tovotu

1. November 2011, 14:06 Uhr
Eleganter Klavierersatz: Yamaha Clavinova CLP-440

Das geliehene Stage Piano (Yamaha P-140), das mir im vergangenen Jahr meines Studiums einen akzeptablen Ersatz für ein richtiges Klavier bot, musste ich Ende des Sommersemesters leider wieder abgeben. Wenn man über 14 Jahre Klavier gespielt hat, kann es natürlich nicht lange dauern, bis sich die juckenden Finger nach einem neuen Spieluntersatz sehnen. Und tatsächlich findet sich seit fast zwei Wochen wieder eine Klaviatur in meinem Zimmer.

Ein Digitalpiano in elegantem Rosenholz-Look mit einer Masse von fast 70 Kilogramm ziert jetzt eine Wand meiner sonst eher bescheidenen 13 Quadratmeter. Über der Klaviatur, die mit einem stilechten Deckel vor Staub geschützt werden kann, prangt in goldenen Lettern der Schriftzug "Yamaha" und erinnert damit an das Design der mechanischen Modelle des japanischen Herstellers von Musikinstrumenten aller Art. Es handelt sich um ein Yamaha Clavinova CLP-440, also ein Homepiano - eines jener Digitalpianos, die neben ihren musikalischen Fähigkeiten einen ästhetischen Zweck als schickes Mobiliar wunderbar erfüllen können.

Dem Tag aber, als plötzlich ein riesenhafter Karton - beinahe so groß wie ich nämlich und dabei mit 98 kg sogar deutlich schwerer - vor meiner Haustüre stand, gingen viele Wochen, gar Monate, der Entscheidungsfindung voraus. Eigentlich war zu Anfang nur klar, dass es ein Digitalpiano werden sollte. Ein richtiges Klavier kam schon aufgrund der Lautstärke für ein Studentenwohnheim nicht in Frage. Mehr verwirrt als beraten von dem naturgemäß inhomogenen Meinungsbild im Internet auf Seiten wie Musiker-Board [1] und Clavio [2] machte ich mich auf den Weg in das große Ladengeschäft von Session-Music in Frankfurt [3].

Meine erste Erkenntnis bei der riesigen Auswahl an Digitalpianos aller Preisklassen sollte leider sein, dass ich selbst die teuersten noch für ziemlich schlechte Imitate eines richtigen Klaviers hielt. Der Digitalpianokauf wurde also zur Suche nach dem kleinsten Übel. Dass dabei ein Stage Piano von 30-40 kg mit einem Ständer beliebiger Bauart ein eher wackeliges Spielgefühl verursachte, unter dem ich auch im vergangenen Jahr zu leiden hatte, brachte mich zu dem Entschluss, Stage Pianos trotz ihres praktischen Formats ganz auszuschließen.

Indem ich die unterschiedlichen Modelle von Casio, Kawai, Roland, Yamaha, Nord und Korg immer wieder verglich, verfestigte sich in mir die Überzeugung, dass ich mich nur mit der Yamaha-Mechanik anfreunden wollte - vielleicht deswegen, weil ich mich im vergangenen Jahr schon zu sehr an die Mechanik eines Yamaha-Modells gewöhnt hatte. Einige weitere Wochen gründlicher Meditation und wehmütiger Blicke auf die eigenen Finanzen vergingen, bis ich mich dann endlich kurz nach Beginn des Wintersemesters zum Kauf eines CLP-440 im Kölner Music-Store durchringen konnte.

Glücklicherweise bin ich bis heute mit jedem Tag ein Stückchen überzeugter von dieser Entscheidung. Ich habe das Gefühl, gerade ein solches Modell gewählt zu haben, dass größere Investitionen nur noch in schöneres Design und Funktionen, die ich niemals brauchen werde, geflossen wären, wohingegen jegliche Ersparnisse sofort auf Kosten von Funktionen, auf die ich wert lege, gehen würden - etwa Saitenresonanz, Key-Off-Samples, echte Dämpferpedal-Samples und elfenbeinartige Beschichtung im Vergleich zum CLP-430.

Die zahlreichen Funktionen und die beeindruckende Soundengine wurden in einem Video von Session-Music auf YouTube recht umfassend vorgestellt [4], sodass ich keine Notwendigkeit sehe, diese Details an dieser Stelle zu wiederholen. Das tatsächliche Spielgefühl, das durch Tastenmechanik und -beschichtung bedingt ist, wird man aber erst kennen lernen können, wenn man selbst Gelegenheit hatte, das Modell anzuspielen. Übrigens hat meine Erfahrung gezeigt, dass man klanglich sehr viel bessere Ergebnisse mit teuren Kopfhörern als mit den integrierten Lautsprechern erzielen kann. Dabei sind Kopfhörer einer gehobeneren Preisklasse schon aufgrund des Tragekomforts günstigeren Modellen vorzuziehen. Ich habe mich aus diesen Gründen zum Kauf von Beyerdynamic DT-770 Pro (80 Ohm) entschieden und kann diese Kopfhörer wärmstens weiterempfehlen.

Zwei wichtige Empfehlungen an alle Klavierbegeisterten, die selbst den Kauf eines Digitalpianos planen: Zum einen sollte man sich nicht zu lange mit den Empfehlungen und Erfahrungsberichten in Internetforen und Testzeitschriften aufhalten. Eine Entscheidung, die wirklich glücklich macht, kann nur vor Ort in einem großen Musikgeschäft fallen, sobald man alle möglichen Modelle (mit guten Kopfhörern!) gründlich angespielt hat. Der zweite Tipp betrifft das Finanzielle: Weil die Preisschwankungen bei Digitalpianos recht moderat ausfallen, sind die Chancen auf ein Schnäppchen am höchsten, wenn man dem Musikgeschäft seines Vertrauens zusätzlich zum gewünschten Modell einiges Zubehör auflistet und um einen guten Preis für das Gesamtpaket bittet. Dabei kann man schon mal bis zu 150 Euro sparen, wenn man gute Kopfhörer, einen ordentlichen Ständer (bei Stagepianos) und eine passende Klavierbank auswählt.

  1. musiker-board.de/f12-digitalpianos-keys
  2. clavio.de/forum/kla...ard-kaufen-reparieren
  3. session.de
  4. youtube.com/watch?v=h-mafiAqQYY

Kommentare

Sohn deiner Mutter (anonym) 8. November 2011, 15:56 Uhr

Ich bin ja fast ein bisschen neidisch...
...das wird sich aber ändern, sobald ich einen Flügel habe 😉
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