tovotu

27. Mai 2009
Was für ein Zirkus um den Tierschutz?

Wenn ein Zirkus nach Fulda kommt, dann lässt er sich meistens auf der Ochsenwiese nieder und die sehe ich mindestens zwei Mal pro Woche, weil ich da ganz in der Nähe Schwimmtraining habe.
Seit Jahren schon frage ich mich jedes Mal, wenn ich dort mal wieder eines der riesigen Zirkuszelte mit den unzähligen Wagen drumherum sehe, ob sich das Zirkusgeschäft überhaupt noch rentiert - vor allem weil ich immer sehe, wie einem überall die Freikarten geradezu nachgeschmissen werden. Dann sehe ich auch manchmal die Eintrittspreise und rätsle, wer wohl so viel Geld für einen kurzen Abend an Unterhaltung ausgeben würde. Kurz: Mit dem Zirkusleben kann es nicht mehr lange so weiter gehen: eine Antiquität, die zum aussterben verurteilt zu sein scheint.

Heute erschien ein FAZ-Artikel, der meinen Eindruck mehr oder weniger offiziell bestätigt [1]. Hier klagt der Inhaber des Zirkus Barelli über immer höhere Kosten, immer weniger Besuch, immer weniger Einnahmen und nicht zuletzt über Tierschutzpropaganda, die regelrechten Rufmord betreibe.
Der Eindruck in dem Artikel ist viel wertender als der, den ich mir bis dato gebildet hatte. Hier wird der Verlust des Zirkusgeschäfts als Kulturgut geradezu beweint. Tierschützer wirken plötzlich wie Kulturbanausen, die harmlose Zirkusfamilien radikal in den Ruin treiben.

Wie viele Leser, die ihre Meinung unter dem FAZ-Artikel kundgegeben haben, kann ich die Trauer um den Zirkus in Deutschland in dem Maße nicht nachvollziehen. Was in Zirkussen dargeboten wird, hielt ich schon immer für überholt und allzu populistisch. Natürlich tut es mir leid um die vielen Menschen, die damit geradezu ihre Lebensaufgabe verlieren. Aber das Aussterben der Wanderzirkusse wirkte auf mich schon länger wie eine zeitgeschichtliche Notwendigkeit, die nicht mehr abzuwenden ist.

  1. faz.net/s/RubEC1ACF...Ecommon~Scontent.html

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