tovotu

9. Juni 2011, 20:29 Uhr
Logitech M325: Tolle Maus, wären meine Hände nur kleiner ...

Kein Unternehmen hat sich so erfolgreich einen Namen mit Computermäusen gemacht wie der Schweizer Computerzubehör-Hersteller Logitech. In kurzen Abständen brachte Logitech schon seit 2002 immer wieder neue Modelle mit bahnbrechenden Technologien hervor. Beispielhaft seien hier nur angeführt: 2001 die erste kabellose optische Maus, 2004 die erste Laser-Maus, 2008 die erste auch in der Luft steuerbare Maus.

Seit je entwarf Logitech ansprechende Designs, die Mäuse kamen stets mit verblüffender Haptik und wertiger Verarbeitung daher. Bei all der Innovation kamen aber auch zeit- und konkurrenzlose Klassiker aus der Schmiede von Logitech: Die Maus MX518 hat seit ihrem Erscheinen im Jahre 2004 nicht an Glanz und Beliebtheit eingebüßt.

Als ich es also kürzlich für nötig befand, eine Maus für die tägliche Arbeit mit meinem Notebook[1] anzuschaffen, da die Bedienung mit Touchpad und (inzwischen schon vorwiegend) TrackPoint zunehmend Verkrampfungen hervorrief, warf ich meinen Blick gleich auf das aktuelle Sortiment von Logitech.

Mein Budget war nicht sonderlich groß und für ein Notebook musste es natürlich ein kabelloses Modell sein. Tatsächlich konnte mich Logitechs brandneues Modell M325 in seiner günstigen Preisklasse zwischen 20 und 30 Euro am besten überzeugen.

Bestellt, ausgepackt, angeschlossen - und ohne auch nur einen Finger für Treiber und andere Software bemühen zu müssen, konnte ich das Mäuschen in meine alltägliche Arbeit mit dem ThinkPad einbinden. Obwohl Logitech für die kabellose Übertragung einen eigenen Standard pflegt, stellt die Inbetriebnahme also unter einem Linuxbetriebssystem (Fedora 15) kein Problem dar.

Wie meine Fotos hoffentlich vermitteln, wirkt die Maus unglaublich hochwertig. Die Verarbeitung überzeugt einfach auf der ganzen Linie und auch das Design macht einen ausnehmend guten Eindruck. Selbst der kleine Nano-Empfänger für die kabellose Übertragung macht etwas her.

Das ultra-fein gerasterte Scrollrad (72 statt wie sonst um die 20 Rasterpunkte), mit dem die Maus auch beworben wird, fühlt sich angenehm an. Dem ein oder anderen wird es aber zu leichtgängig sein, da die Rasterpunkte wirklich ausgesprochen fein sind. Ich würde aber nicht so weit gehen zu sagen, dass mir diese ungewöhnliche Rasterung einen besonderen Bedienkomfort beschert hätte. Das Scrollen durch Dokumente fühlte sich zwar anders an, war aber tatsächlich nicht von anderer Qualität. Das Drücken der mittleren Maustaste war außerdem leider häufig mit einem unbeabsichtigten Drehen des Scrollrads verbunden. Dagegen funktionierte das Kippen des Scrollrads zu den Seiten (bewirkt "Vor" und "Zurück" im Browser) ausgezeichnet.

Von der besonders energiesparenden Betriebsweise der Maus konnte ich natürlich in der kurzen Testphase nicht viel mitbekommen: Laut Hersteller hält die AA-Batterie alleine 18 Monate durch (die Hälfte der dreijährigen Herstellergarantie!). Das erreicht die Maus unter anderem, indem sie sich nach einigen Minuten der Nichtverwendung abschaltet und erst bei Bewegung wieder aktiviert. Logitech hat dieses Konzept hervorragend umgesetzt: Bei Reaktivierung leuchtet eine grüne LED und der Mauszeiger setzt sich schon nach weniger als einer Zehntelsekunde wieder in Bewegung, sodass man wirklich überhaupt nicht in seiner Arbeit mit dem Computer gestört wird.

Leider folgt auf die Lorbeeren nun ein Wermutstropfen, der in meinem Fall ein entscheidendes Kriterium darstellt: Die Maus ist viel zu klein für meine Hände und ich denke nicht, dass die außerordentlich groß sind.
Das Design der M325 verspricht einige Ergonomie, die allerdings daran scheitert, dass das Volumen der Maus in meiner Hand fast ganz verschwindet, sodass ich beinahe auf allen Seiten die Unterlage (den Tisch) berühre. Inbesondere vorne ragt fast das ganze vorderste Glied meines Mittelfingers über die Maus hinaus.

Der Besuch eines lokalen Computerladens und einige Recherche im Internet zeigten aber, dass sich der Markt kabelloser Mäuser an solchen Mini-Exemplaren erschöpft. Meine alte kabelgebundene MX518 ist (mit 130 x 72 x 45 mm) dreieinhalb Zentimeter länger, eineinhalb Zentimeter breiter und einen halben Zentimeter höher als die M325 (95 x 57 x 39 mm). An diese größeren und für mich angenehmen Maße kommt unter den kabellosen Modellen nur die teure Logitech Performance Maus MX heran. Immerhin schafft die Logitech M705 einen guten Mittelwert. Mit ähnlichen Abmessungen wie die hier vorgestellte M325 kommen beispielsweise die Lenovo Bluetooth Laser Mouse, die Notebookmäuse von Microsoft und Trust, die Logitech M555b, V470 sowie alle Logitech-Modelle der Reihen M5xx, M3xx und M2xx daher.

Mein ernüchterndes Fazit aus der Rezension einer sonst so gelungenen Maus ist, dass die Überschwemmung des Markts durch die kleinen Notebookmäuse, die Platz, Gewicht und Energie sparen sollen, kein Segen für die Ergonomie darstellt. Will man nicht gerade 40 bis 70 Euro für eine Performance Maus MX oder eine M705 ausgeben, bekommt man Geräte, die für halbwegs große Hände beinahe genauso unangenehm zu handhaben sind wie Touchpads und TrackPoints.
Zu betonen bleibt, dass manche Maus auf dem Markt makellose Technik und grandiose Verarbeitung vereinen mag (wie etwa die M325), aber durch die unveränderlich kleine Gesamtgröße für mich ausscheidet. Hier beneide ich fast Menschen mit kleineren Händen.

  1. tovotu.de/blog/448-...s-und-Fedora-13-x8664

Kommentare

Moritz 18. Juni 2011, 20:47 Uhr

schöne Artikel, die du in der letzte Zeit verfasst hast.
Ich habe mal gelesen, dass die Gründer von Logitech die Maus erfunden hätten, weil sie mit der Tastatur ihre Programme nicht mehr richtig bedienen konnten, stimmt das?
Neue Kommentare zu diesem Artikel bitte per Mail an kommentare-497(at)tovotu.de!