tovotu

2. November 2008, 19:21 Uhr
Absolut perfektes Gehör

Wenn man ein Musikinstrument spielt, dann träumt man natürlich davon, jedes Stück, das man etwa im Radio hört, oder auch nur jede Melodie, die einem im Kopf rumschwirrt, nachspielen zu können. Handelt es sich dabei um einen aktuellen Pop-Song, um Filmmusik oder gar um ein klassisches Werk, ist es oft einfach, die Noten irgendwo aufzutreiben. Wenn das aber eine Menge Geld kostet, mit viel Aufwand verbunden ist oder einfach gar nicht möglich ist, wünscht man sich, man könnte es vom Gehör nachspielen. Wer da von Geburt an mit einem so genannten "absoluten Gehör" ausgestattet ist, der hat es natürlich gut. Besitzt man diese Fähigkeit nicht, ist es aber trotzdem möglich, sie bis zu einem gewissen Grade zu erlernen.

Es ist auch ein Traum von mir, jede beliebige Melodie vom Hören her nachspielen zu können. Da ich jedoch nicht mit der Gabe eines absoluten Gehörs ausgestattet bin, scheint die Erfüllung dieses Traums vorerst in weiter Ferne. Jetzt habe ich kürzlich immerhin eine kostenlose Software entdeckt, die beim Antrainieren eines solchen absoluten Gehörs (engl. "perfect pitch" oder "absolute pitch") helfen zu können verspricht. Das Programm heißt "Pitch Coach" und ist nur einen halben Megabyte groß.[1]

Die Funktionen der Software sind gewissermaßen minimalistisch, entsprechen aber im Grunde meinen Vorstellungen von so einem Programm. Zunächst wird die Ausbildung eines relativen Gehörs angestrebt. In diesem Modus drückt der Benutzer einen Knopf, woraufhin ein Ton erschallt, den es anschließend auf einer auf dem Bildschirm angezeigten Klaviatur zu erraten gilt. Dabei hat man unweigerlich natürlich den zuletzt abgefragten Ton immer noch als Orientierungspunkt im Kopf - deswegen heißt es "relatives" Gehör.

Im nächsten Schritt kann man sich dann auf ein absolutes Gehör zuarbeiten: Der Benutzer betätigt wieder eine Schaltfläche, muss diesmal jedoch einen längeren Zeitraum (5-60 Minuten) warten, bevor der Ton erschallt. Während dieser Zeit, kann man natürlich den Computer für andere Dinge verwenden. Eine dritte Funktion von "Pitch Coach" ermöglicht schließlich sogar das Training zur Erkennung von ganzen Akkorden mitsamt ihrer Umkehrungen. Der Funktionsumfang spricht für sich, wenn man bedenkt, dass das alles Freeware ist. Ich wünsche also viel Spaß und Erfolg beim Töne erraten!

  1. Das Programm steht inzwischen leider nirgends mehr zum Download. Falls ich je wieder eine Version davon in die Hände bekommen sollte, werde ich sie hier erwähnen. Dies ist der ehemalige Link: socs.berkeley.edu/~...ooper/pitchcoach.html

Kommentare

JFK 29. April 2011, 04:07 Uhr

Es stimmt; auch das absolute Gehör kann man erlernen.
Dazu gibt es den Trainings Kurs "Perfect Pitch" von David Lucas Burge.
Der Kurs funktioniert, nach kurzer Zeit konnte ich ein Fis in einer Melodie, die mir nicht bekannt war, identifizieren.

Auch P. Hindemith war der Auffassung man kann es erlernen.
Ich selbst habe einen Kollegen der es eines Tages, beim Üben, plötzlich hatte.

Ich erinnere mich dunkel als ich Gitarre anfing, das ich blind die Akkorde benennen konnte die ein Freund mir vorspielte.
Mit der Zeit wurde die Musik komplexer und ich verlor diese Fähigkeit.
Vermutlich habe ich mich nur noch auf die relativen Intervall Beziehungen konzentriert und die andere Fähigkeit wurde darunter begraben.

Man muss dazu sagen, das offensichtlich absolutes Hören natürlich alleine nicht reicht- laut David Lucas Burge.
Klar man kann Melodien und Akkorde benenn und sagen welche Töne drinnen vor kommen.
Um diese aber Funktionstechnisch auch einzuordnenden braucht man natürlich auch ein sehr gutes relatives Gehör.

Beides kann man Lernen dazu hat DLB auch einen sehr guten Relativ-Pitch-Gehör Kurs.

Seine Systematik ist bestechend einfach, es sind regelrechte Drills.
Es erfordert jede Zeit (Täglich 15-20 Minuten) und Geduld.

Das schöne bei beiden Kursen ist, wenn man die Drills durch hat, es ist permanent, es geht nicht mehr weg, es wurde ins Hirn eingehämmert.
Mann kann also nach einer gewissen Zeit den Kurs auch mal Ruhen lassen und bei der letzten Lektion, die schon verinnerlicht war, wieder Starten.

Vor allem der Perfect Pitch Kurs widerlegt die Mediziner die sagen....Nein!!
Absolut Hören ist angeboren.

Einfach selbst probieren; es ist beim Perfect Pitch Kurs beeindruckend was passiert wenn man die Geduld hatte, bis Lektion 14 durchzuhalten.

Ist es auf diesem Weg frustrierend?
Ja, es gibt Tage an denen glaubt man dann plötzlich gar nix mehr zu hören.

Es dauerte zumindest bei mir viele Wochen bis das Ohr sich den Tönen öffnete.
Ab Lektion 12 beginnt man die Töne beim Namen zu nennen.
Davor geht es nur darum das sich das Ohr den "Farben", die in jedem Ton stecken, öffnet.

Einige Töne kann ich bereits Hören, es ist eher ein Gefühl das man jedem Ton zuordnet.
Ein B ist für mich zum Beispiel - Beerdigung.
Ein H ist stumpf wie ein Messer.

Durch die Drills wird es permanent, zwischendurch ist es auch nochmals weg.
12 Monate Geduld muss ich vermutlich aufbringen, bis ich Morgens nach dem Aufstehen einen Ton meiner Wahl singen kann.

schon wieder ich :) 4. November 2008, 23:43 Uhr

geile sache, jetzt hab ich immer was zu tun 😉
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