher. Bei identischer Ausstattung hatte ich die Wahl zwischen grün, pink und schwarz. Wer mit einem MP3-Player schwimmt, wird den ein oder anderen neugierigen Blick nicht verhindern können. Diesem Umstand wollte ich nicht auch noch mit knalligen Signalfarben zuträglich sein und entschied mich für das dezente Schwarz.

Das kleine Gerät macht einen äußerst robusten Eindruck. Dabei ist es sehr leicht, kann aber mit einer gummierten, widerstandsfähigen Oberfläche überzeugen. Das Problem eines störenden Ohrhörerkabels hat man intelligent gelöst: Wie das Kabel an klassischen Telefonhörern ist das Kabel verdrillt und dadurch zugleich platzsparend und bei Bedarf ausreichend dehnbar. Die Erfahrung des Youtube-Nutzers,[1] dem die Gummiaufsätze der Ohrhörer im Gehörkanal stecken blieben, teile ich nicht. Bei Bedarf lassen sich die Gummiaufsätze tatsächlich ohne Mühe entfernen (und gegen die mitgelieferten in drei unterschiedlichen Größen austauschen). Die Gefahr, dass sich diese im Ohr lösen, halte ich dennoch für gering.

Die wenigen Tasten erlauben nicht die Organisation größerer Musiksammlungen. In der Regel hat man im Wasser sowieso Besseres zu tun und beschränkt sich hauptsächlich auf die Lautstärkeregelung, was dank der haptischen Tastenoberfläche auch wunderbar blind funktioniert, wenn der Aquabeat an der Schwimmbrille am Hinterkopf befestigt ist. Die Musiktitel werden über das mitgelieferte USB-Kabel vom Computer übertragen, auf dem sich der Aquabeat (auch unter Linux, getestet mit Fedora 15 und 16) als herkömmlicher Massenspeicher zu erkennen gibt. Die Titel werden anschließend in der Reihenfolge abgespielt, in der man sie rübergeladen hat. Diese Reihenfolge lässt sich nachträglich mit der mitgelieferten Software verändern. Alternativ kann man die Software verwenden, die ich in meinem Artikel zu diesem Thema empfohlen habe [2].

Wie man den Aquabeat an einer Schwimmbrille befestigt und die Ohrhörer anzieht, beschreibt eine YouTube-Nutzerin recht ausführlich [3]. Dem ist allerdings hinzuzufügen, dass die Ohrbügel nicht jedermanns Sache sind. Ich habe sie kurzer Hand entfernt. Wie das dann aussieht, kann man auf meinen Fotos beäugen:

Hat man sich erstmal bewusst je nach Größe der Ohren für oder gegen die Ohrbügel entschieden, ist der Tragekomfort erstaunlich gut. Eigene Erfahrungen konnte ich zwar nur mit Badekappe machen, weil in dem Schwimmbad, in dem ich trainiere, Badekappenpflicht besteht. Ich habe aber ohnehin das Gefühl, dass die Badekappe den Sitz der Ohrhörer sogar verbessert und effektiv dazu beiträgt, dass kein Wasser in den Gehörgang gerät. Nach spätestens 45 Minuten wird es in der Regel trotzdem vorkommen, dass ein Ohrhörer verrutscht und neu eingesetzt werden muss - ein kaum störender Umstand. Lästiger ist die Tatsache, dass die Ohrhörer, die recht tief im Gehörgang stecken, ziemlich zu drücken beginnen, nachdem man 40-50 Minuten mit ihnen geschwommen ist.

Obwohl Speedo seine Aquabeat-Reihe in Zusammenarbeit mit iRiver, dem Spezialisten für portable Musikspieler, entworfen hat, sollte man von der Tonqualität keine Wunder erwarten. Zum einen stellt das Verschließen gegen eindringendes Wasser begreiflicherweise eine Einschränkung für die Technik der Kopfhörer dar. Zum anderen ist ja ständig das je nach Schwimmart mehr oder weniger dezente Rauschen des Wassers zu hören. Von satten Bässen kann man unter diesen Umständen nur Träumen. Wem Musik so keinen Spaß macht, kann immer noch dem ein oder anderen Hörbuch/Hörspiel lauschen: Eine Folge der "Drei Fragezeichen" beispielsweise passt wunderbar in eine ausgewogene Trainingseinheit.

Für ein paar Euro mehr bekommt man das Nachfolgemodell mit Namen Speedo LZR Racer Aquabeat, das mit einem leicht überholten Design, neuen Kopfhörern und 2GB Speicher auftrumpft. Der Aufpreis ist zwar nur gering, aber es steht in Frage, ob man wirklich 2GB Speicher braucht, wenn man seine Titel sowieso ohne Display verwalten muss, von besonders hoher Aufnahmequalität wenig profitiert und in der Regel nicht länger als zwei Stunden am Stück hört. Das Design ist Geschmacksache. Bleiben die Ohrhörer: Hier scheint das Kabel in die Ohrbügel integriert worden zu sein. Diese Kabelführung könnte Kabelbrüche zwar effektiv verhindern. Ob die Ohrbügel aber unter diesen Umständen noch abnehmbar sind, ist fraglich.

Ein Hinweis darauf, dass das überarbeitete Kopfhörer-Design des 2GB-Modells sich nicht bewähren konnte, ist, dass es inzwischen den "Aquabeat 2.0" gibt, der wieder mit den alten Kopfhörern ausgestattet wurde. Er versucht mit einem rundum erneuerten Design, 4GB Speicher und einem Display zu überzeugen und bewegt sich preislich noch moderate 20-30 Prozent über seinen Vorgängern.

Doch es gibt auch Alternativen zu Speedo. Deutlich günstigere wasserdichte Musikspieler kommen aus dem weitgehend unbekannten Hause Lavod (z.B. LFA-299 X). Modelle mit Nackenbügel findet man auch, wenn man die Suche auf den internationalen Markt ausweitet. Für Schwimmer, die bereits einen herkömmlichen Musikspieler besitzen, werden auf waterproofmusic.com [4] passende wasserdichte Hüllen und Ohrhörer vertrieben. Und zuletzt gibt es das bemerkenswerte Konzept des etwas teureren Finis SwiMP3, bei dem der Ton nicht über herkömmliche Ohrhörer ans Trommelfell gelangt. Stattdessen werden die Schallwellen direkt über die Knochen geleitet (so genannter Knochenschall).

Mancheiner mag einen Musikspieler beim Schwimmen als Spielerei bezeichnen und das wird man nur schwerlich bestreiten können. Doch Potenzial, die Motivation für regelmäßiges Schwimmtraining zu erhöhen, hat so ein Spielzeug allemal. Eine gewisse Skepsis gegen dieses Gerät ist allerdings gesund: Ein Schwimmtraining ohne Trainer und Begleitung hat schließlich immer auch etwas Meditatives, das ein Stück weit zwar von der richtigen Musik unterstützt werden kann, in der Regel aber nicht unerheblichen Schaden nimmt. Das einsame Bahnenziehen bietet eine in der heutigen Zeit seltene Gelegenheit, mental zur Ruhe zu kommen, zu sich selbst zu finden. Auch wenn der wasserdichte MP3-Player also eine tolle Unterhaltung bietet, sollte man ihn vielleicht dennoch von Zeit zu Zeit auch mal am Beckenrand liegen lassen.

  1. youtube.com/watch?v=od_IvOyUCMI
  2. tovotu.de/blog/442-...-auf-ID3v1-reduzieren
  3. youtube.com/watch?v=Mli_0ys2RP4
  4. waterproofmusic.com

Kommentare

Administrator 30. November 2011, 00:43 Uhr

Der MP3-Player Aquabeat, um den es im Artikel geht, hat herkömmliche Kopfhörer, keinen Knochenschall. Da gibt es auch keinen Unterschied zwischen unter Wasser und über Wasser. Aber von den Geräten mit Knochenschall (Finis SwiMP3) hört man auch heute noch, dass sie über Wasser nicht richtig klingen und sich der Sound deswegen ungünstig verändert, wenn man bspw. Brust schwimmt.

Moritz 30. November 2011, 00:35 Uhr

macht es einen Unterschied, ob sich das Ohr im Wasser befindet oder nicht? Also tritt so ein ständiges Laut-Leise ein? Das soll bei den ersten "Gehörknochen-Geräten" der Fall gewesen sein.

Administrator 28. November 2011, 17:08 Uhr

Ich kann dir mit Sicherheit sagen, dass das Ding an der Brille halten wird. Die einzige und leider auch berechtigte Sorge betrifft die Ohrhörer: Manchen passen sie nicht - d.h. entweder sie verrutschen häufig ungewollt oder sie drücken unangenehm -, manchen ist die Tonqualität nicht gut genug und wieder andere haben berichtet, dass die Ohrhörer nach 3 bis 12 Monaten den Geist aufgeben. Wenn man diese Dinger mal im Ohr hatte, versteht man, dass es stark von der eigenen Ohrform abhängt, ob man Spaß an dem Gerät haben wird. Und ob deine Ohrform die richtige ist, wird dir (leider!) niemand sagen können, bevor du sie nicht mal anprobiert hast.

Sollten die Ohrhörer nicht passen, besteht noch immer Hoffnung: Da der Aquabeat über einen herkömmlichen 3,5mm-Klinkenanschluss verfügt, lassen sich auch (wasserdichte) Ohrhörer anderer Hersteller (siehe z.B. h2oaudio.com) verwenden. Greift man etwas tiefer in die Tasche, wird einem ein spezialisierter Akustiker eine passgenaue Otoplastik anfertigen. Wer generell seine liebe Müh' mit Ohrhörern hat, kann zuletzt natürlich auch den "Knochenschall" des Finis SwiMP3 ausprobieren.

Moritz 28. November 2011, 15:44 Uhr

so einen möchte ich auch haben! Hält das denn an der Brille?
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